Nicht nur alle Berlin-Liga-Frauen recken dankbar ihre Hände himmelwärts – der BSV Grün-Weiß Neukölln bekommt endlich neue Kunstrasenplätze
Was war das nicht ernüchternd, mit seinem Team und wegen der jüngsten Siegesserie mit breiter Brust an die Johannisthaler Chaussee zu reisen, nur um dann auf dieser als Fußballplatz getarnten Betonwüste gegen Grün-Weiß ordentlich auf die Mütze zu bekommen. Nicht falsch verstehen: Neukölln ist stark, wertet mit seiner Qualität seit gefühlten Ewigkeiten die Verbandsliga auf und kann auch auf „normalem“ Terrain jeden in der Liga schlagen oder wenigstens in die Bredouillie bringen.
Und dennoch: Hier versprangen irgendwie die Bälle besonders gerne, misslang der erste Kontakt besonders häufig, rutschte die Kugel besonders flott ins Nirvana. Natürlich nicht so bei den Gastgeberinnen, weil die ihr Geläuf schlichtweg gewohnt waren.



Das ist auch der Grund, warum der Beschluss des Bezirksamtes Neukölln, in den laufenden Sommerferien dem Elend endlich ein Ende zu machen, für Coach Helge Kapheim neben allem Segen auch ein bisschen Fluch ist: „Ich fürchte, wir büßen einen Teil unserer Heimstärke ein“, sagte er beim pre-saisonalen rasenperlen-Check. Zumal er in der vergangenen Saison feststellte, dass seine Schützlinge auf genau jenem modernen Belag, der jetzt verlegt werden soll, Probleme haben. „Da sahen wir jeweils nicht gut aus“, erinnert er sich.
Der Job für die Kapheim-Elf: Aus der Not eine Tugend machen
Ganz ernst ist es ihm freilich nicht mit der Sorge um die Heimstärke. Alleine er berichtete von drei Kreuzbandrissen innerhalb seines Teams, der Verein spricht auf seiner Homepage von „unzähligen Verletzungen“. Und deshalb findet auch Kapheim, dass es höchste Zeit war, das Relikt aus längst vergangenen Tagen zu entfernen.
Richtig gewöhnen konnten und können sich die Grün-Weißen Fußballerinnen an den neuen Untergrund nicht, bevor die Saison startet. Bis zum Ende der Ferien dauert die kurzfristig bekanntgegebene Sanierung. Das bedeutet, das sämtliche Teams die Vorbereitung auf anderen Plätzen bestreiten mussten. Nicht optimal. Aber mit der Zeit wird die Kapheim-Elf damit zurechtkommen.
Und vielleicht macht sie dann eine Tugend daraus, dort besonders gut zurechtzukommen. Sie ist ja dann den anderen Teams wieder eine Nasenlänge voraus. Ist ja nicht so, dass nicht auch zahlreiche andere Plätze dringend renoviert gehörten. Und dann jubelt auch Neukölln, so wie die anderen Teams bereits jetzt.
Fotos: www.gruen-weiss-neukoelln.de

