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Establishment trifft auf Newbie

Der gestandene Berlin-Ligist Friedrichshagener SV empfängt Aufsteiger Moabit – im Spiel der Woche bei rasenperlen

Sonntag, 11 Uhr, Fürstenwalder Damm 570 in Köpenick. Spannung liegt in der Luft – ein Spiel, dass der weiteren Standortbestimmung in diesem frühen Stadium der Saison dient. Friedrichshagen mit perfektem Saisonstart: zwei Spiele, zwei Siege, sechs Punkte. Moabit mit null Zählern, präsentierte sich aber spielerisch längst nicht wie ein Abstiegskandidat. Und beide Co-Trainer melden sich mit klaren Ansagen.

Friedrichshagen: Stark, aber angeschlagen

„Du hättest dir gerne ein anderes Spiel aussuchen können“, lacht Dustin Lefevres, Co-Trainer des FSV, als er von der Wahl zum Spiel der Woche hört. Nicht, weil Friedrichshagen sich klein macht, sondern weil eine Krankheitswelle durch die Kabine geht. „Fünf Spielerinnen hat’s erwischt, bei einer weiteren ist es fraglich.“ Trotzdem bleibt er entspannt: „Wir sind immer noch vernünftig gut aufgestellt.“

Der Plan: das eigene Spiel durchziehen, Favorit bleiben – auch wenn man sich angesichts der Personallage „eher als müder Favorit“ sieht. Entscheidend soll werden, was die Mannschaft in den zweiten Halbzeiten der bisherigen Spiele gezeigt hat: Stabilität, mehr Tempo, klare Aktionen. „Das wollen wir wiederholen“, sagt Lefevres. Und trotz aller Ausfälle ist klar: Zuhause soll der Lauf fortgesetzt werden.

Moabit: Kompakt bleiben, erwachsen auftreten

Ganz anders die Gefühlslage beim Aufsteiger. Moabit hat bisher gut gespielt, aber nichts geholt. „Uns hat hinten raus der Punch gefehlt“, sagt Co-Trainer Martin Meyer. Jetzt soll am Fürstenwalder Damm nachgelegt werden – und die Kunstrasen-Ansetzung passt. „Das wird an unserer Ausrichtung nur bedingt etwas ändern, aber wir sind den Untergrund gewohnt.“

Moabit will defensiv enger stehen, weniger Lücken zulassen. „Wir haben gemerkt, wie schnell ein Spiel durch kleine Unaufmerksamkeiten kippen kann. Deswegen wollen wir kompakter verteidigen, ein Stück weit auch einen guten Tiefenblock anbieten.“ Dazu gesellt sich Optimismus: „Wir haben Qualität in der Offensive, vielleicht reicht auch ein Tor.“ Klar ist: Die Erwartungshaltung bleibt realistisch. Punkte sollen vor allem in den direkten Duellen im unteren Drittel und zuhause her. Aber: „Ein Unentschieden hier wäre ein Erfolg“, sagt Meyer – und grinst, dass man vielleicht noch eine „kleine Schweinerei in der Schublade“ habe.

Brisant: Kunstrasen statt Rasen

Ein Umstend, der das Spiel beeinflussen kann: Der FSV trägt seine Heimspiele normalerweise auf Rasen aus, diesmal geht es auf Kunstrasen. Für die Gäste ein Vorteil, denn das entspricht ihrem Alltag. Für die Gastgeber eine kleine Umstellung, auch wenn sie Lefevres nicht groß thematisiert.

Friedrichshagen will die makellose Bilanz halten, Moabit endlich punkten. Favorit bleibt trotz Ausfällen der FSV – aber nur auf dem Papier. Moabit reist mit Wucht, Energie und einem klaren Defensivplan an. Ob das reicht, hängt auch davon ab, wie schnell Friedrichshagen ins Rollen kommt. Am Ende dürfte es auf die klassische Berlin-Liga-Mischung hinauslaufen: Kampf, Leidenschaft, Tore. Und wer früh am Sonntag den Weg nach Köpenick findet, wird auf jeden Fall nicht enttäuscht. 


Fotos: Friedrichshagener SV, Moabiter FSV