Im Spiel der Woche auf rasenperlen.de geht es offiziell um die Titeljagd – und inoffiziell um die Vorherrschaft im Bezirk
Wenn an der Lippstädter Straße am Sonntag, 12. Oktober, um 10 Uhr der Anpfiff ertönt, ist wieder Derbyzeit im Berliner Frauenfußball. Die U20 des FC Viktoria 1889 Berlin erwartet Tabellenführer SFC Stern 1900 zum Topspiel der Berlin-Liga – ein echtes Bezirksduell zweier Teams, die beide hoch hinauswollen.
Viktoria mit Rückenwind
Die Gastgeberinnen kommen mit reichlich Schwung: Ein 5:0-Auswärtssieg bei Türkiyemspor II, dazu ein 4:0 im Pokal bei Berolina Mitte II – das sind klare Ansagen. Auch wenn Trainer Darien Hoffmann die Pokalpartie eher als „Pflichtaufgabe“ bezeichnete, war sie doch ein weiterer Baustein im Entwicklungsprozess seiner jungen Mannschaft. Nach dem etwas holprigen Start mit einer Niederlage gegen Bero und einem 4:4 gegen Friedrichshagen zeigt die Formkurve des Zweitliga-Unterbaus klar nach oben.

„Wir wollen anklopfen an der Tabellenspitze“, hatte Hoffmann zu Beginn der Saison gesagt – nun gibt es die Gelegenheit dazu. Seine Elf sei jung, unerfahren, aber frech. Gegen Stern wolle man mutig auftreten: „Wir haben nichts zu verlieren. Wenn unser Matchplan aufgeht, können wir auch ihnen gefährlich werden.“



Der Coach hat seine Hausaufgaben gemacht: Eine Halbzeit lang beobachtete er Stern beim 0:2 gegen Berolina Mitte – und hat daraus seine Schlüsse gezogen. „Ein, zwei Dinge sind mir da aufgefallen“, sagte er im Vorfeld der Partie. Welche, verriet er natürlich nicht.
Stern mit Sorgen – und Stolz
Ganz sorgenfrei ist man in Steglitz nicht. Trainer Roman Rießler muss sein Team umbauen: Top-Torjägerin Xenia Zeinert (9 Saisontore) fehlt im Urlaub, Diana Steinmeyer ist krank, Jennifer Kandetzki plagt der Nacken, Sofie Roll laboriert an einem Nasenbeinbruch. Doch Rießler bleibt gelassen: „Dann müssen’s eben andere richten.“ Namen wie Aldijana Ibrisevic oder Sophia Verheijen stehen bereit, um die Lücken zu füllen.



Trotz allem erwartet er von seinem Team einen mutigen Auftritt: „In solchen Spielen müssen wir alle eine Schippe drauflegen. Angsthasenfußball will ich nicht sehen.“ Der Tabellenführer will zeigen, warum er ganz oben steht – auch ohne halbe Offensivabteilung.
Alte Verbindungen, neue Generation
Für Rießler ist die Rückkehr nach Lichterfelde mehr als nur ein Spiel. Jahrelang coachte er dort die erste Mannschaft in Regionalliga-Zeiten, legte mit der Installation von Spielerinnen der Ersten als Jugendtrainerinnen den Grundstein für die Wiederauferstehung des Mädchenfußballs bei Viktoria. Viele Gesichter von heute – Lea Hahn, Deborah Chmieleski, Torhüterin Lena Orywall – stammen aus jener Aufbauzeit. „Es freut mich aus der Ferne riesig, zu sehen, dass sie geblieben sind und sich so entwickelt haben“, sagt Rießler.
Duell der Generationen
An der Ecke Ostpreußendamm/Lippstädter Straße prallen auch zwei Fußballideen aufeinander: Erfahrung, Struktur und Wucht auf der einen Seite – jugendliche Frechheit, Tempo und Spielfreude auf der anderen.


Chmieleski, gerade erst Rasenperle der Woche nach ihrem Hattrick gegen Türkiyemspor gekürt, wird wieder ein Schlüssel sein. Stern muss versuchen, sie und die Schaltzentrale um Layla El Khanji zu bremsen – das weiß Rießler genau.
Ob jung und wild oder abgeklärt und clever – eines ist sicher: Dieses Derby wird heiß.
Fotos Stern: Ralf Seedorff
Fotos Viki: Matthias Vogel

