Stern 1900 entscheidet das Spiel der Woche durch einen Treffer von Alina Lindemann für sich. Die Zuschauer sahen ein intensives, ein packendes Berlin-Liga-Derby
Wer an der Lippstädter Straße ein heißes Derby erwartet hatte, bekam eines. Und zwar ein flottes. Die U20 von Viktoria 1889 und der SFC Stern 1900 lieferten sich in der ersten Halbzeit ein rasantes Bezirksduell auf Augenhöhe – mit viel Tempo, Spielfreude und beidseitigem Offensivdrang, aber ohne Tore zur Pause.

Bereits in den Anfangsminuten ging’s ohne großes Abtasten zur Sache. Erst prüfte Luise Wille aus halbrechter Position Vikis Keeperin Lena Orywall (3.). Kurz darauf hatte Deborah Chmieleski eine gute Halbvolleychance aus 18 Metern – ordentlich getroffen, aber ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt.
Anschließend neutralisierten sich beide Teams weitgehend, die Partie blieb intensiv, aber ohne klare Durchbrüche. Erst kurz vor der Pause wurde es nochmal gefährlich: Chmieleski zog in der 41. Minute von links nach innen und zwang Haertel zu einer Parade, ehe auf der Gegenseite Jennifer Kandetzki aus halbrechter Position ans Außennetz zimmerte. „Den haben wir schon drinnen gesehen“, sagte Sterns Coach Roman Rießler nach der Partie.


Überschattet wurde die erste Halbzeit allerdings von einer schweren Verletzung von Kim Ollrogge. Sterns Innenverteidigerin musste nach einem unglücklichen Zweikampf in der eigenen Box mit großen Schmerzen im Knie ausgewechselt werden. Für sie kam Aldijana Ibrisevic, Amelie Großgebauer rückte in die Innenverteidigung, Ibrisevic übernahm außen links.

Nach Wiederbeginn blieb das Spiel offen – und nahm schnell wieder Fahrt auf. Rund zehn Minuten nach der Pause spielte sich Stern stark über links durch: Ibrisevic mit Tempo bis zur Grundlinie, ihre flache Hereingabe legte Maggi Lorenz clever ab auf Sofie Roll, deren Abschluss knapp über die Latte rauschte. Doch auch Viktoria war sofort wieder da: Erst entwischte Deborah Chmieleski über links Großgebauer, scheiterte frei dem Kasten aber an der großartigen Fußabwehr von Haertel. Kurz darauf kam Kuni Steinbock nach einem wilden Ping-Pong aus sieben Metern Entfernung zentraler Position zum Abschluss – wieder parierte Haertel stark.

Genau nach diesen beiden Riesen schlug Stern eiskalt zu. In der 64. Minute klärte Vikis U20 eine Ecke von der rechten Seite ins rechte Halbfeld. Dorthin hatte sich Kandetzki nach ihrer Ecke fallen lassen. Sie legte sich das Leder kurz vor, flankte scharf an den Torraum. Alina Lindemann lief perfekt ein, spitzelte den Ball aus vollem Lauf unter die Latte. 0:1 – die kalte Dusche für die Himmelblauen.
Der Treffer zeigte Wirkung. Viktoria wirkte danach nicht sortiert. Nur wenige Minuten nach der Führung setzte sich Diana Steinmeyer auf der rechten Seite durch und legte klug zurück in den Rückraum. Alina Sommer rauschte heran, nahm den Ball direkt und jagte ihn aus zentraler Position über die Latte. Da fehlte nicht viel zum 0:2.

Viktoria fing sich bald danach wieder, versuchte das Spiel nach vorn zu verlagern, und drückte noch einmal auf das Gaspedal. Doch Stern stand kompakt, verschob diszipliniert und verteidigte mit viel Leidenschaft. Am Ende reichte das Tor von Lindemann, um drei Punkte aus dem Derby mitzunehmen.
Sterns Trainer Rießler war nach Abpfiff rundum zufrieden: „Mein Eindruck war, dass wir es ein bisschen mehr wollten heute. Das war eine geschlossene Mannschaftsleistung. Wir wollten von Beginn an Fußball spielen und als uns das nach dem Tor schwerer fiel, haben wir sehr gut dagegengehalten. Das gehört genauso dazu.“

Darien Hoffmann, Coach der Viktoria-U20, sah das naturgemäß anders: „Für mich war das eigentlich ein klassisches 0:0-Spiel. Stern war die erwartet clevere Mannschaft. Diese eine Szene, in der wir nicht wach waren, hat’s entschieden. Es tut mir sehr leid für meine Mannschaft, sie wollte unbedingt gewinnen.“ Seiner Elf sei keinerlei Vorwurf zu machen. „Sie hat alles getan und ich sehe Entwicklung. Das ist uns wichtig. Jetzt wird einfach weiter gearbeitet.“
Auch Ronja Grubba, Lichterfelder Abwehrchefin, brachte es nach Abpfiff auf den Punkt: „Der einzige Unterschied in diesem Spiel war heute das Tor. Ich glaube schon, dass das eine Partie auf Augenhöhe war. Es war sehr intensiv, sehr aggressiv, beide Mannschaften wollten immer den Ball haben – leider mit dem schlechteren Ende für uns.“
Lindemann: „Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass wir das Ding heute rocken werden.“
Torschützin Alina Lindemann sprach von einer unglaublichen Sterner Moral : „Ein sehr hitziges und wie erwartet schweres Spiel. Aber ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass wir das Ding heute rocken werden. Die Mannschaft hat alles reingehauen, jede wollte mit jeder Faser diesen Sieg. Dadurch haben wir das ein bisschen erzwungen, auch weil wir in den Phasen, in denen es wichtig war, ruhig und abgezockt gespielt haben. Viki hat das sehr gut gemacht, aber ich glaube trotzdem, wir sind die verdienten Gewinner dieses Matches.“
Fotos: Matthias Vogel

