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Glanzparaden zur rechten Zeit

Fehlerfreies Torwartspiel, zig tiefe Bälle abgelaufen und zur Stelle, als ihr Team abzuschmieren droht: Sterns Torhüterin Antonia Haertel ist Rasenperle der Woche

Es muss so um die 60. bis 63. Minute gewesen sein, als die 27-Jährige die Basis für den 1:0-Sieg Sterns gegen die bärenstarke U20 des FC Viktoria 1889 legte. Das Momentum kippte gerade so ein bisschen auf die Seite der Gastgeberinnen. Und dann drang Vikis agile Flügelspielerin Deborah Chmieleski mit dem Ball am Fuß in die Box ein, ging an Haertels letzter Vorderfrau vorbei, und wollte den Ball aus drei Metern flach einschieben. Haertel blieb stehen, machte sich groß – und parierte reaktionsschnell.

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Zwei Minuten später verpennte ihre Hintermannschaft einen etwas krummen Ball von der linken Seite an den Elfmeterpunkt. Gästeangreiferin Kunigunde Steinbock erkannte die Adresse der Kugel als erste, sprintete hin und versuchte sich mit einem halbhohen Schuss an der Führung. Wieder hielt Haertel bravourös. Kurz darauf fiel dann wie bekannt das Tor des Tages für Stern durch Alina Lindemann (64.). Zwischen Parade und Tor hatte Sterns Trainer Roman Rießler mächtig Puls und seiner Mannschaft dringend und lautstark empfohlen, wieder aufzuwachen.

Toni Haertel ist bei Stern so etwas wie der Fensterkitt zwischen den Teams

Seit 13 Jahren bestreitet Toni Haertel nun Pflichtspiele für Stern 1900. Zuvor kickte sie zehn Jahre lang in einem anderen Verein bei den Jungs mit. „Ins Tor bin ich glaube ich mit 6 oder 7 Jahren gegangen“, erinnert sie sich. Weil Toni Haertel lange das Tor in der Zweiten von Stern hütete, ist sie heute so etwas wie Fensterkitt zwischen den beiden Teams. Die Bezeichnung Identifikationsfigur würde auch ganz gut passen.

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Am vergangenen Sonntag hat sie nicht nur das Team im Spiel gehalten und Rießler vor dem Platzen seiner Halsschlagader bewahrt, sondern insgesamt ein fehlerfreies Torwartspiel abgeliefert. Ihre Entscheidungen waren stets richtig, im Spielaufbau strahlte sie Ruhe aus und lief – das war fast am wichtigsten – die allermeisten der langen Viki-Bälle auf die schnellen Spitzen ab.

„Als wir dann stehen mussten, standen wir auch!“

Ihre Leistung wollte sie gar nicht groß kommentieren, wohl aber die der gesamten Mannschaft: „Dieser Dreier war enorm wichtig für uns“, sagte sie nach dem Spiel. „Viki war stark und eklig, aber wir haben trotzdem und trotz einiger angeschlagener Spielerinnen und Ausfällen unser Spiel sehr gut auf den Platz bekommen. Und als wir dann stehen mussten, standen wir auch.“   


Fotos: Matthias Vogel