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Überall – und überall bärenstark

Bei der 1:3-Niederlage in Köpenick geht Türkiyemspors zentrale Mittelfeldspielerin Angelina Lübcke in allen Belangen voran und dafür unfassbar lange Wege. Das beschert ihr den Titel „Rasenperle der Woche“  

Seit 2021 ist Angelina Lübcke beim Regionalligisten Türkiyemspor unter Vertrag und nähme man alleine das Spiel am vergangenen Sonntag beim 1. FC Union II als Maßstab, könnte man mit Fug und Recht behaupten: Noch nie war sie für die Kreuzbergerinnen so wertvoll wie heute.

Die 34-Jährige war bei nahezu an jeder gefährlichen Aktion der Gäste beteiligt, warf sich in Zweikämpfe, scheute keine Laufduelle, arbeitete konsequent gegen den Ball, wuchtete Kopfbälle aus der eigenen Box, dirigierte ihre Mitspielerinnen und trug eine von ihnen nach deren Verletzung persönlich auf die Bank. Und nicht zuletzt markierte sie den zwischenzeitlichen Ausgleich, als sie am Ende eines Konters Unions Torhüterin ausspielte und einschob (60.) – ihr insgesamt 44. Tor für die Kreuzbergerinnen in der Regionalliga.

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„Ich versuche tatsächlich, immer voranzugehen und alles für das Team zu geben. Ich bin mir dieser Rolle auch bewusst, denke da aber nicht pausenlos dran – das bin einfach ich“, sagte sie nach dem Spiel. Ab und an müsse sie die jungen Spielerinnen im übertragenen Sinne eben ein bisschen „anschubsen“. „Ihnen fehlt in manchen Situationen die Erfahrung.“

So auch gegen Union, nur kam sie da nicht immer rechtzeitig zum Anschubsen. Hier ein ungünstiges taktisches Foul, dort zu viel Eigennutz vor der Kiste, an anderer Stelle falsches Stellungsspiel. Lübcke legt die Finger in die Wunden, spart sich dabei selbst aber auch nicht aus. „Den aus der ersten Hälfte muss ich machen, da habe ich zu lange nachgedacht. Bei der zweiten Chance später war der Weg zu lang und mein linker Fuß ist nur ein bisschen besser als ein Standbein“, kommentierte sie die zwei „Riesen“, mit denen sie der Partie eine ganz andere Wendung hätte geben können.

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Insgesamt war sie mit der Leistung ihrer Elf aber gar nicht mal so unzufrieden: „Das war schon auf Augenhöhe und ein Unentschieden wäre schon ganz nett gewesen.“ Und: Schiedsrichterschelte sei zwar nicht ihr Ding, aber dieses Mal sei die Leistung der Unparteiischen eine Katastrophe gewesen. „Sie hat Gelbe Karten sehr einseitig verteilt und in der zweiten Hälfte muss sie uns einen Elfmeter geben. Meine Gegenspielerin trifft nur meine Beine.“

„Ich dachte mir: ,Komm Omma, das reicht‘!“

Lübcke spielte einst für den HSV und Lok Leipzig in der Bundesliga, für den FFV Leipzig in der 2. Liga, als die noch zweigeteilt war, und marschierte vor ihrem Engagement bei Türkiyemspor mit Phoenix Leipzig von der Landesliga in die Regionalliga durch. Laut FuPa traf sie in 251 Spielen 121 Mal ins Schwarze – eine amtliche Quote.

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Nach der vergangenen Saison kokettierte sie mit ihrem Karriereende. „Großer Umbruch, viele Neue, das war anstrengend für mich. Da dachte ich mir: ,Komm Omma, das reicht‘! Aber irgendwie hat es sich dann doch nicht danach angefühlt“, sagt sie und lacht. Und jetzt? „Ich fühle mich erstaunlich gut“, sagt Lübcke. Türkiyemspor Berlin, der Frauenfußball in Berlin und rasenperlen.de vernehmen es mit Freude.        


Fotos: Loredana Zafisambondaoky