Die U23 von Türkiyemspor Berlin überzeugt im Spiel der Woche mit mehr Struktur und Effizienz. Lichtenberg hält kämpferisch dagegen, kann die frühen Fehler aber nicht korrigieren
Türkiyemspor Berlin hat beim SV Lichtenberg 47 einen souveränen 4:0-Auswärtssieg gefeiert und sich damit im oberen Mittelfeld der Berlin-Liga festgesetzt. „Der frühe Rückstand war der Knackpunkt“, sagte Lichtenbergs Trainer Martin Biermann nach der Partie. Bereits in der 4. Minute hatte Katarina Gordienko nämlich einen folgenschweren Fehler von Laura Weber genutzt: Die Lichtenberger Torhüterin traf beim Klärungsversuch den Ball nicht richtig – Gordienko schob überlegt ins leere Tor ein.

Lichtenberg startete dennoch gar nicht schlecht in die Partie und zwang Türkiyemspor immer wieder durch hohes Anlaufen zu Lösungen im Spielaufbau. Die fanden die Schützlinge von Trainerin Sinem Solmaz aber in der Regel auch. Und wenn die Lichtenberger Hatz nach dem Ball einmal Früchte trug, fehlten Klarheit und Präsizision, um daraus Kapital zu schlagen.



Und spätestens als Gordienko den zweiten Treffer für Türkiyemspor nachlegte, war der Matchplan der Gastgeberinnen endgültig über den Haufen geworfen. Zahraa Chahrour setzte sich auf dem rechten Flügel durch und flankte auf den zweiten Pfosten. Dort kam Gordienko eingelaufen und bugsierte den Ball gegen die Laufrichtung von Weber in die lange Ecke (26.). Chahrour, die ursprünglich zum Regionalliga-Kader von Türkiyemspor gehört, sammelte nach einer Verletzungspause an diesem Tag Spielpraxis in der U23 – und hielt die Fäden im Spiel der Gäste fest in der Hand.
Nach dem Seitenwechsel kam Lichtenberg besser ins Spiel und hatte die große Gelegenheit zum Anschluss: Nach gelungenem Pressing im Mittelfeld gelangte der Ball zu Elisa Gronau auf der halbrechten Seite. Ihr Weg in Richtung Tor war zwar von einem Bodyguard begleitet, dennoch kam sie zum Abschluss – doch ihr Schuss rauschte knapp am linken Pfosten vorbei. Für Biermann ein Schlüsselmoment: „Wenn der reingeht, kann das Spiel vielleicht noch mal kippen.“ Stattdessen lutschte Türkiyemspor mit einem Doppelschlag den Drops. Zerena Oktay traf in der 59. Minute nach einem schnellen Gegenstoß zum 0:3 – Weber war noch dran – , Sarah Chahrour legte nur drei Minuten später nach – 0:4. Beide Male schlug die Kugel unter dem Dach des Lichtenberger Gehäuses ein.


Trotz der klaren Niederlage fand Biermann lobende Worte: „Im Gegensatz zum Spiel gegen Pankow haben wir diesmal die Köpfe nicht hängen lassen. Wir haben weiter versucht, Fußball zu spielen. und wir können gegen Ende der Partie sogar noch ein-, zweimal treffen. Die Moral blieb intakt, das hat mir gut gefallen. Gegen Chahrour fehlten uns die Mittel – eine echte Unterschiedsspielerin.“
Mit den Chancen auf den Anschlusstreffer zum 1:4 hatte Biermann beispielsweise das Geschoss seiner Kapitänin Celine Hellriegel aus der 75. Spielminute gemeint, das über die Latte strich und einen Flachschuss nach Konter, mit dem Gronau an der Feldspielerin Paula Behrends, die mittlerweile im Tor der Gäste stand, scheiterte – weil er nicht platziert genug war. Behrends musste den Kasten ab der 70. Minute hüten, nachdem Michelle Salomon nach einem Zusammenstoß mit einer schweren Verletzung vom Platz und mit einem Krankenwagen abtransportiert werden musste. Die Partie war rund zehn Minuten unterbrochen.
Auschlaggebender Punkt für den Sieg: „Aura 100% – der Wille zum Sieg„
Sinem Solmaz war mit der Leistung ihrer U23 hoch zufrieden: „Das Team war von Beginn an voll da, konzentriert und füreinander da. Jede Spielerin, ob auf dem Platz, auf der Bank oder als Unterstützung dabei, hat heute ihren Teil zum Sieg beigetragen. Nach der Verletzung unserer Torfrau Michi kam kurz Unruhe auf, doch Paula hat das stark gelöst. Trotz des Schocks blieb das Team fokussiert und wollte den Sieg unbedingt holen. Unsere Chancenverwertung war deutlich besser als im letzten Spiel. Wir konnten einige schöne Passstaffetten sehen, die direkt zu Toren führten. Insgesamt war es ein verdienter und wichtiger Sieg, der zeigt, dass unser Schlüssel heute klar war: Aura 100% – der Wille zum Sieg.“
Fotos: Matthias Vogel

