Türkiyemspor jubelt, Stern überzeugt – ein Pokalabend, der beiden Seiten Respekt einbringt
Was für eine Pokal-Nacht! Flutlicht, Emotionen, Spannung bis zur letzten Sekunde – und zwei Teams, die sich nichts schenkten. Es war ein Achtelfinale, das kaum jemand so erwartet hatte: Der Regionalligist Türkiyemspor Berlin musste gegen den Berlin-Liga-Spitzenreiter Stern 1900 über 120 Minuten gehen, ehe das Elfmeterschießen die Entscheidung brachte. Erst dort setzte sich der Favorit mit 3:2 durch.

Als Alina Lindemann den letzten Sterner Versuch über das Tor setzte, fiel vor allem einer ein riesiger Stein vom Herzen: Türkiyemspor-Trainerin Greta Budde. Sie klatschte mit allen ab, umarmte Spielerinnen, strahlte übers ganze Gesicht – spürbar erleichtert. Es war der Moment, in dem der Druck des Favoriten endgültig abfiel. Das Erreichen des Viertelfinals war ein hartes Stück Arbeit. „Wir wussten, dass das schwer wird gegen Stern. Die haben das richtig gut gemacht, Räume eng gemacht, Zweikämpfe angenommen und den Ball laufen lassen. Eigentlich so, wie wir uns das vorgenommen hatten“, sagte Budde später.
Die erste Annäherung gehörte Stern. Alina Sommer wurde auf links freigespielt, setzte sich durch, aber ihr Schuss von der Strafraumkante segelte harmlos links vorbei. Im Mittelfeld beherzt und kompakt, fehlte den Steglitzerinnen im letzten Drittel noch der Mut zum Risiko – vielleicht auch, weil sich Räume auftaten, die sie selbst überraschten.

Türkiyemspor dagegen kam gefährlicher. In der 18. Minute entwischte Lutricia Michalke der letzten Kette, zog rechts bis zur Grundlinie und brachte den Ball scharf vor den linken Pfosten. Lorin-Hiva Beyaztepe rauschte heran, doch Kathi Herber grätschte in höchster Not dazwischen und klärte zur Ecke. Nach etwa einer halben Stunde marschierte dann Meliah Hartmann durchs Zentrum, ließ zwei Gegenspielerinnen stehen und scheiterte erst an der gemeinsamen Rettungsaktion dreier Sternerinnen.
„Beide Teams hatten immer mal wieder den Führungstreffer auf dem Fuß“, sagte Stern-Coach Roman Rießler nach dem Spiel. „Wenn wir den kassiert hätten, hätten wir uns auch nicht beschweren können.“ Er könnte damit die Szene kurz nach der Pause gemeint haben: Julia Wagner wurde von rechts freigespielt, nahm den Ball direkt – und jagte ihn aus elf Metern knapp über die Latte (49.). Wenig später tauchte Hartmann zentral vor dem Strafraum auf, verfehlte aber die lange Ecke (60.). Für seine Elf dürfte diese Chance im Kopf gehabt haben: Nach einem Vorstoß über rechts legte Maggi Lorenz auf Sofie Roll ab, deren Schuss aus 18 Metern halbhoch in Richtung lange Ecke flog – doch Türkiyemspor-Torhüterin Kevser Gündogdu parierte spektakulär (81.).

In der ersten Hälfte der Verlängerung schien das Momentum auf die Seite der Steglitzerinnen zu kippen. Herber hatte sich besser auf die flinke Wagner eingestellt, und mit Aldijana Ibrisevic brachte Rießler zusätzliches Tempo auf der anderen Seite gegen Michalke. Und als Roll zum zweiten Mal abzog und Gündogdu erneut mit einer Pranke zur Stelle war, hatten nicht wenige im gelb-blauen Lager den Torschrei schon auf den Lippen – inklusive Rießler: „Den habe ich schon drinnen gesehen“, sagte er. Und ergänzte: „Ist das ein Nervenkrieg heute.“
Fast wäre das Elfmeterschießen noch ausgefallen. Sekunden vor Schluss drang Michalke nämlich rechts in den Strafraum ein, zielte aus spitzem Winkel – und traf nur das Außennetz. Danach war Schluss: 120 Minuten ohne Tor, dann die Entscheidung vom Punkt. Dabei behielten die Gäste die etwas ruhigeren Nerven. Gündogdu parierte, einmal half der Pfosten, und als Lindemann den letzten Versuch über die Latte setzte, brach bei Türkiyemspor ausgelassener Jubel aus.

Trotz des Ausscheidens überwog bei Stern die Zufriedenheit. „Natürlich gewinne ich gerne. Aber nach so einem Spiel kann man niemandem etwas vorwerfen“, sagte Rießler. „Die Art und Weise, wie wir uns hier präsentiert haben, macht mich unheimlich stolz.“
Budde zeigte sich bei aller Erleichterung auch kritisch. „Uns haben spielerische Lösungen gegen die hohe Abwehrreihe gefehlt, das hatten wir gegen Rostock schon. Da müssen wir uns etwas einfallen lassen.“ Dass ihre beiden Topspielerinnen Angelina Lübcke und Alexandra Almasalme dienstlich fehlten, wollte sie nicht als Ausrede gelten lassen. „Das sollten wir mit unserem Kader schon auffangen können.“
Am Ende steht für Türkiyemspor auch nicht unverdient der Einzug ins Viertelfinale zu Buche, nach einem Spiel, in dem sich Regionalliga und Berlin-Liga überraschend nah waren.
Fotos: Loredana Zafisambandaoky

