Askanias Mittelfeld-Ass Fatinha-Josee Ossowski hat dem Spiel beim FFC Berlin 2004 ganz klar ihren Stempel aufgedrückt. Das macht sie zur Rasenperle der Woche
Als Gregor Seemann, Trainer des SV Askania Coepenick, nach dem wichtigen 3:1-Sieg beim Mitaufsteiger FFC die Gründe für den Erfolg sucht, fällt als Erstes der Name seiner Nummer 13. „Das ist Wahnsinn, was Fanny heute gezeigt hat. Sie tut unserem Spiel unheimlich gut.“ Damit meinte er nicht nur die Führung, die „Fanny“ Ossowski auf Vorarbeit von Karolin Kock per Flachschuss in die lange Ecke von der Strafraumgrenze aus erzielte. „Alle Angriffe liefen über sie“, schwärmte der Coach.

Eigentlich müsste man überschreiben: Die Taktgeberin ist zurück. Seit 2017 ist die 31-Jährige bei Askania unter Vertrag und schnürt nach zweijähriger Babypause seit dieser Saison wieder die Kickschuhe für die Köpenickerinnen. Aber von vorne. Mit fünf fing Ossowski mit dem Fußball an. Und zwar als echte Straßenkickerin. „Ich habe mir den Ball geschnappt, bin raus zum Bolzen und habe mir ganz viele Sachen selber beigebracht“, erinnert sie sich. Erst mit zwölf Jahren schloss sie sich einem Verein an, spielte als Zwölfjährige schon bei den Frauen des Berliner TSC und später beim BSC Marzahn. Ihr Frühstart war bemerkenswert wie unglücklich: „Beim TSC war die Mädchenabteilung noch nicht ausgebaut. Ich durfte bei den Frauen noch gar nicht spielen. Im Nachhinein wurden deshalb alle Spiele mit 0:6 gegen uns gewertet.“, berichtet sie.
Mittlerweile auf der Poelchau-Oberschule im Olympiapark, funktionierte ihr damaliger Schultrainer sie um: Aus der Stürmerin wurde die Innenverteidigerin. „Von da ab ging es steil bergauf“, sagt sie. Sie wechselte zum 1. FC Union Berlin und blieb dort so lange, bis der Verein unter dem Trainergespann Steffen Beck und Ailien Poese – heute Unions Trainerin in der Bundesliga – den Aufstieg in die Zweite Liga schaffte. Fanny Ossowski quittierte den Dienst am Ball. „Heute ist es anders. Aber ich wollte diesen enormen Aufwand nicht mehr betreiben, ohne etwas zu bekommen“, sagt sie. „Ich freue mich über den Aufschwung im Frauenfußball sehr, aber für mich kommt er zehn Jahre zu spät.“

Ein bisschen ließ sie fortan die Fußballer-Seele baumeln, genoss das Leben, wie sie sagt. Und trat das Studium zur Pädagogin an. Irgendwann heuerte sie in einem Männerteam der Freizeitliga an. Und weil das seine Heimspiele auf dem Askania-Gelände austrug, wurde der damalige SV-Coach Christian Kock auf sie aufmerksam. „Komm doch mal vorbei, hat er gesagt“, erzählt Ossowski. Sie ist vorbeigekommen und geblieben – sehr zum Segen des Clubs.
Ossowski in die Schaltzentrale? Ein guter Move!
„Die Taktgeberin ist zurück“ dürfte man aber streng genommen auch nicht schreiben. Denn erst Seemann beorderte sie in die Schaltzentrale. „Erst auf die Sechs, jetzt offiziell auf der Zehn“, sagt Ossowski. Ein kluger Move, legt man ihre Performance vom vergangenen Wochenende zugrunde. Bälle in die Schnittstelle, zahllose gewonnene Zweikämpfe im Zentrum, Tempo anziehen oder verschleppen – und eben Torgefahr ausstrahlen.

Zwei Sachen hätte sie vor ihrem Comeback nicht gedacht: „Erstens, dass ich schnell wieder so im Saft stehen würde. Mein Körper hat sich die frühere Intensität wohl gemerkt. Und zweitens, dass mir der Fußball noch einmal so wichtig werden würde.“ Mit Askania strebt sie nach dem Klassenerhalt, hält den (Zwangs)Aufstieg bezüglich der Entwicklung des jungen Teams für einen Segen. „Eine große Herausforderung sagt sie. Und für alle richtig cool.“
„Im Rückspiel beim Moabiter FSV holen wir uns auf jeden Fall die drei Punkte!“
Bislang bekommt Fanny Ossowski Fußball und ihren Job als Mama gut unter einen Hut. Im Januar fängt sie an, in ihrem Beruf als Pädagogin zu arbeiten. Bleibt für sie, Askania und die Liga zu hoffen, dass ihr das dann auch noch gelingt. Aber zur Beruhigung, sie sagt: „Ich bin jetzt schon bereit für die Revanche beim Moabiter FSV. Da holen wir uns auf jeden Fall die drei Punkte!“
Fotos: Matthias Vogel

