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Bero stürmt an die Tabellenspitze

Krug-Truppe überrollt Moabit +++ Torloses Unentschieden im Spitzenspiel +++ Inter und Viki U20 mit deutlichen Pflichtsiegen

FC Inter – SV Lichtenberg 47 4:0 (1:0): Kaiser mit lupenreinem Hattrick

Drei Tore in einer Halbzeit, und zwar in ununterbrochener Reihenfolge, das gelingt nicht leicht. Julia Kaiser hat es geschafft und damit das Ergebnis für Inter in eine Region geschraubt, mit der ihr Trainer Oliver Thomaschewski einigermaßen leben konnte. Denn eigentlich hätte sein Team deutlich häufiger gegen passive Gäste ins Schwarze treffen müssen. „Mit der Ausbeute können wir nicht zufrieden sein“, so der Coach.

Die Führung für die favorisierten Schönebergerinnen erzielte Kapitänin Julia Marinowski. Nach einer Ecke von rechts wehrte Lichtenberg die Kugel ab. Allerdings zu zentral und nur bis zur Strafraumgrenze. Von dort zimmerte Marinowski das Spielgerät in den rechten Knick (25.).

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Julia Herr (8) und ihr FC Inter waren gegen den SV Lichtenberg 47 90 Minuten lang Chef im Ring. Foto: Laura Timme

Die Kaiser-Spiele konnten erst nach einer Stunde beginnen. Denn bis dahin drückte Inters Offensivspezialistin die Bank. „Sie war krank“, begründete Thomaschewski ihren Status. Ein bisschen spielte sie sich warm, dann klingelte es wie kurz vor der Bescherung hinter der verschlossenen Tür. Zunächst dribbelte Kaiser in Kaiser-Manier bis zum Torraum und schob den Ball ein (76.). „Das sah etwas merkwürdig aus“, wertete Thomaschewski die immer weiter zurückweichende Lichtenberger Gegenspielerin.

Wurde die dreifache Torschützin zu ihrem ersten Streich noch eingeladen, führten ihre eigenen Skills zum zweiten (80.). Auch. Denn eigentlich war es ein Team-Tor. Von der Torhüterin ab ging es zügig nach vorne, Rasenschach, könnte man sagen. Am Ende war Kaiser Adressatin eines tollen Steckpasses und verwandelte gekonnt und präzise aus halbrechter Position in die linke untere Ecke. Am Schluss noch etwas zu Kaisers Abstauberqualitäten: Marinowski, eigentlich auf der Sechs verortet, zirkelte von rechts eine Flanke in den Strafraum. Cindy Hagen scheiterte noch an 47er-Torhüterin Anneke Becker, aber Kaiser war zur Stelle und machte ihn perfekt – den lupenreinen Hattrick.


BSV GW Neukölln – Türkiyemspor Berlin U23 1:5 (0:4): Eine völlig verpennte erste Hälfte

Fünf Minuten wähnte Helge Kapheim seine Elf gut im Spiel, dann nahm das Unglück für Neukölln seinen Lauf. Auf dem nagelneuen Kunstrasenrechteck an der Johannisthaler Chaussee verhungerte ein Rückpass auf Torhüterin Lisa Schrama auf dem frisch aufgeschüttetem Sand, der sich erst mit der Zeit setzt. Sarah Wippig interessierten Feinheiten aus dem Sportanlagenbau herzlich wenig. Sie spritzte dazwischen und netzte ein: 0:1 (6.). Und weil es so schön war, schnürte die Türkiyemspor-Stürmerin nur eine Minute später gleich den Doppelpack.

Nun kam es knüppeldick für die Kapheim-Elf. Ciara Sadk und Hanna Baldauf schraubten das Ergebnis bis zur 25. Minute auf 0:4 in die Höhe. „Was soll ich dazu sagen, außer dass wir gerade die Zeche für unsere geringe Trainingsbeteiligung bezahlen“, sagte Neuköllns Coach.

Vier bis fünf etatmäßige Stammspielerinnen fehlten zudem, weshalb der Neuköllner Kader mit Spielerinnen aus der zweiten Garde aufgefüllt werden musste. So war für Neukölln kein Staat zu machen. „Immer lange Bälle durch unsere Schnittstellen, bis zur Pause hätten wir durchaus höher zurück liegen können“, sagte Kapheim. Eigene Möglichkeiten? Durch Standards, eigentlich eine Stärke seiner Elf, aber an diesem Tag wirkungslos. „Ansonsten hat Sophie Kernchen im Tor von Türkiyemspor auch stark gehalten.“

Aufgrund der wesentlich besseren zweiten Hälfte empfand er das Ergebnis am Ende vielleicht um einen Treffer zu hoch ausgefallen. „Da haben wir ja immerhin ein 1:1 geschafft“, rettete er das Positive aus dem verkorksten Spieltag. Der Ehrentreffer für Neukölln gelang Emily Schlendermann (55.), den alten Abstand stellte Nika von Brühl in der letzten Spielminute wieder her.


FFC Berlin 2004 – FC Viktoria 1889 Berlin U20 0:11: Zauberfußball trifft auf Realität

FFC-Trainerin Janine Köhler hatte keinen leichten Nachmittag – und dennoch einen klaren Blick. Das Ergebnis war heftig, die Stimmung überraschend gefasst: Ein 0:11, das weh tut – und doch Anerkennung auslöst. Köhler sah keinen Grund, das Geschehen zu verklären. Der FFC hatte nach ihren Angaben das Ziel, „so wenig wie möglich“ gegen den Lichterfelder Talentschuppen zuzulassen. Trotz Personalsorgen stand die Mannschaft zunächst stabil, verschob klug, verteidigte kompakt. 15 Minuten lang wirkte der Plan tragfähig.

Dann kam die Viktoria. Und spielte Fußball, wie man ihn in dieser Liga selten sieht: saubere erste Kontakte, Verlagerungen hinter die Kette, goldene Pässe in den Strafraum, viele Laufwege in die Box. Kein Zufall, keine Geschenke – einfach konsequenter Angriffsfußball. Köhler sprach von einem Team, dem man „gerne zuschaut“.

Trotz des Debakels hält Köhler am Kurs fest. „Na klar, es ist schwierig für die Mädels, nach so einer Niederlage den Kopf hochzuhalten. Deshalb ist es auch umso wichtiger, dass wir als Funktionäre immer wieder sagen: Es ist der richtige Weg, ihr befindet euch in der Entwicklung drin. Ihr seht das vielleicht noch nicht, aber wir. Wir werden also weiter an unseren Basics arbeiten und gar nicht auf die anderen schauen.“ Support für Köhler gab es nach dem Spiel von Viki-Coach Darien Hoffmann: „Wie die Trainerin coacht, ist inhaltlich richtig gut und auch wie mutig ihre Mannschaft versucht zu spielen hat mir gefallen.“


Borussia Pankow – SFC Stern 1900 0:0: Nur das Salz in der Suppe fehlt

Der Tabellendritte Pankow fordert den Klassenprimus – und kostet ihn am Ende die Tabellenführung. Im Spitzenspiel der Berlin-Liga schenkten sich beide Teams nichts und neutralisierten sich – bis auf „zwei bis drei gute Torgelegenheiten“ auf beiden Seiten, wie Josi Ruß resümierte. Die Borussen-Trainerin hatte entgegen ihren Gepflogenheiten das Zentrum gegen Stern anders besetzt, „zweikampfstärker“ als sonst, wie sie erklärte. „Lucie Ruß zu Charlotte Lemke und Anna Zick ins Zentrum, dafür die „feinere“ Fußballerin Carolin Roeseler auf den Flügel. „Das ist ganz gut aufgegangen“, sagte sie.

Die dickste Chance für Pankow hatte Sarah Schrader in der zweiten Halbzeit, als sich die Steglitzer Innenverteidigerinnen Alina Lindemann und Amelie Großgebauer gegenseitig behinderten. Schrader machte sich auf den Weg zur Führung, ehe sie im letzten Moment von Sterns nachsetzenden Außenverteidigerin Sophia Verheijen im letzten Moment geblockt wurde. Eine weitere dicke Chance für die Gastgeberinnen vereitelte Sterns Schlussfrau Toni Haertel, als sie – so wie Nationaltorhüterin Ann-Kathrin Berger im Viertelfinale der EM in diesem Jahr – im Rückwärtslauf noch den schönen Schuss von Anna Zick parierte. Auch bei einem gefährlichen Fernschuss von Angelina Säwe war Haertel auf dem Posten, die nun seit dem 7. Spieltag kein Gegentor mehr kassiert hat.

Für Pankow rettete zweimal Aluminium, dazu brachte Aldijana Ibrisevic es fertig, aus nächster Distanz den Ball neben das Tor zu setzen. Am Ende hatte ein Remis bestand, während dessen sich auf und neben dem Spielfeld ordentlich behakt wurde und mit dem beide Coaches, Ruß und Sterns Roman Rießler, schließlich „gut leben konnten“. Ruß haderte noch mit einem nicht gegebenen Elfmeter für Pankow gen Ende der Partie, aus ihrer Sicht hatte Jenny Kandetzki Sarah Schrader strafstoßwürdig am Torschuss gehindert. Aber „das wäre wohl auch des Guten zu viel gewesen“, sagte sie.

In Mitte und Lichterfelde rieb man sich indes die Hände: Berolina erklomm dank des Resultats die Tabellenspitze, die U20 des FC Viktoria rückte der Spitzengruppe auf den Leib.


RW Viktoria Mitte – Friedrichshagener SV 0:3 (0:1): Viktoria verliert nach ordentlichem Auftakt den Faden

Rot-Weiß-Viktoria Mitte unterlag dem Friedrichshagener SV mit 0:3. Zur Pause lag die Elf von Trainer Nils Tobela nur deshalb 0:1 zurück, weil sie aus guten Ansätzen zu wenig machte. Beide Teams pressten hoch, erspielten sich im ersten Durchgang Chancen – doch während der FSV nach einer Kombination durch Emma Braun vollendete (27.), verzettelte sich Viktoria im Strafraum zu oft im letzten Pass.

Nach dem Seitenwechsel kippte die Partie. Friedrichshagen kam wacher zurück, erhöhte den Druck und ließ Viktoria kaum noch in den Rhythmus kommen. Die Gastgeberinnen setzten zwar einzelne Nadelstiche, verloren aber mit den Wechseln an Stabilität. Das 0:2 durch Stella Kränig (48.) fiel aus spitzem Winkel (48.), das 0:3 durch Ronja Kessel nach einem verdeckten Schuss, den RW-Torhüterin Tabea Raasch zu spät sah (87.).

Ein aus Tobelas Sicht klarer Handelfmeter für sein Team blieb aus, die Rote Karte gegen sein Team sei hingegen folgerichtig gewesen. Trotz des deutlichen Ergebnisses sieht der Coach Fortschritte: Die Entwicklung stimme – nur die Konsequenz im Abschluss fehle.


Berolina Mitte – Moabiter FSV 9:0 (7:0): Mit Macht ganz nach oben

Berolina Mitte ist mit einem 9:0-Heimsieg im Bezirksderby gegen den Moabiter FSV an die Tabellenspitze gestürmt. Das Team von Trainer Frank Krug überrollte die Gäste förmlich. Nach 20 Minuten stand es an der Kleinen Hamburger Straße bereits 4:0, alle Treffer erzielte die wie entfesselt aufspielende Maiken Ueberschär.

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Liina Juntunen, Finnin im Dienste von Bero, trug sich auch in die Torschützinnen-Liste ein. Foto: Berolina Mitte

Bis zur Pause trieben Silvia Engels, Liina Juntunen und Kim Nenninger das Ergebnis auf 7:0 in die Höhe. Dass es nicht beim Bero-Standard-Ergebnis blieb, dafür sorgen Arzum Eren (56.) und Mathilde Zeuzem (61.). Krug wechselte durch und der Tornado über Moabit schwächte sich ab. Der Trainer war von der Vorstellung seines Teams begeistert: „Das war wohl die beste Halbzeit, die wir in dieser Saison gespielt haben.“ Einen Spieltag vor dem Ende der Hinrunde sieht es nun so aus, als würde Bero an der Tabellenspitze überwintern.


Titelbild: Laura Timme