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Reality-Check SV Rot-Weiß Viktoria Mitte: Viel Wille, wenig Punkte

Vom Umbruch, Anspruch und einer ernüchternde Zwischenbilanz des Tabellenvorletzten

Zehn Spielerinnen raus, zehn neue rein – der SV Rot-Weiß Viktoria Mitte stand schon vor dem Saisonstart vor einem tiefgreifenden Umbruch. Nils Tobela und sein gleichberechtigter Trainerkollege Ludwig Storch kündigten dennoch selbstbewusst ein neues Viktoria Mitte an: mit Willen, Biss und der Ambition, den Schwergewichten der Liga Punkte abzunehmen. Zur Winterpause fällt der Reality-Check deutlich aus. Viktoria Mitte ist Tabellenvorletzter, drei Punkte stehen auf der Habenseite. Sie stammen aus einem 4:1-Sieg gegen den Tabellenletzten – immerhin ein gewonnenes direktes Duell im Kampf um den Klassenerhalt.

Für Tobela kommt die Zwischenbilanz nicht überraschend. Ein Umbruch dieser Größenordnung brauche Zeit, sagt er. Das Team habe sich erst finden müssen, und dieser Prozess sei noch nicht abgeschlossen. Zwar blieb man ohne Punktgewinne gegen die Topteams, spielerisch habe Viktoria Mitte aber mehrfach überzeugt – etwa gegen Berolina Mitte, Borussia Pankow und die U20 des FC Viktoria 1889. In diesen Spielen ließ seine Mannschaft jedoch in den letzten zehn bis fünfzehn Minuten nach. Aus einem 1:3 wird dann beispielsweise ein 1:6 und dann sieht das Ergebnis eben nicht mehr so gut aus“, so der Coach.

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Sprechen, sprechen und nochmals sprechen: Nils Tobela ist an allen Fronten gefordert.

Nicht eingeplant hatte Tobela, dass ausgerechnet in den Partien auf Augenhöhe so wenig Zählbares herausspringen würde. Gegen Lichtenberg 47 führte Viktoria Mitte zur Pause, gab das Spiel in der zweiten Halbzeit aber aus der Hand. Ähnlich die Vergleiche mit dem Moabit FSV: Im Pokal noch ein 1:0-Erfolg, in der Liga folgte eine 1:4-Niederlage. Die Erklärung des Trainers ist klar: Es sei eine mentale Frage. Eingespielte Teams könnten Rückschläge besser auffangen – dieser Zusammenhalt fehle aktuell noch, weil das Team im Zusammenspiel zu frisch sei.

Tobelas Reaktion: Training umgestellt

Zur Rückrunde wurde nun reagiert. Die Trainingsmodelle sind angepasst, der Fokus liegt stärker auf Wettkampf im Training. Seit dieser Woche ist Viktoria Mitte zurück im Betrieb, zunächst in der Kraftkammer, nun wieder auf dem Platz. Sechs Wochen bleiben, um sich gezielt auf den Abstiegskampf vorzubereiten. Getestet wird ausschließlich intern mit den drei Frauenmannschaften des Vereins. Am 22. Februar wartet mit der U23 von Türkiyemspor direkt ein dicker Prüfstein im Weg.

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Auch personell gibt es Bewegung. Shahd Azab kehrt nach Kreuzbandriss zurück und bringt offensive Kreativität über die Flügel. Von Türkiyemspor kommen Aisha Casana, stark im Eins-gegen-eins und im Festmachen des Balls, sowie Halimenur Can, Linksfuß mit gutem Passspiel. Besonders hebt Tobela Isabel Pfannkuche hervor, die aus den 3. Frauen hochgezogen wurde. Die extrem laufstarke Flügelspielerin bringe genau die nötige Intensität mit. „Sie ist ein echter Gewinn“, sagt Tobela.

Dem stehen Ausfälle gegenüber. Ly Bargas (Innenverteidigung), Penelope Merz (Außenverteidigung) und Mareike Vermehren (defensives Mittelfeld) sind verletzt. Schwer wiegt zudem der Verlust von Isabel Niedu, die berufsbedingt Berlin den Rücken kehrt. Die explosive Allrounderin war im Mittelfeld gesetzt und defensiv flexibel einsetzbar.

Unterm Strich bleibt Tobela optimistisch. Der Kader ist breit, die Trainingsbeteiligung hoch. Entscheidend wird sein, dass gute Leistungen in den entscheidenden Momenten endlich auch in Punkte umgemünzt werden. Der Klassenerhalt ist möglich – aber er muss erarbeitet werden.


Fotos: SV Rot-Weiß Viktoria Mitte