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Reality-Check SV Lichtenberg 47: Die Richtung stimmt

Biermann-Elf steht im gesicherten Mittelfeld – das stand angesichts des schweren Aderlasses zu Saisonbeginn nicht unbedingt zu erwarten

Platz acht, 18 Punkte, 24:41 Tore – rein nüchtern betrachtet ist die Hinrunde des SV Lichtenberg 47 solides Mittelfeld. Im größeren Kontext jedoch ist sie vor allem eines: ein Fortschritt. Nach zwei Spielzeiten, in denen das Team von Trainer Martin Biermann jeweils tief in der Rückrunde im Tabellenkeller festhing und primär mit dem Klassenerhalt beschäftigt war, hat sich die Ausgangslage spürbar verbessert. Das ist umso bemerkenswerter, als dass den Verein vor der Saison ein halbes Dutzend Spielerinnen verlassen hatte.

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Sechsmal durften die 47erinnen in der Hinrunde den Dreier anzeigen. Foto: SV Lichtenberg 47

Biermann macht keinen Hehl daraus, dass mehr drin gewesen wäre. Besonders das 1:3 zu Hause gegen Hansa 07 schmerzt – ebenso wie verpasste Zähler im Heimspiel gegen Türkiyemspor (0:4). „Hätten wir dort etwas geholt, stünden wir jetzt auf Platz sechs“, rechnet der Trainer vor. Ein Szenario, mit dem er „absolut fein“ wäre. Der Pflock für die Rückrunde ist für die 47erinnen damit bereits eingeschlagen: Platz sechs ist nach ihrer realistisch – wenn Kleinigkeiten besser laufen.

Was bislang noch fehlt, ist der große Coup gegen die Schwergewichte der Liga. Schon vor der Saison hatte Biermann angekündigt, man wolle den Topteams „hier und da mal einen Punkt abknöpfen“. Das ist noch nicht passiert. „Aber was nicht ist, kann noch werden“, sagt er – und verweist auf die gute Stimmung im Team. Die Mannschaft habe „richtig Bock“.

Verletzungspech: Eine Handvoll Torhüterinnen kam zum Einsatz

Ein entscheidender Faktor für die Hinrunde war allerdings auch das Verletzungspech. Besonders auf der Torhüterinnen-Position herrschte große Fluktuation: fünf bis sechs Keeperinnen kamen zum Einsatz. Für die Rückrunde wünscht sich Biermann vor allem eines: Kontinuität und Stabilität – und endlich eine verletzungsfreie Phase.

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Gerade wenn Leonie Meyer (l.) am Werk ist, ist Lichtenberg 47 brandgefährlich. Foto: Li 47

Inhaltlich sieht der Trainer klare Ansatzpunkte. Im eigenen Ballbesitz müsse seine Mannschaft ruhiger, geduldiger und sauberer agieren. Der Ball solle besser laufen, Chancen klarer ausgespielt und vor allem konsequenter abgeschlossen werden. Positiv hebt Biermann dagegen das Pressingverhalten hervor: Hier gebe es kaum Nachschärfungsbedarf.

Personell geht Lichtenberg mit Rückenwind in die Rückrunde. Linda Trockel (FC Inter) und Annika Wenzel (SV Buchholz) sind neu an der Hohenschönhauser Straße – „beides absolute Verstärkungen“, so Biermann. Abgänge gibt es keine. Auch deshalb blickt er optimistisch nach vorn.

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Schnell und immer für ein Tor gut: Elisa Gronau.

Wenn es einen Gegner gibt, gegen den man sich besonders revanchieren möchte, dann ist es Hansa 07. Eine gesonderte Aufarbeitung brauche es aber nicht: „Das Team hat das sehr gut reflektiert.“ Der Rückrundenauftakt steigt am Sonntag, 22. Februar, 15 Uhr beim SV Askania Köpenick, ein stark vom Abstieg bedrohtes Team, das im Hinspiel knapp mit 2:1 bezwungen wurde. Für Biermann ist klar: „Wir wollen direkt mit einem Sieg starten und Schwung aufnehmen.“ Die Vorbereitung verlief bislang holprig – ein geplantes Testspiel gegen den DFC Kreuzberg fiel dem Winterwetter zum Opfer, weitere Anfragen laufen.

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Marie Sapiatz (v. li.), Anna Ohnesorge und Celine Hellriegel bilden die Mauer gegen Türkiyemspor.

Unterm Strich steht ein SV Lichtenberg 47, der gefestigter wirkt als in den Jahren zuvor. Noch fehlt der große Ausreißer nach oben – aber die Richtung stimmt. Und genau das ist der Kern dieses Reality-Checks.


Fotos: Matthias Vogel