Die Kreuzbergerinnen stehen so gut da, wie schon lange nicht mehr. Aber was ist mit dem Triple? Und wo zum Kuckuck ist der Trainer?
Zum Reality-Check der FSV Hansa 07 erreichte diese Redaktion eine unglaubliche Nachricht. „Ich habe mich mit den Prämien aus der erfolgreichen Rückrunde nach Kolumbien abgesetzt“, ließ Philipp Pawelzik über eine nicht nachverfolgbare Prepaid-Handy-Nummer verlauten – ein handfester Skandal.

Wie weiter jetzt in der Wrangelritze? Bekommen Co-Trainer Stefan Rudnick und Co-Trainerin Chana Freiin von Medem die Mannschaft ohne ihren Headcoach in den Griff? Haben sie überhaupt noch ein Team oder verlassen die Spielerinnen erdrutschartig das sinkende Schiff? Kommt die Versicherung für den enormen finanziellen Schaden auf? Fragen über Fragen …

…, die natürlich alle nicht beantwortet werden müssen. Pawelzik war/ist zwar in Kolumbien, aber nur, weil er der grimmigen Kälte in Berlin entfliehen wollte. Der Wahrheit entspricht ferner auch, dass die FSV Hansa 07 in dieser Saison eine äußerst erfolgreiche Saison auf die Kunstrasenparkette der Stadt gelegt hat. Die Kreuzbergerinnen liegen nach der halben Distanz auf Platz 6, mit stolzen 20 Punkten auf dem Konto. Zur Erinnerung: In der vergangenen Spielzeit gingen sie mit 15 Punkten als Elfte durchs Ziel, mit mageren drei Zählern Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz.
Bereits aller Abstiegssorgen entledigt – so viel kann man wohl schon sagen – führt Hansa jetzt das Mittelfeld der Liga an, hinter den fünf Teams, die von Beginn an um den Titel mitspielen wollten. Bockstark, doch woher kommt der Wandel?

„Ganz aus dem Nichts kommt er nicht“, sagt Pawelzik. Soll heißen: Potenzial ist eh da, nur zum Vorschein musste es gebracht werden. Dazu brauchte es freilich die Bereitschaft des Teams und genau die war da. „Die Trainingsbeteiligung ist konstant sehr gut, das muss man als allererstes sagen“, sagt der Coach. Und das mache sich auf dem Platz bemerkbar. „Wir konnten Dinge verbessern. Wenn es darum geht, wie wir vorne anlaufen, wo wir den Ball erobern oder wie wir das Spiel aufbauen wollen, na dann klappt das jetzt eben auch das ein oder andere Mal.“
Die Kreuzbergerinnen sind mental stärker geworden
Dazu hat Hansa auch mental zugelegt. „Wir haben es geschafft, enge Spiele für uns entscheiden“, sagt Pawelzik. Belege dafür gibt es reichlich: Das 1:0 beim Moabiter, der 3:2-Pokalkrimi beim Landesligisten Wittenauer SC Concordia, der bis zur letzten Minute tobende Kampf beim 4:3 zuhause gegen den SV Askania Coepenick oder das hitzige 1:0 in Friedrichshagen. Und da lässt sich das überraschende 3:3 gegen Schlusslicht FFC Berlin 2004 im heimischen Sandkasten auch ganz gut verschmerzen. „Davor hatten wir das kräftezehrende Spiel gegen Concordia unter der Woche und waren leer. Wir sind noch nicht so weit, dass wir das einfach wegstecken. Deshalb war das im Nachhinein auch okay“, so der Trainer.

Herausheben aus dieser gesamten Entwicklung mochte Pawelzik niemanden. Nur so viel: Leistungsträgerinnen wie Lea Berndorf – aktuell Hansas beste Torschützin mit neun Treffern -, Sonja Laukemper, Antonia Schuster oder Kapitänin Sophia Ostner – waren schnell in Topform, andere stoßen in neue Areale ihrer Leistungsfähigkeit vor.
Einige Kickerinnen wollen noch vorspielen
Mit auf die weitere Fahrt kommen – Stand jetzt – Gentijana Podvorica aus dem „Perspektivteam“ (Pawelzik), der Ü35, und Lou Tillmanns, aus dem Frankfurter Raum nach Berlin gezogen. „Es haben sich aber noch einige Probespielerinnen angekündigt“, so der Coach, dessen Fahrplan nun so lautet: „Weiter Spaß haben und konstant bleiben.“

Die Pawelzik-Elf hat in der Vorrunde sogar ein bisschen hingehustet an die Top-Five der Liga: Nur knapp unterlag sie etwa dem Tabellenfünften FC Inter mit 3:4 und auch das 0:2 gegen Borussia Pankow nötigt Respekt ab. Und doch hinkt sie den eigenen Ansprüchen hinterher. Schließlich war in dieser Saison das Triple anvisiert, nach dem in der Sommerpause der Street Cup geholt und die Berlin-Liga nur als „Durchgangstation“ deklariert wurde.
Was‘ loossii? Zur Tabellenspitze fehlen „nur“ 15 Punkte!
Immerhin, die Mannschaft steht im Viertelfinale des Berliner Polytan-Pokals (10. bis 12. März beim Ligakonkurrenten BSV GW Neukölln). Aber auch noch von der Meisterschaft träumen? „Hä? Wieso nicht?“, gibt sich Pawelzik irritiert, vermutlich bei Empanadas und einem Aguardiente-Cocktail. „Auf Bero fehlen uns doch nur 15 Punkte!“
Fotos: Matthias Vogel

