In Lauerstellung hinter der Spitze – nun müssen die Steglitzerinnen beweisen, dass es für ganz oben reicht.
„Wir haben es selbst in der Hand und daran müssen wir uns auch messen lassen.“ Ein Satz, irgendwo zwischen Drohung und Versprechen, ausgesprochen von Stern-Trainer Roman Rießler eine Woche vor Rückrundenstart. Und so folgerichtig, wie eine Ankündigung eigentlich nur sein kann.

Das klang zu Saisonbeginn noch ganz anders. „Wir wollen oben mitspielen und gucken mal, wo wir am Saisonende stehen.“ hieß es da. Alles andere als eine Kampfansage um die Berliner Meisterschaft, wie es sie beispielsweise von Berolina Mitte oder Borussia Pankow gegeben hatte. Groß geändert haben sich die Vorzeichen eigentlich nicht: Berolina führt das Tableau hauchzart an, Stern 1900 in Lauerstellung direkt dahinter. Und auch Borussia Pankow liegt mit 5 Punkten Rückstand noch absolut aussichtsreich im Rennen, darf sich aber keinen Patzer mehr erlauben.
Rießlers Ansage ist Lob und Erwartungshaltung zugleich
Hinter Rießlers Ankündigung steckt Lob und Erwartungshaltung zugleich: Die Hinrunde hat gezeigt, dass die Steglitzerinnen niemanden in dieser Liga fürchten brauchen. Nur zweimal blieb ihnen ein Dreier verwährt und das war eben genau gegen die beiden Top-Favoriten Berolina Mitte (0:2) und Borussia Pankow (0:0). Abgeklärt und wichtig hingegen der etwas glückliche, aber dennoch nicht unverdiente 1:0-Auswärtssieg bei Viktoria 89 II oder das souveräne 2:0 gegen Inter. Die Spitze ist eng zusammen und es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass der erste unerwartete Patzer die Meisterschaft entscheiden kann.



Personell ist Stern dabei für die Rückrunde gut aufgestellt, hat aber – ähnlich wie auch Berolina Mitte – eine stark abfallende Qualitätskurve hinter der ersten Elf. Diese ist mit wenigen Ausnahmen gesetzt. „Wir haben eine starke Start-Elf, aber viel passieren darf in der Rückrunde nicht.“ ist sich Rießler dessen durchaus bewusst. Mit Marie Schneider, Alina Sommer, Joanna Füchsel, Kimberly Sembach und Susette Claesson haben gleich fünf Spielerinnen Stern in der Winterpause verlassen, eine gesetzte Stammspielerin aber ist unter den Abgängen nicht dabei. Da schmerzt es schon eher, dass Kim Ollrogge bis Saisonende verletzt nicht mehr zur Verfügung steht und Goalgetterin Emina Wacker aufgrund eines Auslandssemesters erst Ende März wieder zum Team stößt.

Auf der anderen Seite zählt Elena Gabler wieder zum Team und Stern darf zwei durchus interessante Neuzugänge begrüßen: Vom direkten Rivalen Viktoria 89 II hat sich Mittelfeld-Allrounderin Clara Apel den Steglitzerinnen angeschlossen sowie die überregional bei Viktoria 89 erfahrene Corinna Statz, die nach zweijähriger familiärer Auszeit nun ebenfalls in gelb-blau aufläuft.
Die Wochen um Ostern herum sind richtungsweisend
Mit Viktoria Mitte und dem FFC Berlin warten zwei auf dem Papier leichte Aufgaben auf Stern zum Auftakt, wo die Steglitzerinnen am letzten Feinschliff arbeiten können, ehe die Wochen rund um Ostern bereits eine Vorentscheidung bringen könnten, denn neben dem direkten Duell mit Berolina Mitte warten drei äußerst unangenehme Auswärtsaufgaben mit GW Neukölln, Internationale und der Wrangelritze bei Hansa 07.

Kommt Stern ohne Punktverlust aus den Wochen der Wahrheit, steigen die Chancen auf den Titel markant an. Und dann ist da ja auch noch der 31. Mai, wenn der letzte Spieltag ansteht und Stern 1900 Borussia Pankow empfängt. Ein Spiel, wo Stern noch stolpern kann oder sich vielleicht zum Berliner Champion krönen wird. Und da ist es wieder, das Versprechen bzw. die Drohung des Trainers: „Wir haben es selbst in der Hand und daran müssen wir uns auch messen lassen.“

