Großchancen auf beiden Seiten – Hannah Kratz entscheidet ein intensives Nachholspiel in der Regionalliga Nordost.
Der Tabellenletzte SV Blau-Weiß Hohen Neuendorf empfängt den Talentschuppen des 1. FC Union Berlin, ein Schwergewicht der Liga. Klare Sache? Mitnichten. Die Gastgeberinnen präsentierten sich fit, dazu tun ihnen die beiden Zugänge Elisa Schindler und Alexandra Almasalme (beide von Türkiyemspor Berlin) merklich gut. Und so entwickelte sich ein Duell auf Augenhöhe und – für die Zuschauer attraktiv – eines mit hochgeklapptem Visier. Am Ende setzte sich der Favorit knapp mit 1:0 durch, aufgrund des Chancenplus’ auch nicht unverdient.

Union übernahm vom Anpfiff weg die Initiative. Bereits in der 2. Minute kam Louisa Kähler über die linke Seite angeflitzt und spielte Hannah Kratz frei, doch Marie Ulrich blieb im Eins-gegen-eins Siegerin. Hohen Neuendorf brauchte einige Minuten, fand dann aber den Mut nach vorne. Philia Henning kam nach einem Einwurf zum Abschluss, der abgefälschte Ball trudelte gefährlich Richtung des zweiten Pfostens, wo Sarah Thiede eingelaufen kam, an Shirley Schulz im Unioner Kasten vorbeiging, das Tor aber dann aus kurzer Distanz verfehlte – eine Riesenchance (8.).
Schulz muss gegen Pistorius ih ganzes Können aufbieten
Union blieb spielbestimmend, ohne früh Kapital daraus zu schlagen. Kratz’ Hereingabe verpasste Carla Okoro knapp (15.), die nach Vorarbeit von Kähler ein wenig später rechts vorbeizielte (23.). Auf der Gegenseite zwang Chantal Pistorius mit einem starken Abschluss auf den kurzen Dreiangel Union-Torhüterin Shirly Schulz zu einer sehenswerten Parade (32.).

Die Schlussphase der ersten Halbzeit war turbulent: Vivien Stebal schlug einen langen Diagonalball auf Elisabeth Steiner, die den Halbvolley über das Tor setzte (42.). Kurz darauf parierte Ulrich nach eigenem Fehlpass gegen Kähler stark. 0:0 zur Pause – die Hohen Neuendorferinnen nahmen bis dahin nur ein klein wenig das Glück der Tüchtigen in Anspruch .
Urplötzlich eine Doppel-Großchance für Hohen Neuendorf
Nach Wiederbeginn war Union um mehr Druck bemüht und wäre dafür fast auch flugs belohnt worden. Okoro wuchtete nach Ulrich-Abpraller den Ball unter die Latte, stand jedoch im Abseits (50.). Das Momentum schien auf Seite der Gäste zu kippen – bis zur 75. Minute: Ecke Lenina Burghardt, Pistorius köpft an die Latte, Karina Duchovny im Nachsetzen erneut per Kopf – wieder Aluminium. Zwei Top-Möglichkeiten für den Außenseiter. Unions Trainerin Anja Matthes durfte durchpusten

Doch während Hohen Neuendorf seine größte Phase nicht nutzte, schlug Union zu. In der 80. Minute fiel ein Klärungsversuch nach einem langem Freistoß aus zentraler Position Hannah Kratz vor die Füße, die überlegt einschob. 1:0.
Fast hätte Kratz noch den Doppelpack geschnürt
Union drängte auf die Entscheidung: Okoro scheiterte im Zentrum an Ulrich, Megan Reichenbachs Nachschuss ging vorbei. Sandra Weihmann zog wenig später von links nach innen und dann ab: auch Versuch klatschte an den Fangzaun. Und auch den schönsten Angriff des Tages konnte Union nicht veredeln. Okoro hob den Ball gefühlvoll für Kratz über die letzte Hohen Neuendorfer Reihe, deren Heber war dann aber ein Stockwerk zu niedrig angesetzt, Ulrich fing den Ball bequem ab.

„Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, mit der Chancenverwertung nicht“, sagte Union-Trainerin Anja Matthes. Gerade in der Anfangsphase hätte ihre Mannschaft früh deutlich führen können. „Wir sind oft zu hektisch, nehmen den zweiten Kontakt nicht. Das ärgert mich“, bemängelte sie. Ein Entwicklungsprozess, sagte sie. „Es gibt Spiele, da läuft das ja wesentlich besser.“

Hohen Neuendorfs Trainer Christian Liedtke lobte den Auftritt seiner Mannschaft. „Die Punkte hätte ich lieber genommen“, sagte er, zeigte sich aber mit der Leistung zufrieden. Der neu zusammengestellte Kader habe nach holpriger Vorbereitung noch fußballerischen Nachholbedarf, „aber die Fitness stimmt“. Liedkes Gedanken waren schon beim wichtigen Kellerduell am kommenden Wochenende beim FC Hansa Rostock. „Eine mentale Aufgabe für uns. Heute haben die Mädels gesehen, dass sie mit Union mithalten können. Das alleine hilft uns dort sicher nicht.“
Union rückt mit dem 1:0 punktemäßig zur Spitze auf. Hohen Neuendorf bleibt trotz leidenschaftlicher Vorstellung ohne Zähler – und weiß doch, dass diese Leistung Mut für den Abstiegskampf machen kann.
Fotos: Matthias Vogel

