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Hohen Neuendorf gelingt Befreiungsschlag

Team aus der Niederheide kehrt mit Dreier aus Rostock zurück +++ Unions U23 schreibt Krimi +++ Ein Punkt im neuen Kleid für Türkiyemspor

Türkiyemspor Berlin ist mit einem Remis in die zweite Saisonphase der Regionalliga Nordost gestartet. Gegen den 1. FFC Fortuna Dresden kam das Team von Trainer Amadou Konde zu einem 1:1 (0:0), obwohl die Berlinerinnen über weite Strecken das Spiel bestimmten. „Wir waren die deutlich bessere Mannschaft und hatten auch mehr Ballbesitz“, sagte Konde nach der Partie. Vor allem in der ersten Halbzeit erspielte sich Türkiyemspor mehrere gute Möglichkeiten. „Da hätten wir eigentlich schon auf 1:0 oder 2:0 stellen können“, so der Trainer. Die Chancenverwertung verhinderte jedoch eine frühere Führung.

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Lutricia Michalke auf dem Weg nach vorn.

Diese gelang erst nach der Pause. Nach einem Freistoß von Josi Schwarz aus dem Halbfeld hielt Angelina Lübcke am zweiten Pfosten den Kopf hin und traf zum 1:0 (50.). Die Antwort der Gäste ließ jedoch nicht lange auf sich warten: Im Spielaufbau unterlief den Berlinerinnen ein Fehlpass, den Dresden durch Jennifer Keller zum 1:1 nutzte (54.). Auch danach blieb Türkiyemspor das aktivere Team und kam noch zu Möglichkeiten auf das 2:1. Mit zunehmender Spielzeit ließ jedoch die Durchschlagskraft nach. „Am Ende haben uns ein bisschen die Kräfte gefehlt und auch das Selbstbewusstsein, um das Spiel noch für uns zu entscheiden“, erklärte Konde.

Türkiyemspor muss einen enormen Aderlass in der Winterpause auffangen. Um die zehn Spielerinnen herum kehrten dem Verein den Rücken. Deshalb zogen Konde und sein neuer, gleichberechtigter Trainerkollege Ümit Toraman, trotz des verpassten Sieges ein grundsätzlich positives Fazit. „Es war ein gutes erstes Spiel, um wieder reinzukommen“, sagte Konde. In den kommenden Wochen wolle seine Mannschaft nun daran anknüpfen – und die Leistung weiter steigern. Fotos: Loredana Zafisambondaoky


Union Berlin U23 – FC Carl Zeiss Jena II 4:2 (3:1): Furioser Auftakt – mit Ach und Krach ins Ziel gerettet

So selten ist Anja Matthes in das berüchtigte Wechselbad der Gefühle getaucht. Da legt ihr Team den Gästen aus Jena im Express-Tempo drei Eier ins Nest, nur um anschließend komplett den Faden zu verlieren. Und ausgerechnet, als sie schwer um den Sieg bangte, wurden sie und der Union-Anhang wider Erwarten doch noch erlöst. 4:2 hieß es am Ende für das Köpenicker Farmteam. Matthes war erleichtert – und etwas ratlos: „Was da heute passiert ist, kann man niemandem erklären.“

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Maschinen nach vorn! , hieß es zunächst für Lucy Wendling und die U23 von Union …

Wie die Feuerwehr legte die U23 los, Jena habe gefühlt gedanklich noch im Bus gesessen, beschreibt die Trainerin die erste Viertelstunde. Im Gegensatz zum Spiel bei Hohen Neuendorf vergangene Woche trumpfte Union dabei mit enormer Effizienz auf und bestrafte jeden Fehler der schläfrigen Gäste konsequent. Megan Reichenbach verwertete einen Steckpass (3.), Marike Laidler musste nach erfolgreicher Pressingaktion nur noch einschieben (6.) und Lucia Schwoche machte das 3:0 von der Strafraumkante perfekt (14.).

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… ehe das Schiff um Kapitänin und Torschützin Marike Laidler (r.) ins Schlingern geriet, …

In der Folge kamen die Gastgeberinnen immer häufiger einen Schritt zu spät und trafen zum Teil „wilde Entscheidungen“, wie Matthes sagte. Jena kam auf und erzielte das 3:1 – nach einem Angriff über die rechte Seite plus Hereingabe musste Celice Bock nur noch den Fuß hinhalten (34.). Das Treiben nach der Pause beschrieb Unions Trainerin so: „Wir waren hektisch, unruhig, überfordert. Vielleicht auch verunsichert, weil Jena trotz des Rückstands extrem positiv auftrat.“

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… Torhüterin Sherly Schulz urplötzlich im Mittelpunkt stand …

Angetrieben von der Bundesliga-erfahrenen Julia Arnold drängte Jena auf den Anschlusstreffer und erzielte ihn prompt. Diesmal sprintete Bock nach einem Abschlag ihrer Torhüterin Julyetta Christ alleine auf den Union-Kasten zu und schob zum 3:2 ein (55.). Was folgte, war purer Krieg für die Köpenicker Nerven, ehe Carla Okoro mit dem 4:2 fünf Minuten vor Schluss den Gästen den Stecker zog.

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… und erst Carla Okoro (l.) mit ihrem Tor zum 4:2 die Nerven der Köpenickerinnen beruhigte.

„Ein Treffer aus dem Nichts“, wie Matthes befand. Aber freilich ein erleichternder. Und klar, nach dem Zustandekommen des Resultats fragt später niemand mehr. Die Analyse der Geschehnisse bleibt schwer: „Nicht greifbar, auch nicht für das Team.“ Fotos: Jens Knohr


FC Hansa Rostock – SV Blau-Weiß Hohen Neuendorf 1:3 (0:2): Big Points im Abstiegskampf

Erleichterung in der Niederheide. Das Team von Trainer Christian Liedke entführte dank einer konzentrierten Leistung alle drei Punkte aus Rostock und verlässt die Abstiegsplätze der Regionalliga Nordost. Wie aus gut informierten Kreisen zu erfahren war, soll die Rückreise im Bus feucht fröhlich gewesen sein.

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Hohen Neundorfs Defensive war gegen Hansas Angreiferin Amalia Wichmann (21) & Co. bestens sortiert. Foto: @hansa

Dabei war der zweiteilige Plan von Liedke nur zum Teil aufgegangen. Zum einen sollte seine Elf möglichst die gefährlichen Standards der Gastgeberinnen verhindern. „Das ging auf, die erste Ecke hatte Hansa in der 78. Minute“, konstatierte der Coach. Der Matchplan an sich wurde weniger gut verfolgt. In Erwartung langer Bälle wollte Hohen Neuendorf die zweiten Bälle gewinnen. Das habe weniger gut geklappt, so Liedke. Der Schlüssel zum Erfolg lag also woanders: Obwohl es an der Galligkeit aus dem Spiel gegen Union in der vergangenen Woche fehlte, ließ man keine Torchancen zu, dazu fielen die Tore zu den richtigen Zeitpunkten.

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Große Konstante im Hohen Neuendorfer Spiel: Luisa Buchwalder. Foto: @hansa

Und zwar so. Nach einem lichten Pressing-Moment an der gegnerischen Strafraumkante schob sich Winterzugang Alexandra Almasalme erst den Ball vom rechten auf den linken Fuß und dann ins Tor. Da hatte der Sekundenzeiger gerade einmal zwei Runden gedreht. In der Folge segelten lange Bälle hin und her, Liedke sprach von „einer Art Ping-Pong“ und davon, dass sich seine Mannschaft dem Hansa-Spiel in dieser Phase angepasst habe. Günstiger Zeitpunkt Nummer 2: In der letzten Spielminute der ersten Schicht veredelte Chantal Pistorius – gegen Union schon auffällig torgefährlich – veredelte eine Ecke von der rechten Seite von Lenina Burghardt am langen Pfosten zum 0:2. Damit stand fest: Der Tabellenletzte Rostock musste nach der Pause kommen.

Als der Gegentreffer fällt, wird es noch einmal hektisch

Das versuchte er – und öffnete damit Räume für Konter aus dem Hause HND. Die liefen auch, allerdings nicht sauber bis zum Ende. „Ein 4:0 oder 5:0 wäre da schon möglich gewesen“, sagte Liedke. Sarah Tiede etwa sei bereits vor ihrem Treffer zum 0:3 (57.) alleine auf Rostocks Torhüterin Anna Thiele zugelaufen – und gescheitert.

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Es ist vollbracht, Hohen Neuendorf sichert sich drei immens wichtige Punkte im Abstiegskampf. Foto: @hansa

Das 0:3 schien komfortabel. Eine Viertelstunde vor Schluss hob Amy Heese den Ball aus der Distanz über HND-Schlussfrau Marie Ulrich hinweg zum 1:3 in die Maschen. „Danach wurde es ein bisschen hektisch“, berichtete Liedke. Mehr aber auch nicht, und deshalb stand am Ende ein verdienter Sieg für Hohen Neuendorf zu Buche. „Ein Befreiungsschlag“, freute sich der Coach, dessen Blick sich aber schon wieder nach vorne richtete: „Heute feiern wir den Sieg, ab morgen konzentrieren wir uns auf das Pokalspiel gegen Berolina Mitte am Donnerstag und auf die Partie gegen Turbine Potsdam II am kommenden Wochenende – das nächste Sechs-Punkte-Spiel.“