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Nenningers Hammer läutet die Wende ein: Bero dreht das Viertelfinale im Polytan-Pokal

Der 25-Meter-Schuss der Innenverteidigerin bringt Berolina Mitte zurück ins Spiel – Eren und Badem sorgen in der Schlussphase für das 3:1 gegen Regionalligist Hohen Neuendorf.

Der Ball steigt, senkt sich – und schlägt unter der Latte ein. Als Kim Nenninger in der 57. Minute aus rund 25 Metern abzieht, kippt das Viertelfinale im Berliner Pokal auf dem Bero. Was bis dahin nach einer abgeklärten Vorstellung des Regionalligisten Hohen Neuendorf aussieht, entwickelt sich anschließend zu einem Pokalabend, den Berolina Mitte mit viel Energie und einem starken Finish für sich entscheidet.

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Luisa Buchwalder (r.) im Duell mit Beros Charlotte Wagner – beide machten ein starkes Spiel.

Der Außenseiter beginnt mutig. Schon früh landet nach einer Ecke ein Ball am zweiten Pfosten, den die Gäste gerade noch vor der Linie klären können. Danach beruhigt sich das Spiel. Hohen Neuendorf verteidigt meist aus einem Mittelfeldpressing heraus und wartet auf Räume, während Berolina den Ball laufen lässt und immer wieder versucht, über lange Bälle auf die Außen Tempo aufzunehmen.

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Arzum Eren (l.) und Silvia Engels (r.) wirbeln ordentlich in Berolinas Offensive, Lenina Burghardt versucht, das Treiben zu unterbinden.

Gefährliche Szenen bleiben zunächst selten. Doch als sich für die Gäste die erste klare Gelegenheit ergibt, nutzen sie sie sofort. In der 39. Minute geht es schnell über die linke Seite, Karina Duchowny zieht aus spitzem Winkel ab, ihre Bogenlampe senkt sich unhaltbar hinter Beros Schlussfrau Charlotte Schneider ins rechte Eck – 0:1. Der Treffer zeigt Wirkung, die Gäste aus der Niederheide wirken jetzt präsenter.

Hohen Neuendorf nach der Führung zu passiv

Doch nach dem Seitenwechsel verändert sich das Bild. Berolina kommt mit deutlich mehr Zug aus der Kabine. Silvia Engels taucht nach einem Doppelpass mit Arzum Eren frei vor Torhüterin Marie Ulrich auf, doch die Keeperin reagiert stark (50.). Zwei Minuten später muss sie erneut eingreifen, als Eren aus der Distanz abschließt. Hohen Neuendorf ist zu passiv, der Ausgleich liegt nun in der Luft – und fällt wenig später spektakulär. Kim Nenninger bekommt in der 57. Minute gut und gerne 25 Meter vor dem Tor den Ball, nimmt Maß und jagt ihn unter die Latte. 1:1 – ein sensationelles Tor.

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Hohen Neuendorfs Angreiferin Philia Henning (l.) entwischt Charlotte Wagner.

Die Partie wird nun offener, teilweise auch hektischer. Auch Hohen Neuendorf meldet sich noch einmal offensiv. Nach einem missglückten Pass im Spielaufbau landet der Ball im Zentrum bei Luisa Buchwalder, die sofort aus der Distanz abschließt. Doch Schneider lässt sich nicht überraschen.

Es beginnt die Schlussphase – und die gehört mehr und mehr Bero. Dann passiert es: Einen langen Schlag von Schneider legt Winterzugang Emilia Eberle bei der Ballannahme eher unfreiwillig ab, der Rest ist dann wieder gewollt. Arzum Eren schlenzt den Ball aus 20 Metern in den linken Giebel (86.). Das dritte Traumtor an diesem Tag, die etwa 250 Zuschauer kommen voll auf ihre Kosten.

Eine kurze Freistoß-Variante bringt die Entscheidung

Und Bero hat noch etwas für sie. Nach einer kurzen Freistoßvariante von der rechten Seite spielt die herausragende Innenverteidigerin des Berlin-Ligisten den Ball auf die einlaufende Zehra Badem. Ulrich pariert den ersten Versuch noch stark, doch beim Nachschuss ist sie machtlos. Badem wuchtet den Ball unter die Latte – 3:1 (88.). Ein Schuss ins Glück, dunkelblaue Jubeltraube, ein bisschen Nachspielzeit – und fertig war der Pokal-Coup, der Einzug ins Halbfinale des Polytan-Pokals.

„Wir haben in der Pause umgestellt, um mehr Bewegung in unser Offensivspiel zu bekommen. Das hat geklappt. Und wie die Mannschaft dann auf den Sieg gedrückt hat, war einfach toll. Sie hat sich diesen Sieg verdient“, sagte ein überglücklicher Bero-Coach Frank Krug nach dem Abpfiff. Naturgemäß verdrießlichere Töne gab es von seinem Hohen Neuendorfer Pendent Christian Liedke: „Wir haben den Fehler gemacht, uns dem Spiel des Gegners anzupassen, haben dann auch zu viel mit langen Bällen operiert. Man hat gemerkt, dass uns der Abstiegskampf in der Regionalliga viel Substanz kostet. Einige gingen schon angeschlagen ins Spiel. Aber Bero hat das schon auch gut gemacht.“

Der Traum vom Double lebt

„Ein großartiger Sieg. Die Team-Mentalität stimmt. Nach dem 0:1 gingen die Köpfe nicht runter. Und die zweite Halbzeit ist in dieser Saison ja eher unsere“, sagte Emma Lamprecht nach der Partie. „Ich glaube, wenn Hohen Neuendorf nach dem 0:1 weitermacht und vielleicht sogar nachlegt, kann das ganz anders aussehen. Jetzt wird erstmal gechillt.“

Das muss auch sein, für Bero steht an diesem Sonntag bereits der nächste Kracher auf der Agenda, das Team muss beim Tabellenzweiten Stern die Tabellenführung verteidigen. Der Traum vom Double lebt an der Kleinen Hamburger Straße.


Fotos: Laura Timme