1000094150

Inter schockt Bero

Thomaschewski-Truppe erkämpft sich 1:0-Sieg im Top-Spiel +++ Stern müht sich bei der Pflicht +++ Neuköllns Coach Kapheim darf wieder lachen

FSV Hansa 07 – SFC Stern 1900: 1:4 (0:1): Geduld statt Glanz – Stern zieht erst spät davon.

Der SFC Stern 1900 hat bereits am Samstag sein Auswärtsspiel in der Berlin-Liga der Frauen bei der FSV Hansa 07 mit 4:1 gewonnen. Gegen kompakt verteidigende Gastgeberinnen tat sich der frisch gebackene Tabellenführer aber zunächst schwer, erhöhte nach der Pause jedoch spürbar das Tempo und setzte sich am Ende verdient durch.

fb img 1774130120879(1)
Lykka Maibaum (l.) im Zweikampf mit Sterns Torschützin Hannah Schmitz. Foto: Matthias Vogel

Die frühe Führung entstand nach einem Ballverlust im Hansa-Aufbau: Elena Gabler ging über links durch und spielte scharf durch den Torraum, Diana Steinmeyer schob am zweiten Pfosten ein (15.). Stern blieb in der Folge klar am Drücker, fand gegen die dichte Ordnung jedoch zunächst nur selten klare Abschlüsse. Hansa verteidigte diszipliniert und ließ wenig zu, kam selbst durch Heidi Schüler zur besten Chance vor der Pause.

Zwei Kandetzki-Ecken bringen die Vorentscheidung

Nach dem Seitenwechsel zog Stern das Tempo an und wurde zwingender. In der 63. Minute verlängerte Maggi Lorenz eine Ecke von Jenny Kandetzki, Alina Lindemann traf zum 2:0. Kurz darauf erhöhte Hannah Schmitz per Kopf – erneut nach einer Kandetzki-Ecke. Mit den sich öffnenden Räumen nutzte Stern seine Möglichkeiten nun konsequenter: Xenia Zeinert traf nach einem Angriff über rechts und Ablage ins Zentrum zum 4:0 (78.).

img 4775
Am Ende jubelte Stern, aber Hansas Defensive um Interims-IV Kim-Lucia Ruoff (Nr. 8) machte einen ordentlichen Job. Foto: Hannah Burkard

Hansa gab nie Kleinbei und setzte in der Schlussphase noch einen Akzent: Anna Berndorf hob den Ball vom linken Strafraumeck sehenswert über Jolanda Bolt, die für die erkrankte Antonia Haertel im Tor stand, zum 1:4 (90.).

Sterns Trainer Roman Rießler trotz Sieges angesäuert

Hansas Trainer Philipp Pawelzik ordnete das Ergebnis positiv ein: „Wenn man sieht, dass Stern bisher nur fünf Gegentore kassiert hat und wir davon in Hin- und Rückspiel zwei gemacht haben, ist das für uns ein Grund zur Freude.“ Als Knackpunkt bezeichnete Pawelzik den Doppelschlag von Stern durch die beiden Ecken. „Wie sollen wir das aufholen?“, so seine rhetorische Frage. Besser gelaunt als sein Sterner Pendant Roman Rießler war Pawelzik dennoch. Der war merklich angefressen: „Eine schlechte Teamleistung, zu langsames Spiel, die Haltung hat mir auch nicht gefallen. Nach dem Sieg gegen Bero hatte ich einen anderen Auftritt erwartet.“


Moabiter FSV – Friedrichshagener SV 1:2 (1:2): Moabit kratzt an Zählbarem, mehr auch nicht.

Der Moabiter FSV hat sein Heimspiel gegen den Friedrichshagener SV mit 1:2 verloren, zeigte dabei aber trotz dünner Personaldecke eine engagierte Leistung. Früh gerieten die Gastgeberinnen ins Hintertreffen: Bereits nach drei Minuten nutzte Friedrichshagen einen Angriff über die Außen zur Führung, Julia Ahrendt durfte sich feiern lassen.

img 20260322 wa0029(1)
Annika Zoschke und der Moabiter FSV erleiden eine knappe, aber nicht unverdiente Niederlage. Foto: Moabiter FSV

Moabit brauchte einen Moment, um Zugriff zu bekommen, stabilisierte sich dann jedoch zunehmend. Dennoch fiel Mitte der ersten Hälfte das 0:2 nach einem Standard, bei dem die Zuordnung nicht stimmte (25.) – wieder fühlte sich niemand für Ahrendt verantwortlich. Gut für das Team aus Mitte: Die direkte Antwort folgte prompt. Luise van der Linde eroberte den Ball im Pressing, umkurvte Torhüterin Ronja Kessel und verkürzte auf 1:2 (27.).

img 20260322 wa0028
Starker Sechster: Moabits Chiara Lohmann erhielt von ihrem Trainer ein Sonderlob. Foto: Moabiter FSV

Mit dem Anschluss ging Moabit mit einem guten Gefühl in die Pause und präsentierte sich nach dem Seitenwechsel deutlich griffiger. Defensiv ließ das Team nichts mehr zu, offensiv blieb es bei einzelnen Momenten – die größte Chance war ein Lattenschuss. Trainer Martin Meyer ordnete die Niederlage nüchtern ein: „Es ist ein verdienter Sieg für Friedrichshagen. Sie waren das reifere Team. Aber wir haben alles reingeworfen.“ Besonders hob er Chiara Lohmann hervor, „die das Spiel auf der Sechs getragen hat“, sowie Torschützin van der Linde für ihr starkes Pressing.


FC Viktoria 1889 Berlin U20 – SV Lichtenberg 47 7:0 (3:0): Zuviel Dynamik und Plan für die 47erinnen.

Auf dem Papier klar, auf dem Platz zunächst offen: Lichtenberg 47 startet mutig, steht kompakt, läuft selbst hoch an und hält das Spiel in der Anfangsphase torlos. Viktoria 1889 U20 wirkt zunächst überrascht, kommt aber dennoch zu Chancen – Gabby Kelly-Niemack scheitert frei von rechts an Lara Risch, Lea Hahn setzt einen Distanzschuss knapp vorbei.

1000094149
Hört nicht auf, bis der Ball im Netz zappelt – und wenn es bis in die Nachspielzeit dauert: Anastasia Buryakin. Foto: Matthias Vogel

Dann die erste klare Aktion mit Konsequenz: Anastasia Buryakin zieht ab, Risch pariert – den Nachschuss verwertet Joana Tibus zum 1:0. Viktoria bleibt dran und legt nach: Tibus wird lang geschickt, verzichtet auf das Eins-gegen-eins und trifft mit frühem Abschluss zum 2:0. Mit dem dritten Treffer ist die Partie gekippt: Layla El Khanji trifft aus rund 18 Metern platziert in die Ecke – für Risch nichts zu halten. Viktoria kommt nun im Minutentakt zu Chancen, kombiniert flüssig über die Flügel und durchs Zentrum.

1000094148
Eine Bank im Viki-Spiel: Emily Zill. Foto: Matthias Vogel

Nach der Pause geht es weiter: etwa in der 53. Minute das 4:0 – überragende Vorarbeit von Buryakin über rechts, flach in den Rückraum, Medisja Iljazi muss nur noch einschieben. Kurz darauf das 5:0, erneut durch Iljazi nach einem Ball von rechts, im Zentrum frei vollendet.Auch danach bleibt Viktoria im Vorwärtsgang. In der 75. Minute spielt El Khanji einen überragenden Ball in die Tiefe, die eingewechselte Leila Ibrahimovic ist durch, setzt den Abschluss aber neben das Tor. In der Schlussphase wird es deutlich: In der 89. Minute erhöht Milla Anhuth auf 6:0, ehe Buryakin in der Nachspielzeit ihre starke Leistung mit dem 7:0 krönt.

Viktoria-Coach Darian Hoffmann analysiert noch die stockende Anfangsphase: Sein Team sei überrascht gewesen vom hohen Anlaufen der Lichtenbergerinnen, „das waren wir aus den vergangenen Spielen nicht gewohnt“. Entsprechend nervös sei der Start gewesen. Unterm Strich bleibe aber stehen: Hausaufgaben anständig erledigt.


Berolina Mitte – FC Inter 0:1 (0:0): Lamis Tiehen raubt Bero den Nerv

Der Tabellenzweite Berolina Mitte war dominant und druckvoll – und stand am Ende dennoch mit leeren Händen da. Der FC Inter entführte im Topspiel der Berlin-Liga drei Punkte aus der kleinen Hamburger Straße und profitierte von maximaler Effizienz sowie einer überragenden Torhüterleistung.

Bero bestimmte über weite Strecken das Spielgeschehen, hatte mehr Ballbesitz, spielte sauber von hinten heraus und erspielte sich Wind Fülle klarer Chancen. Oliver Thomaschewski, vor seinem Engagement bei Inter als Trainer bei Bero am Werk, sprach von „vier, fünf Hochkarätern“, die dabei waren – doch entweder fehlte die letzte Konsequenz im Abschluss oder Inter-Keeperin Lamis Tiehen verhinderte mit starken Paraden, mehrfach auch per Fußabwehr, den Einschlag.

1000094150
Inters Frauen haben nach dem Coup gegen Bero gut Lachen. Archivbild: Laura Timme

Die Gäste hingegen nutzten ihren Moment. Ein Freistoß von Julia Marinowski aus dem Halbfeld segelte an den Fünfmeterraum, Lena Hegnal legte per Kopf ab, Julia Kaiser vollendete ebenfalls per Kopf zur Führung. Dazu kam noch ein Lattentreffer von Lena Ghebreselasie, die aus rund 20 Metern mit links abzog. „Bero war aber auf jeden Fall das bessere Team, keine Frage“, ordnete Inter-Coach Oliver Tomaszewski ein. „Sie hatten mehr Spielanteile und ihre individuelle Klasse macht jeder Mannschaft Probleme. Aber wir haben leidenschaftlich verteidigt und uns in jeden Ball geworfen.“

Nach der Niederlage im Top-Spiel vor einer Woche gegen Stern trifft diese überraschende Pleite Bero hart. Das Team von Trainer Frank Krug rutscht damit auf den vierten Platz des Berlin-Liga-Tableaus ab.


Viktoria Mitte – BSV GW Neukölln 1:6 (1:4): Des einen Freud‘ …

… des anderen Leid! Während Neuköllns Trainer Helge Kapheim nach langer Durststrecke „mal wieder lachen kann“, wie er es selbst formulierte, hat die heftige Niederlage Viki-Coach Nils Tobela ordentlich die Petersilie verhagelt. Weil das Ergebnis aus seiner Sicht die Kräfteverhältnisse nur unzureichend abbilde. Die Gäste hätten mehrfach aus der Distanz getroffen, teils glücklich abgefälscht oder schwer zu verteidigen. Viktoria hielt über weite Strecken dagegen und kam selbst zu guten Möglichkeiten, ließ diese jedoch im Gegensatz zu Neukölln ungenutzt. Gerade vor und nach der Pause boten sich laut Tobela Chancen, das Spiel enger zu gestalten oder selbst in Führung zu gehen.

Für Diskussionen sorgte zudem die Spielleitung. Ein möglicher Handelfmeter für Viktoria blieb aus, dazu wurde die robuste Gangart der Gäste aus Sicht der Gastgeberinnen nicht konsequent unterbunden. Tobela ordnete die Partie entsprechend ein: „Das Ergebnis ist viel zu hoch. Wir haben unsere Chancen nicht genutzt, während der Gegner seine Tore auch mit dem nötigen Glück macht.“ Unterm Strich bleibe eine Niederlage, die weniger auf klarer Unterlegenheit als auf mangelnder Effizienz und einem Spielverlauf basiere, der mehrfach gegen sein Team gelaufen sei.

Die Treffer für Neukölln markierten nach der Viki-Führung durch Friederike Pechmann (10.) Romina Schmalbein (25.), Alina Schramm (29.), der Kapheim Bestnoten auf der Sechs ausstellte und je zweimal Neue Becker (43., 65.) und Emely Schlendern (45., 84.). Mit dem Sieg ziehen die von Personalnot gebeutelten Neuköllnerinnen die Linie zwischen sich und den vier Teams der Liga nach, die am tiefsten im Abstiegsstrudel der Liga stecken.


Titelbild (Archiv): Laura Timme