Tabellenführer SFC Stern 1900 nutzt nach der Pause seine Dominanz gegen einen lange stark verteidigenden FC Inter und gewinnt 4:0.
Der SFC Stern 1900 hat geliefert, was ein Spitzenreiter liefern muss: Druck, Präsenz, Beharrlichkeit – und am Ende auch Tore. Beim FC Inter Berlin stand am Ende ein 4:0 zu Buche, das sich erst spät klar anfühlte, aber über 90 Minuten hart erarbeitet werden musste.

Die Partie begann für Inter nach Plan, nämlich mit einem Nadelstich. Lena Hegnal kam im Strafraum zum Abschluss (2.), Toni Haertel parierte. In der Folge gewann der Favorit zunehmend die Kontrolle über die Partie im Schatten des Eurex-Campus‘. Stern presste hoch, gewann viele Bälle in der gegnerischen Hälfte und hielt das Tempo hoch. Gefahr entstand aber vor allem nach Standards, etwa bei einem Kopfball von Alina Lindemann nach einer Ecke, der über das Tor ging. Im offenen Spiel fehlten Ideen, aus den vielen Balleroberungen Kapital zu schlagen.



Und Inter? Verteidigte diszipliniert – und hatte die klareren Chancen. Eine nach herzlicher Einladung des Spitzenreiters. Amelie Großbauer vertändelte die Kugel auf der linken Seite gegen Lena Hegnal, die dann allein auf das Tor zulief – und den Ball an die Latte (26.). hämmerte. „Sch…, Mann!“ hallte es durch die Schöneberger Nacht. Hegnals Ärger war verständlich, das war wohl die Szene, ab der die Partie noch am ehesten einen anderen Verlauf hätte nehmen können.
Kurz darauf zog Lena Ghebreselasie aus der Distanz ab, ein harmloser Ball – doch Haertel ließ ihn zur Seite abklatschen, parierte aber immerhin den Nachschuss von Julia Kaiser zur Ecke. Nach einem Eckball ließ Julie Ram eine weitere gute Möglichkeit ungenutzt. Stern dominierte, Inter war gefährlicher – 0:0 zur Pause.
Schöneberger Keller: Kein Elfmeter
„Wir hatten viele Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte, haben die Bälle aber zu schnell wieder hergegeben“, ordnete Stern-Trainer Roman Rießler nach dem Abpfiff ein. Was fehlte, war die Zielstrebigkeit. Die kam nach der Pause – und das ganz schön wuchtig. Stern erhöhte sukzessive den Druck.
In der 57. Minute kam Maggi Lorenz im Strafraum zu Fall. Rießler sah ein Strafstoß-würdiges Vergehen, der Schöneberger Keller – Inter-Coach Oliver Thomaschewski betrieb am Donnerstagmorgen Video-Recherche – sagt: kein Elfmeter. Maggi Lorenz versicherte noch einen Tag später: „Ich will nicht sagen, dass ich den versenkt hätte, aber die 20 hat mich wirklich volle Kanne am Knöchel erwischt.“ Kathi Herber trat jedenfalls an – und traf. Eigentlich ist sie nicht die etatmäßige Schützin. „Es hat sich keiner gemeldet, also habe ich mir den Ball genommen. Ich hatte ein gutes Gefühl“, sagte sie. Es war mehr als nur das 1:0. Es war der Auftakt zum Finale furioso.

Inter musste mehr und mehr öffnen, verlor ein wenig die Stabilität – und Stern nutzte eiskalt die sich nun bietenden Räume. In der 75. Minute war Diana Steinmeyer im Zuge eines Konters auf der rechten Seite auf und davon, zog bis zur Grundlinie und legte in den Rückraum. Hannah Schmitz vollendete zum 2:0. Zwei Minuten später war die Partie entschieden. Schmitz setzte sich trotz hohem Verkehrsaufkommen in der Inter-Box clever auf der linken Seite durch, bediente Lorenz im Zentrum und die traf aus kurzer Distanz in die kurze Ecke (77.).
Erzwungenes Eigentor markiert den Endstand
Lorenz hätte nur vier Minuten später noch einen draufsetzen können, als sie am rechten Torraumeck zum Halbvolley kam, Lamis Tiehen im Inter-Tor mit einer tollen Parade ihr Team aber vor Schlimmerem bewahrte. Der letzte Treffer war dann symptomatisch für die zweite Schicht. In der 90. Minute verlor Steinmeyer zunächst den Ball, setzte nach, holte ihn sich zurück und brachte ihn scharf vor das Tor. Am zweiten Pfosten lauerte bereits eine Mitspielerin. Inters Julia Herr musste also ran an den Ball und spitzelte ihn unglücklich ins eigene Netz.



Rießler, nach dem 4:1 seines Teams bei der FSV Hansa 07 am vergangenen Samstag überhaupt nicht einverstanden mit der Leistung, zeigte sich von der Reaktion auf seine Kritik hoch zufrieden: „In der ersten Hälfte wussten wir mit den Ballgewinnen nichts anzufangen und haben die Kugel oft sofort wieder hergegeben. Das war nicht gut. In der zweiten Halbzeit war meine Mannschaft aber sofort da und hat den Sieg erzwungen. Wir haben großen Aufwand betrieben und uns belohnt. Das war eine der besten Halbzeiten der Saison.“

Inter hielt lange dagegen – und hatte seine Momente. „Wir hätten in der ersten Halbzeit mehr daraus machen müssen“, sagte Trainer Oliver Tomaschewski. „Der Elfmeter war der Knackpunkt.“ Seine Kapitänin Julia Marinowski brachte es auf den Punkt: „Der Sieg ist verdient. Aber wir können stolz auf unsere Leistung sein. Wir wollten und wollen die Teams vor uns ärgern, das ist uns gegen Bero und heute gut gelungen – Stern merkt man die Erfahrung an, die wissen schon sehr genau, was sie da machen.“
So bleibt ein Spiel, das lange auf der Kippe stand – und am Ende doch klar entschieden wurde. Weil der Tabellenführer sich auch wie ein solcher präsentierte und einfach immer weiter machte.
Fotos: Laura Timme

