Innenverteidigerin der U20 von FC Viktoria 1889 Berlin glänzt nicht nur gegen Stern mit Umsicht, kompromisslosen Zweikämpfen und Führungsqualität. Eine besondere Szene verrät, mit wem es die Gegnerinnen zu tun bekommen.
Ronja Grubba liefert – Woche für Woche. In einem Team, das sich im Saisonverlauf amtlich weiterentwickelt hat, ist die 22-Jährige längst zu einer der prägenden Figuren geworden. Ihre Auszeichnung als „Rasenperle der Woche“ ist daher weniger ein Ausreißer nach oben als die folgerichtige Würdigung einer konstant starken Spielzeit.

Wie sehr Grubba für Haltung, Einsatzwillen und Verlässlichkeit steht, zeigte sich exemplarisch am 14. Spieltag im Topspiel bei Berolina Mitte. Etwa nach einer halben Stunde geriet sie nach einem langen Ball in einen Luftzweikampf, bei dem sie den Ellbogen ihrer Gegenspielerin ins Gesicht bekam. Die Folge: ein nach hinten verschobener, gelockerter Schneidezahn – eine schmerzhafte wie beunruhigende Verletzung.
Mit Wackelzahn noch kompromissloser als zuvor
Dass ihr Einsatz an dieser Stelle enden würde, lag nahe. Grubba entschied sich anders. „,Ich spiele auf jeden Fall weiter‘, war das erste, was sie uns sagte, als sie nach draußen zur Behandlung kam“, erinnert sich ihr Trainer Darien Hoffmann, „einfach irre!“. Gesagt getan. Die Abwehrchefin kehrte zurück auf den Platz. Dort übernahm sie weiterhin Verantwortung, gewann Zweikämpfe, organisierte die Defensive und gab ihrem jungen Team weiter Halt. Nach der Pause schien es sogar, als wäre sie noch präsenter und kompromissloser in den Duellen als zuvor.



Ob es nicht vernünftiger gewesen wäre, rauszugehen? „Nee. Da war ja gerade eh nichts zu machen und am Rand stehen und zugucken wäre auch blöd gewesen“, sagte sie später. „Es sind außerdem ja genau diese Topspiele, dir mir so Spaß machen.“
Diese Episode fügt sich nahtlos in das Bild ein, das sie in dieser Saison abgibt. Trainer Darian Hoffmann hebt ihren „unfassbaren Willen“ hervor und beschreibt sie als Spielerin, die sich zu einer echten Führungspersönlichkeit entwickelt hat. Grubba selbst sieht ihre Stärke vor allem im Mindset: „Ich lasse mich von nichts runterziehen.“ Eine Haltung, die sich auf die Mannschaft überträgt – ihre Mitspielerinnen, so sei deren Feedback, fühlten sich durch ihre Präsenz motiviert.
Dabei verlief ihr Weg zum Status quo durchaus holprig. Mit fünf Jahren begann sie beim Teltower FV in Teltow, zwei Nachbarsjungen schleppten sie zum Probetraining. „Wir nehmen keine Mädchen“, hieß es dort zunächst. Grubbas Mutter empfahl damals dem Trainer, sie sich wenigstens einmal anzusehen. Ronja durfte wiederkommen, kickte die gesamte Grundschulzeit in dieser Mannschaft. „Am Ende war ich Kapitänin“, sagt sie.
Panikattacken – da zog Grubba die Reißleine
Zur 7. Klasse wechselte sie an die Sportschule Potsdam, verbunden mit Einsätzen für 1. FFC Turbine Potsdam, kickte in der Brandenburg-Auswahl und war zweimal beim Ländervergleich der Auswahlen in Duisburg am Start. Das brachte sie früh in leistungsorientierte Strukturen. Der zunehmende Druck führte jedoch zu Panikattacken – Grubba zog die Reißleine und legte eine Pause ein.
Mit 16 kehrte sie zurück, diesmal bei FC Viktoria 1889 Berlin. „Mir hat der Fußball dann doch gefehlt“, sagt sie. Zwei- bis dreimal war für sie in Ordnung, der Spaß stand im Vordergrund. Inzwischen hat sich das Pensum wieder deutlich erhöht, vier Trainingseinheiten pro Woche gehören zum Alltag. Der Unterschied liegt in der Haltung: „Ich habe einfach richtig Bock und unglaublich viel Spaß in dieser Mannschaft und mit dem Trainerteam. Die Zeit, die ich investiere, lohnt sich wirklich.“

Nach dem Remis bei Berolina und der Niederlage gegen SFC Stern 1900 ist der Aufstieg für Himmelblau und sie zwar außer Reichweite. „Wir müssen akzeptieren, dass es nicht gereicht hat“, sagt Grubba. „Aber wir haben in dieser Saison einen ganz großen Schritt in die richtige Richtung gemacht“, findet sie. Der Fokus liege nun auf dem Pokalfinale gegen die zweite Mannschaft von Hertha BSC – und auf einem neuen Anlauf in der kommenden Saison.
Abseits des Platzes studiert sie Veranstaltungstechnik und -management. Perspektiven außerhalb des Fußballs spielen eine Rolle, auch die beruflichen mit Blick auf die Zeit nach dem Bachelor. Wie lange sie dem Fußball erhalten bleibt, lässt sie offen. Solange der Spaß überwiegt, wird sie weitermachen.
„Viele denken sicher, ich bin eine Tussi“
Viel Raum für andere Hobbys bleibt ohnehin nicht. „Ich spiele seit 17 Jahren Fußball, viel mehr kann ich gar nicht“, sagt sie augenzwinkernd. Zeit bleibt für ihren Freund und gelegentliche Abende mit Freundinnen. „Viele denken sicher, ich bin eine Tussi, weil ich mich gern zurechtmache“, gibt sie zu und lacht. „Ich brauche schon etwas länger im Bad.“

Wer denkt, Ronja Grubba wäre wenigstens nach dem Bero-Spiel in die Notaufnahme gefahren, täuscht sich. Sie war mit ihrer Familie noch beim Essen. Wie das geht mit losem Schneidezahn? „Es gab halt nur Suppe für mich.“ Erst der Onkel, der Zahnarzt ist und den sie schließlich konsultierte, riet ihr dringend, sich das anschauen lassen. „Das war gut so, meinten die Ärzte der Notaufnahme“, erzählt sie. So habe der Zahn gerettet werden können.
Vernunft ist etwas anderes, aber das ist bei der Wahl zur Rasenperle der Woche ja schließlich kein Kriterium.
Fotos: Matthias Vogel

