Berlin-Liga-Meister ist nur in der ersten halben Stunde torgefährlich. Trainer Roman Rießler: „So reicht es eben nicht.“
Der Traum vom Aufstieg lebt weiter, doch der SFC Stern 1900 steht nach dem Hinspiel der Aufstiegsrelegation zur Regionalliga Nordost unter Zugzwang. Beim Chemnitzer FC unterlagen die Berlinerinnen mit 1:2 (1:2), obwohl sie die Anfangsphase klar bestimmten und verdient in Führung gingen.


Die Mannschaft von Roman Rießler erwischte den besseren Start. Zahlreiche Ecken und Standards sorgten früh für Gefahr. In der 13. Minute belohnte sich Stern schließlich. Nach einer Ecke von Roxana Nowak tauchte Sofie Roll am zweiten Pfosten auf und drückte den Ball zur verdienten Führung über die Linie.
Der Berliner Meister schlägt kein Kapital aus seiner Überlegenheit
Auch danach hatten die Berlinerinnen die Partie zunächst im Griff. „Die erste halbe Stunde haben wir Chemnitz an die Wand gespielt. Da müssen wir eigentlich höher führen“, sagte Rießler nach dem Spiel. Vor allem die vielen Eckbälle, die gefährlich zwischen Fünfmeterraum und Elfmeterpunkt herunterfielen, blieben ungenutzt.

Mit zunehmender Spieldauer fand jedoch auch der Chemnitzer FC besser in die Begegnung. Kurz vor der Pause drehten die Gastgeberinnen die Partie innerhalb weniger Minuten. Zunächst verwandelte Chayenne Eulitz einen Strafstoß zum 1:1 (41.). Zwischen Ausgleich und Rückstand hatte Stern Pech, als Corinna Statz nur die Latte traf. Wenig später genügte ein langer Ball, bei dem sich die Berliner Defensive nicht einig war. Yella Mihalyi nutzte die Situation und schob zum 2:1 ein (45.).
„Haarsträubende Abwehrfehler“
Laut Rießler waren den beiden Gegentreffern „haarsträubende Abwehrfehler“ vorausgegangen. „Beim 1:1 haben wir eine Angreiferin völlig außer Acht gelassen. Beim Versuch, sie zu stoppen, tritt sie Amelie Großgebauer dann in die Hacken.“ Beim 1:2 seien sich bei einem langen Ball drei seiner Spielerinnen nicht einig gewesen, weshalb sich Mihalyi allein mit dem Ball am Fuß auf den Weg zum Tor machen und einschieben konnte. „Ich habe die Mädels darauf hingewiesen: In der Berlin-Liga bleiben solche Fehler vielleicht unbestraft, in solchen Spielen aber eben nicht“, sagte Rießler.



Direkt nach Wiederbeginn bot sich Stern die große Gelegenheit zum Ausgleich. Nach einem Foul an Diana Steinmeyer in der Box gab es Elfmeter. Emina Wacker scheiterte jedoch an Chemnitz-Keeperin Franziska Frohs.
In der Folge zog sich der Chemnitzer FC weit zurück und verteidigte leidenschaftlich. Stern hatte zwar deutlich mehr Ballbesitz, fand gegen die kompakte Defensive der Gastgeberinnen jedoch kaum Lücken. „Da waren wir nicht zwingend genug. Wir haben keine Lösungen gefunden“, analysierte Rießler. Gleichzeitig räumte der Stern-Coach ein, dass Chemnitz nach Ballgewinnen und Umschaltmomenten sogar noch Chancen auf weitere Treffer besaß. Mit ein bis zwei gefährlichen Gegenstößen hätten die Gastgeberinnen das Ergebnis aus seiner Sicht sogar noch höher gestalten können.

Trotz der Niederlage hob Rießler mehrere Spielerinnen hervor. Vor allem die 20-jährige Sophia Verheijen zeigte nach Einschätzung ihres Trainers eine überragende Leistung. Ebenfalls positive Erwähnung fanden Torschützin Sofie Roll sowie Luise Wille. Und seine Zuversicht ist ungebrochen. „Noch ist nichts verloren. Wir packen das im Rückspiel“, sagte Rießler.
Die Entscheidung fällt nun am kommenden Sonntag auf dem Sterner. Dort benötigt der Meister der Berlin-Liga einen Sieg, um den Traum von der Rückkehr in die Regionalliga Nordost doch noch wahr werden zu lassen. Weil Stern ohnehin viel lieber auf Sieg spielt, hat sich an der Ausgangslage für das Rückspiel gar nicht einmal so viel geändert.
Fotos: Kathi Herber, Ralf Seedorff

