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stille perlen: verina becker – die frau, auf die alle zählen

Seit 2010 engagiert sich Verina Becker für die Fußballerinnen des BSV Grün-Weiß Neukölln. Warum die 54-Jährige für Trainer, Spielerinnen und den gesamten Verein weit mehr ist als eine Betreuerin – und weshalb sie ihre Auszeichnung als „Stille Perle“ mehr als verdient hat.

Sommerpause. Keine Spiele, keine Tore, keine Tabellen. Dafür rücken bei rasenperlen.de Menschen in den Mittelpunkt, die sonst oft zwischen den Zeilen stehen. Mit der Serie „Stille Perlen“ stellen Berliner Vereine diejenigen vor, die für sie unverzichtbar sind – auf oder neben dem Platz.

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Wer über die Frauen des BSV Grün-Weiß Neukölln spricht, hat selten Verina Becker auf dem Zettel. Dabei ist sie laut dem scheidenden Trainer und Vorstandsmitglied Helge Kapheim „unersetzlich“. Seit mittlerweile 2010 kümmert sich die 54-Jährige als Betreuerin um die Fußballerinnen des Vereins – leise, zuverlässig und mit großer Herzlichkeit. Erst um die Mädels, mittlerweile schon lange um die Erste. Kapheim bringt ihre Bedeutung für das Team auf den Punkt: „Sie ist die gute Seele der Mannschaft.“

Beckers Erkenntnis: Bedarf an Betreuung ist altersunabhängig

Als Tochter Nele damals mit dem Fußball anfing, rutschte Verina Becker in die Betreuerrolle hinein. „Die kleinen Mäuse brauchten doch jemanden“, erinnert sie sich. Sie wuchs praktisch mit dem Team mit und lernte: Unabhängig vom Alter ist Betreuung wichtig. „Ich muss natürlich niemandem mehr die Schuhe binden, dafür muss eben heute auf die Schnelle noch ein Piercing abgeklebt werden oder jemand hat etwas in der Kabine vergessen und ich hole das eben“, beschreibt sie den Wandel ihrer Aufgaben und ihr ist Anzumerken, wie gerne sie die immer noch erledigt.

An Spieltagen folgt alles einem festen Ritual. „Ab meinem System hat sich nichts geändert“, sagt sie. Verina Becker ist bereits am Treffpunkt dabei, kümmert sich um Trikots, kontrolliert, ob Heim- oder Auswärtssatz benötigt wird – meistens nimmt sie vorsichtshalber gleich beide mit –, schneidet Obst, packt Kekse, Süßigkeiten und Capri-Sonne ein. Im Winter gehören auch heißer Tee und Decken selbstverständlich dazu. Drei bis vier Stunden dauert ein Spieltag für sie, hinzu kommen später das Waschen und Vorbereiten der Trikots.

„Ich fiebere total mit“

„Ich bin eher der Muttertyp“, sagt sie selbst. Genau das schätzen die Frauen in Neukölln. Dabei versteht sie sich nie als Außenstehende. „Man gewinnt und verliert zusammen“, lautet ihre Devise. „Und ich fiebere total mit.“ Bei Niederlagen richtet sie auf, Kritik äußert sie nie. „Ich möchte einfach, dass es den Mädels gut geht“, benennt sie ihre Triebfeder. Bewerten sollen die Trainer. „Bevor ich angefangen habe, wusste ich ja eigentlich nur, dass das Runde ins Eckige muss“, sagt sie und lacht.

Kapheim beschreibt sie als Ansprechpartnerin für alle. „Mit ihr kann man über alles reden“, sagt er. Das gelte für die Spielerinnen genauso wie für ihn selbst. Gerade nach schwierigen Spielen oder in stressigen Momenten habe sie oft die richtigen Worte gefunden. Kapheim nennt sie einen „sensationellen Menschen“ und hebt besonders ihren jahrelangen Einsatz und ihre außergewöhnliche Zuverlässigkeit hervor. „Sie ist auch für uns da, wenn Nele mal fehlt“, sagt Kapheim.

Natürlich spielte ihre Tochter am Anfang die entscheidende Rolle. Doch inzwischen sind es die Mannschaft und das gesamte Umfeld, die Verina Becker ans Herz gewachsen sind. Viele Spielerinnen kennt sie seit ihrer Kindheit, andere sind später dazugekommen. Einen Unterschied macht sie dabei nicht. „Die ändern sich alle nicht“, sagt sie lachend. Das gute Verhältnis entstehe jedes Mal aufs Neue.

Eine schöne Anekdote? Hat sie nach der langen Zeit freilich parat. Bei einem Spiel der damaligen D-Juniorinnen fehlten plötzlich der Trainer, die Torhüterin und mehrere Spielerinnen. Am Treffpunkt herrschte Ratlosigkeit. Absagen? Für Verina Becker keine Option. Sie sprach den fünf übrigen Mädchen Mut zu: Sie sollten einfach ihr Bestes geben. „Wer sagt denn überhaupt, dass ihr nicht gewinnen könnt?“ Die Mannschaft fuhr los – und gewann tatsächlich. Dieses Erlebnis ist ihr bis heute im Gedächtnis geblieben.

Beckers Jungbrunnen: die Zusammenarbeit mit den Fußballerinnen – und Punkrock

Auch gemeinsame Turniere, etwa in Warnemünde, haben sie geprägt. Dort spürt sie den besonderen Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft. Gleichzeitig merkt sie, dass sie als Betreuerin und „älteres Semester“ keineswegs nur Begleitperson ist. „Die Mädels finden schon immer gut, dass die Trainer und ich dabei sind“, sagt sie. Ein schönes Gefühl.

Fußball ist für die Familie Becker seit jeher ein ständiger Begleiter. Verina engagiert sich nicht nur in Neukölln. Ihr Mann Markus ist seit der Kindheit eng mit dem TSV Mariendorf verbunden, sitzt heute im Vorstand. Auch dort hilft sie regelmäßig ehrenamtlich mit – im Casino, bei Veranstaltungen oder bei den Pokalendspielen. Familientermine werden deshalb häufig nach dem Spielplan ausgerichtet. „Aber das ist auch schön so“, sagt sie.

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Ein Platz für Verina Becker im vereinseigenen Sticker-Album? Für den BSV GW Neukölln keine Frage.

Mit Sorge beobachtet sie allerdings, dass regelmäßiges Ehrenamt nicht mehr selbstverständlich ist. Viele würden schon helfen, wenn man sie frage, sagt sie. Sich regelmäßig einzubringen, noch dazu aus freien Stücken, sei dagegen deutlich seltener geworden. Gerade deshalb wünscht sie sich, dass sich wieder mehr Menschen engagieren.

Verina Becker nahm sich in ihrer Laufbahn als Betreuerin immer wieder kleine Auszeiten, doch am Ende kehrte sie stets zurück. „Ich frage mich schon manchmal, warum ich das mache. Besonders morgens um 9 Uhr“, witzelt sie. „Aber ich möchte das eben auch nicht missen.“ Auch jetzt, nach dem Abschied von Trainer Helge Kapheim, spielte sie kurz mit dem Gedanken aufzuhören. Lange hielt der allerdings nicht. Schon bald stand für sie fest, dass sie weitermachen würde. Auch in der kommenden Saison wird sie also wieder am Spielfeldrand stehen. Zu positiv das Feedback der Mannschaft, zu viel Spaß an ihrem Job, zu wichtig die sozialen Kontakte.

Beruflich arbeitet Verina Becker in der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie in der regionalen Schulaufsicht der Außenstelle Treptow-Köpenick. Privat unternimmt sie gemeinsam mit ihrem Mann viele Kurzreisen, besucht Konzerte und Festivals. Die Broilers und die Donots gehören zu ihren Lieblingsbands. „Da wird nicht herumgestanden, da wird getanzt“, erzählt sie.

Ex-Trainer und Vorstandsmitglied Helge Kapheim: „Ein sensationeller Mensch“

Ob Fußball oder Punkrock – für Verina Becker gehört beides zu einem Leben, das sie merklich genießt. Ob diese Mischung sie jung hält? „Dass müssen ja eigentlich andere beurteilen. Aber ich glaube schon, dass sie dazu beiträgt“, sagt sie.

Für den BSV Grün-Weiß Neukölln ist sie weit mehr als die Frau mit den Trikots, dem Obst oder der Capri-Sonne. Sie steht zwar bewusst iund gerne in der zweiten Reihe, ist aber aufmerksame Zuhörerin, Mutmacherin und Vertrauensperson. Eine Frau, die selten im Mittelpunkt steht, ohne die aber vieles nicht funktionieren würde. Eine „Stille Perle“ eben.

Oder, um es mit den Worten ihres Trainers Helge Kapheim zu sagen: „Ein sensationeller Mensch.“


Fotos: privat