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Alte Liebe rostet nicht, aber beizeiten rastet sie

Regionalliga Nordost: Bei Türkiyemspor stehen viele Spielerinnen mit Union-Wurzeln im Kader – 90 Minuten muss diese Verbundenheit an diesem Sonntag ruhen

Der Kunstrasen am Köpenicker Trainingszentrum Oberspree erzählt heute eine Geschichte, die man nicht allzu oft im Spielplan der Regionalliga Nordost findet: Eine Mannschaft, die ihrem eigenen Nachwuchs vertraut, trifft auf ein Team, das in Teilen genau dort über Jahre ausgebildet wurde oder wenigstens spielte. Gut ein halbes Dutzend Türkiyemspor-Spielerinnen haben eine Union-Vergangenheit – inklusive Trainerin Greta Budde, einst als Innenverteidigerin bei den „Eisernen Ladies“ unterwegs.

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Foto: 1. FC Union Berlin

Auch Alexandra Almasalme, Carolin Hamann, Charleen Niesler, Lena-Marie Wolter Cosme oder Josi Schwarz müssen beim Auswärtsspiel mögliche Heimatgefühle ausblenden. Es geht um drei Punkte und für beide Teams um den nächsten Schritt nach vorne.

Weil der Rivale Hertha BSC am Samstag zuhause gegen den SV Eintracht Leipzig-Süd nicht über ein 1:1 hinauskam, könnte Union II mit einem Sieg auf Rang zwei springen, die Gäste aus Kreuzberg würden mit einem Dreier den Kontakt zur Spitzengruppe halten. Greta Budde, die seit eineinhalb Jahren die sportlichen Geschicke bei Türkiyemspor zwar lenkt, sieht ihren Ex-Club leicht favorisiert. „Allerdings brauchen wir uns nicht zu verstecken.“

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Foto: Loredana Zafisambondaoky

Wer heute Favorit und wer Jäger ist interessiert Unions Trainerin Anja Matthes genauso wenig wie alte Banden: „Für uns ist es einfach der 8. Spieltag und den wollen wir erfolgreich gestalten, unabhängig vom Gegner. Die Liga in dieser Saison ist viel ausgeglichener als letzte Saison, deshalb muss man jeden Spieltag an seine Grenze gehen und das wollen wir tun.“

Türkiyemspor konnte die Mannschaft der vergangenen Saison halten, dazu kamen viele Verstärkungen. Laut Budde mit den entsprechenden Begleiterscheinungen: „Die Automatismen sitzen daher noch nicht, aber wir sind auf dem richtigen Weg.“ Das knappe 2:3 gegen den Spitzenreiter FC Carl-Zeiss Jena II am vergangenen Wochenende untermauert das. Der Kunstrasenplatz am Bruno-Bürgel-Weg sei ein wenig enger als gewohnt. „Wir müssen also gute spielerische Lösungen finden, wenngleich auch unsere körperliche Robustheit zum Tragen kommen soll“, fordert die Trainerin von ihrem Team.

Matthes verriet noch etwas zur generellen Saisonplanung in Köpenick: „Das Ziel ist es, die junge Mannschaft bestmöglich weiterzuentwickeln und die Potentiale der Spielerinnen auszuschöpfen. Was am Ende dann die Tabelle sagt, wird man sehen. Wichtig ist erstmal, schnellstmöglich die Ligazugehörigkeit sichern.“ Ansonsten hielt sie sich bedeckt.

Das Duell verspricht Reibung. Budde erwartet es „hitzig, wie immer gegen Union“. Der Platz am Bruno-Bürgel-Weg ist etwas enger, was Entscheidungen beschleunigen muss, Räume reduziert und Körperlichkeit belohnt. Türkiyemspor will genau daraus Kapital schlagen. Mit Ausnahme von der Langzeitverletzten Anna Fechner – laut Budde in der vergangenen Saison eine wichtige Figur im Kreuzberger Spiel – reist Türkiyemspor mit voller Kapelle an. Ob das gegen den Köpenicker Talentschuppen reicht, entscheidet sich ab 13 Uhr.


Titelbild: Loredana Zafisambondaoky