Wer ist nur auf der Durchreise? Wer wird wohl um den Klassenerhalt bangen? Unsere Prognose zum Landesliga-Start
In der letzten Bezirksliga-Saison gelang es keinem Team – und auch dieses Jahr in der Landesliga scheint es nicht ausgeschlossen, dass Aufsteiger Hertha BSC II ohne Punktverlust, zumindest aber ohne Niederlage bleibt. Die Charlottenburgerinnen sind kein gewöhnlicher Aufsteiger: Fast der gesamte Kader stammt aus der Übernahme vom FC Hertha 03 und hat bis letztes Jahr noch B-Mädchen-Bundesliga gespielt.

Um neben den wenig herausfordernden Punktspielen in der Bezirksliga Praxis auf hohem Niveau zu bekommen, absolvierte das Team regelmäßig Testspiele gegen Berlin- und Regionalligisten. Alles andere als der direkte Durchmarsch in die Berlin-Liga wäre eine große Enttäuschung für den Neuling.
Doch wer könnte sich hinter den Herthanerinnen einsortieren? Allen voran könnte sich Concordia Wittenau in Position bringen. Der amtierende Landesliga-Meister verzichtete aufgrund seines sehr kleinen Kaders auf den Aufstieg. „In der Landesliga reicht das und wir können notfalls auch mal ein Spiel in Unterzahl machen. Aber in der Berlin-Liga würden wir mit unserem Kader an Grenzen stoßen.“ sagt Trainer Rene Behrends und hofft, in dieser Saison zwei drei Neuzugänge zu begrüßen, um den Kader zu verbreitern, um erneut anzugreifen.
SC Charlottenburg – Zwischen Umbruch und Favoritenstatus
Auch Berlin-Liga-Absteiger SC Charlottenburg liebäugelt mit einer schnellen Rückkehr. Allerdings muss der SCC einige Abgänge verkraften. Insbesondere der Abgang von Mittelfeldmotor Alicia Block zu Internationale wiegt schwer, mit Michelle Heyder (Luxemburg) und Ly Bargas (Viktoria Mitte) verliert der SCC zudem gleich zwei Stammspielerinnen in der Abwehr.

Immerhin ist Abwehrchefin Cosima Schmees nach langer Verletzung zurück. Zudem sind mit Laura Schöpfel (Stern 1900 II) und Josi Vollmayr (Niederlande) zwei Ex-Spielerinnen wieder an Bord. Trainerin Julia Heidinger tritt aber auf die Euphorie-Bremse: „Wir wollen uns nachhaltig entwickeln und nicht nach jedem Aufstieg gleich wieder absteigen. Der Aufstieg ist kein offizielles Saisonziel, aber natürlich wollen wir oben mitspielen.“
Zu den weiteren Verdächtigen gehören wie auch schon in der vergangenen Saison der SFC Stern 1900 II und der DFC Kreuzberg. Beide spielen einen attraktiven Ball, könnten aber trotz einer möglichen, guten Platzierung dennoch erneut in der Landesliga verbleiben: die Sterne müssen einmal mehr auf einen Aufstieg ihrer Ersten in die Regionalliga hoffen, der zwar nicht unmöglich erscheint, aber aufgrund der großen Konkurrenz auch nicht zwingend zu erwarten ist. Und der DFC verzichtete in der Vergangenheit regelmäßig auf den Aufstieg und scheute die neue Herausforderung bisher.
Für drei Teams dürfte es ausschließlich gegen den Abstieg gehen
Möglicherweise springt ein weiterer Aufsteiger in die Lücke: Sparta Lichtenberg gibt sich zwar äußerst zurückhaltend, hat aber durchaus einen starken, eingespielten Kader mit überregional erfahrenen Leistungsträgerinnen wie Stefanie Henke oder Paula Schöber. Und wie auch Hertha BSC II konnte auch Sparta letzte Saison nicht bezwungen werden.

Die untere Tabellenhälfte scheint ebenso äußerst ausgeglichen zu sein. Der SV Buchholz sollte ebenso wie BW Hohen Neuendorf II im sicheren Mittelfeld landen. Die Niederheiderinnen wollen nach dem Aufstieg der Ersten in die Regionalliga auch ihre Reserve wieder in höhere Regionen bringen. Neu-Trainer Roman Kassarnig wird seine Expertise hier sicher gewinnbringend nutzen können. Auch Aufsteiger SV Empor bringt einige erfahrene Spielerinnen mit und könnte eine sorgenfreie Saison spielen. Für Viktoria Mitte II, Internationale II und Polar Pinguin dürfte die Devise sein: Hauptsache drinbleiben.
Daniel Kübler
Titelbild: Ralf Seedorff

