Im Kellerduell der Berlin-Liga legt die Seemann-Elf rechtzeitig eine Schippe drauf – und gewinnt beim FFC Berlin 2004 mit 3:1
In der aktuellen Saison müssen die Aufsteiger sehen, wo sie ihre Punkte für den Klassenerhalt herbekommen. Am ehesten scheinen Zähler in den direkten Duellen mit Tabellennachbarn möglich – und der SV Askania Coepenick hat vergangene Woche gegen RW Viktoria Mitte und nun gegen den FFC zugegriffen. „Das sind Pflichtaufgaben und damit auch ein Riesenrucksack. Und der ist für uns an den letzten beiden Spieltagen deutlich leichter geworden“, freute sich Seemann nach dem 3:1 in Marzahn.

Die Entscheidung fiel ausgerechnet, als der FFC endlich besser ins Spiel fand. 1:1 stand es zur Pause und die erste Chance nach dem Wiederanpfiff gehörte schon wieder den Gästen aus Köpenick. Stella Kohlhoff war durchs Zentrum durchgebrochen und hatte abgezogen. Ihr Schuss war aber zu zentral, Lisa Hennersdorf im Kasten des FFC hatte keine Probleme. Dann aber traute sich ihr Team mehr und mehr zu, ließ den Ball zeitweise recht geschmeidig durch die eigenen Reihen laufen und tastete sich an den Führungstreffer heran, auch wenn zwingende Chancen ausblieben.



Im Nachgang konnte Seemann trotzdem zufrieden sein, dass er während des Spiels mit der Leistung der eingewechselten Jennifer Hösselbarth nicht ganz so zufrieden war und sie als Konsequenz auf den Flügel beorderte. Melanie Busch kickte nämlich fortan für Hösselbarth im Zentrum – und wie. Erst zimmerte sie aus der Distanz den Ball zum 1:2 in den Giebel (72.), dann machte sie mit einem Lupfer über Hennersdorf den Sack zu (89.). „Danach war die Messe gelesen“, sagte Seeman.

Alleine aufgrund der ersten Hälfte geht der Sieg für Askania in Ordnung. Nach der frühen Führung durch Fatinha-Josee Ossowski – Karolin Kock hatte sie nach einem Angriff über die rechte Seite an der Strafraumkante mustergültig bedient und sie den Ball flach in die lange Ecke befördert (9.) – waren die Gäste Chef im Ring, hatten weitere gute Möglichkeiten durch erneut die bärenstarke Ossowski, Busch, Nelly Kockejai und Alina Poepel per Kopf.
FFC verliert in der ersten Hälfte gleich zwei Leistungsträgerinnen
Der FFC bezog seinen Rückenwind in der zweiten Hälfte wohl aus dem zwischenzeitlichen, sehr kuriosen Ausgleich in der ersten. Nach einer halben Stunde wuchtete Vanessa Meister den Ball per Halbvolley aus dem rechten Halbfeld einfach mal nach vorne. Askanias Torwächterin Leah Kurz verschätzte sich beim Rauslaufen gehörig, sauste unter dem Aufsetzer hindurch und Leonie Hartmann staubte ab. Die Hochphase der jungen Marzahner Truppe war auch deshalb aller Ehren wert, weil zwei ihrer Leistungsträgerinnen während der ersten Schicht verletzt vom Platz mussten – Luana Panten mit Verdacht auf Nasenbeinbruch und Johanna Hagen wegen muskulärer Probleme. „Beides extreme Verluste, die wir nicht so einfach wegstecken können“, resümierte FFC-Trainer Janine Köhler nach Abpfiff

Ansonsten war sie mit der Leistung ihrer Schützlinge ganz und gar nicht einverstanden: „Das war ein verdienter Sieg für Askania. Meine Spielerinnen haben keine Gegenwehr gezeigt. Ich bin ein bisschen sprachlos, weil keine Vorgaben umgesetzt werden. Ansätze sind zu sehen, aber das reicht eben nicht. So wird das schwer im laufenden Wettbewerb.“ Seemann freute sich indes über den nächsten Dreier. Etwas freigeschwommen, könne man nun entspannt in das nächste, super schwere Spiel gegen Bero gehen. „Da haben wir ja nichts zu verlieren. Und heute haben wir uns quasi ein wenig entkrampft.“
Fotos: Matthias Vogel

