türki13

Buryakin eröffnet, Chmieleski vollendet – Viktoria mit 5:0-Ausrufezeichen

U20 aus Lichterfelde entscheidet das Spiel der Woche auf rasenperlen.de für sich – klar und am Ende überdeutlich

Türkiyemspor Berlin U23 gegen Viktoria 1889 U20 – das versprach ein Spitzenspiel in der Berlin-Liga Frauen. Vom Tabellenstand her gingen die Gastgeberinnen als Favoritinnen ins Rennen, Türkiyemspor rangierte auf Platz drei, Viktoria fünf Plätze dahinter. Doch das Nachwuchsteam aus Lichterfelde zeigte eindrucksvoll, warum es so hoch gehandelt wird.

türki1
Von Anfang an hatten Nuria Alpers (r.) und ihre U23 von Türkiyemspor alle Hände voll mit der Lichterfelder Offensive – hier Gabby Kelly-Niemack – zu tun.

In der 6. Minute verzeichnete zunächst Türkiyemspor die erste Torannäherung: Sarah Wippig zog aus etwa 20 Metern ab, doch Viktoria-Keeperin Lena Orywall war nicht gefordert. Danach übernahm Viki das Kommando. In der 19. Minute setzte Deborah Chmieleski das erste dicke Ausrufezeichen, trickste am Strafraumrand eine Gegenspielerin aus und zog stramm ab – der Ball rauschte knapp über die angerostete Torlatte im früheren Katzbachstadion.

Die Führung fiel in der 24. Minute: Nach Ballgewinn in der gegnerischen Hälfte setzte sich Anastasia Buryakin (Nr. 11) gegen zwei Spielerinnen durch und überraschte die weit vorgerückte Torhüterin von Türkiyemspor mit einem sehenswerten Heber – 0:1. „Was meine Torhüterin so weit draußen macht und warum meine Abwehrspielerin nicht schaltet, weiß ich nicht“, kommentierte Sinem Solmaz, Trainerin der U23 der Kreuzbergerinnen die Szene.

türki11
Deborah Chmieleski (r.) war nicht zu stoppen.

Kurz vor der Pause hatte Viktoria mehrfach die Chance zu erhöhen: Erst vergab Buriyakin nach einer starken Vorarbeit über außen gleich doppelt, dann brannte es in der Nachspielzeit beim wilden Gestocher im Strafraum von Türkiyemspor lichterloh. Mit Glück retteten sich die Gastgeberinnen in die Pause, das knappe Ergebnis schmeichelte ihnen aber angesichts der klaren Überlegenheit der Gäste.

Nach dem Seitenwechsel ließ Viktoria nichts mehr anbrennen. Die Mannschaft von Trainer Darien Hoffman kontrollierte Ball und Gegnerinnen komplett, Türkiyemspor kam überhaupt nicht mehr ins Spiel. Deborah Chmieleski entschied die Partie mit einem lupenreinen Hattrick: In der 51., 59. und 79. Minute traf sie jeweils ins Schwarze. Besonders das 3:0 hob Hoffman hervor: „Einfach super herausgespielt.“ Den Schlusspunkt setzte die eingewechselte Vicdan Yavas in der 85. Minute mit dem Treffer zum 5:0.

türki14
Kreuzberger Bälle in die Tiefe wie hier von Katharina Gordienko fanden kaum statt und wenn, dann keinen Abnehmer.

Solmaz hatte schon vor der Partie ein „schwammiges Gefühl“ – und sollte Recht behalten. „Viktoria war die fittere Mannschaft, hat gerade im zweiten Spielabschnitt deutlich mehr Tempo aufgenommen und die Wege konsequent über außen gesucht. So sind das zweite, dritte und vierte Gegentor gefallen“, analysierte sie. Ihre eigene Elf habe es „nicht gut gemacht“ und „jeder Fehler wurde sofort bestraft“.

Zwar sei Viktoria „keine Übermannschaft“ gewesen, aber Türkiyem habe es zu selten geschafft, selbst Druck zu erzeugen: „Wenn wir sie hoch angelaufen haben, war auch Viktoria nicht fehlerfrei. Aber wir haben das einfach zu selten hinbekommen.“ Solmaz verwies zudem auf fehlendes Personal wie Luisa Neuwald im Aufbau oder Ida Ochmann in der Offensive. Auch im Zentrum habe mit Luise Köstel eine wichtige Spielerin gefehlt. „Schade, aber verdient für Viktoria“, so ihr Fazit. Die wenigen Angriffe ihres Teams seien „mehr willkürlich als geplant“ gewesen.

türki15
Samreen Nishat wird auf die Reise geschickt – Platz für solche Vorstöße wie hier in der ersten Hälfte gab es für Türkiyemspor wenig.

Hoffman zeigte sich nach Abpfiff zweigeteilt: Mit der ersten Halbzeit war er „überhaupt nicht einverstanden“, weil die Vorgaben – vor allem das Zentrum zu überladen und die dadurch entstehende Überzahl im Mittelfeld ordentlich auszuspielen – nicht umgesetzt wurden. In der zweiten Hälfte sah er seine Mannschaft dagegen deutlich verbessert: „Die Tore sind dann eben folgerichtig gefallen.“

Am Ende stand ein hochverdientes 5:0 für Viktoria 1889 U20 – ein klares Ausrufezeichen an die Liga: Die Tuchfühlung zur Tabellenspitze ist hergestellt.


Fotos: Matthias Vogel