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Das erste Ausrufezeichen ist gesetzt

Berolina Mitte gewinnt das Spiel der Woche bei der U20 vom FC Viktoria 1889 verdient 2:1 (2:1)

Sieht man von ein, zwei – tatsächlich nicht unerheblichen – Wacklern in der Defensive und ein paar ausgelassenen Großchancen ab, darf das, was Blau-Weiß Berolina Mitte am Sonntagmorgen auf den Platz an der Lippstädter Straße auf den Platz brachte, durchaus als reife Leistung bezeichnet werden. Allerdings musst die Krug-Elf gegen den himmelblauen Talentschuppen für ihre drei Punkte mächtig hart arbeiten.

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Schwer zu halten: Beros Flügelspielerin Silvia Engels.

Eigentlich deutete nichts auf die Führung der von Darien Hoffmann trainierten Gastgeber-Elf hin. Bero hatte die Partie mit dem Anpfiff gut im Griff, die kalte Dusche kam aus dem Nichts. Angefangen hatte die Szene mit einem leichtfertig und unnötig vertändelten Ball in der Innenverteidigung. Viki ließ die daraus resultierende Chance ungenutzt, Garbriella Kelly-Niemack schubste den Ball nur in Charlotte Schneiders Hände. Gegen den nächsten Anlauf war Beros Torfrau dann machtlos. Viktoria eroberte sich den ball auf der rechten Seite, Kunigunde Steinbock flitzte die Linie rauf und bediente Joana Tibus im Zentrum: 1:0 (11.).

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Kunigunde Steinbock (am Ball) leistete die Vorarbeit zur Führung für Viktoria.

Weil seiner letzten Reihe noch einmal so ein Fauxpas unterlief – wenn auch ohne Folgen -, sagte Frank Krug nach der Partie: „Das darf uns natürlich nicht passieren.“ Er fügte jedoch sofort an, wie sehr ihm die Reaktion seiner Mannschaft auf das Gegentor gefallen habe. Die konnte sich ja auch tatsächlich sehen lassen. Bero erhöhte den Druck, Viktorias Kette um Abwehrchefin Ronja Grubba hatte richtig zu tun, um himmelblau schadlos zu halten. Doch dann schepperte es doch. Arzum Eren setzte nach, dribbelte an der 16er-Kante weg vom Tor an einer Gegenspielerin vorbei und legte ab. Charlotte Wagner kam angerauscht und packte das Spielgerät in den linken oberen Giebel (22.). Der Ausgleich hatte sich abgezeichnet, nur zwei Minuten vorher hatte Silvia Engels nach glänzender Vorarbeit von Finja Bruns die Torhüterin der U20 zu einer Glanztat gezwungen.

Carla Ruf: „Den habe ich satt getroffen“

In der 35. Minute dann die entscheidende Szene des Spiels – und gleichzeitig auch die schönste. Emma Lamprecht drehte einen Freistoß aus dem Halbfeld und amtlicher Distanz scharf auf den zweiten Pfosten. Dorthin, wo ihn keine Abwehr haben möchte: Zu lang für die Kopfballspielerinnen, zur kurz für die Torhüterin. Genau in dieses Niemandsland preschte Carla Ruf und nagelte die Kugel unter die Latte. „Den habe ich satt getroffen“, freute sich die 20-Jährige nach dem Spiel.

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Beherzte Zweikämpfe – hier Beros Zehra Badem (l.) und Vikis Gabriella Kelly-Niemack – prägten die Partie. Fair blieb es trotzdem.

Nach dem Seitenwechsel verflachte die Partie, blieb aber umkämpft. Viktoria suchte den Ausgleich, während Berolina auf Konter setzte. In der 59. Minute hatte erneut Wagner eine große Chance, scheiterte jedoch an der starken Viktoria-Keeperin. Später verfehlte auch Arzum Eren mit einem Kopfball nach Flanke von Silvia Engels das Ziel nur knapp (73.). Kurz vor Schluss hätte Carla Ruf alles klar machen können, doch sie scheiterte mit ihrem Solo an der erneut stark reagierenden Torhüterin. So blieb es spannend bis in die Nachspielzeit, als Viktoria noch einmal mit Standards gefährlich wurde. Am Ende jedoch rettete Berolina das 2:1 über die Zeit – ein verdienter Erfolg, der bei konsequenterer Chancenverwertung sogar deutlicher hätte ausfallen können.

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Ronja Grubba räumt auf! Vikis Abwehrchefin (r.) war gegen Bero voll gefordert.

Krug war bis auf eben diese mit der Vorstellung seines Teams hoch zufrieden und auch erleichtert, das erste von vier Schwergewichten in Folge erfolgreich bespielt zu haben. „Das war der erwartet starke Gegner, wir sind glücklich“, sagte er. Darien Hoffmann war nur mit der zweiten Halbzeit zufrieden, in der seine Mannschaft deutlich besser verteidigt habe. Und er wies auf eine positive Entwicklung seines Teams hin. „Die letzte Begegnung mit Bero ging 0:6 verloren, heute 1:2. Wir kommen voran, aber es braucht einfach noch ein bisschen Zeit.“ Beide Trainer waren sich in einer Sache einig: Die Partie hätte am Ende auch mit dem „Lucky Punch“ für Viki enden können – für diese Launen ist der Fußball ja bekannt. Hat sie aber nicht. Die drei Punkte wanderten nach Mitte. Trotzdem wird Krug mit seiner Mannschaft im Training sicher bei Torabschluss-Übungen zu sehen sein.


Fotos: Matthias Vogel