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DFB-Pokal: Borussia Pankow hat gegen Hannover 96 nichts zu bestellen

Ruß-Team kommt im Ludwig-Jahn-Sportpark mit 0:6 (0:3) unter die Räder

Die Fußballerinnen von Borussia Pankow mussten im Pokal-Play-off im Berliner Ludwig-Jahn-Sportpark die Überlegenheit des Regionalligisten Hannover 96 anerkennen. Ab der 15. Spielminute wurde der Klassenunterschied überdeutlich, die Gäste aus Niedersachsen bestimmten bis zum Schluss das Spiel. Die Ruß-Truppe blieb vor toller Kulisse ohne eine Torchance.  

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Angelina Säwe und Charlotte Lemke versuchen, Hannovers Nele Obara zu stoppen.

Nach einer Viertelstunde hatte sich Pankows Idee, kompakt zu stehen und auf Umschaltmomente zu setzen, quasi schon erledigt. Julia Dose dampfte auf der rechten Seite ab, legte den Ball nach innen und Nele Obara vollendete zum 0:1. Schon da monierte Pankows Trainerin Josi Ruß das fehlende Zweikampfverhalten ihres Teams: „Wir sind zu weit weg, gehen nicht zum Ball“, rief sie über den Platz.  

In der 28. Minute nahm das Übel für die Gastgeberinnen dann weiter seinen Lauf. Mia Seliger stellte sehenswert mit einem Heber aus halbrechter Position und der Distanz auf 0:2. Routinier Lucy Ruß trommelte zwischen Einschlag und Anstoß ihre Team-Mates zusammen und sprach auf sie ein – sich straffen und Köpfe oben lassen war ja auch dringend nötig. Geholfen hat es nichts. Noch vor der Pause wurde Dose durch das Zentrum freigespielt. Mit dem ersten Kontakt war sie an der letzten Gegenspielerin vorbei und schob zum 0:3 ein. Der Pankower Ticker kommentierte bitter: „Das geht leider zu einfach.“

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Sarah Schrader – Kernkompetenz Nadelstiche – war weitgehend in der Defensive gebunden.

Auch nach der Pause blieb Hannover klar tonangebend. Gleich in der 48. Minute markierte Lina-Sophie Seifert auf 0:4 – sie war auf der rechten Seite durch. Josi Ruß stellte um, nahm die eigens aus Bayern „eingeflogene“ Lorena Erlacher vom Platz und stellte Neukapitänin Anna Zick auf die Sechs. „Ich wollte das Zentrum zubekommen und danach sah es auch etwas besser aus“, stellte die Trainerin nach dem Spiel fest.

Hannovers Julia Dose war einfach nicht in den Griff zu bekommen

Tatsächlich hatte Pankow ein klein wenig mehr vom Spiel, profitierte dabei auch von einigen Wechseln der Gäste, nach denen deren Schwung vorübergehend abebbte. Doch der Niedersachsen-Express rollte wieder an. Und wie. Erst zimmerte die herausragende Julia Dose den Ball aus dem Rückraum links unten in die Maschen (76.), dann machte sie – halb rechts in die Box geschickt – mit einem Schuss in die gleiche Ecke ihren Dreierpack und den 0:6-Endstand perfekt (81.).

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Diesen Pass von Julia Dose fängt die Pankower Abwehrreihe ab. Am Hattrick der 96er-Angreiferin kann sie nichts ändern.

Aus der Pankower Vereinsbrille hätten es ein, zwei Treffer weniger sein müssen. „Die müssen nicht sein“, ärgerte sich Innenverteidigerin Franzi Klausch. Durch das 96er-Nasenfahrrad hörte sich das anders an: „Wir müssen ja eigentlich 12:0 gewinnen“, sagte Hannovers Coach Kevin Martin. Wie so oft dürfte die Wahrheit in der Mitte liegen. Klausch hatte recht, aber Hannover ließ tatsächlich noch ein paar Hochkaräter liegen.

Das 0:6 spiegelt das Spielgeschehen also ganz gut wider. Pankow kämpfte, doch gegen die Wucht und Effizienz des Favoriten gab es nichts zu holen. Und so musste sich der Berlin-Ligist mit der großartigen Stimmung von den Rängen begnügen, erzeugt von etwa 400 Zuschauern, die die Partie gerade für die jungen Borussinnen zu einem ganz besonderen Erlebnis machte.   

„Wir waren sehr erleichtert, als das 0:1 fiel“, sagte Martin. „Von da ab lief es und ich habe den Mädels gesagt, dass sie auf die Art und Weise dieses Sieges stolz sein können. Gerade weil unsere Männer aus dem DFB-Pokal geflogen sind, war er enorm wichtig für uns.“

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Josi Ruß war am Ende schon ein bisschen bedient: „Ich bin enttäuscht. Wir haben uns zwei Spiele von Hannover angesehen und hatten uns wirklich etwas ausgerechnet. Heute sind sie komplett anders aufgetreten und bei uns hat wirklich so gut wie nichts zusammengepasst.“   


Fotos: Matthias Vogel