748

Raute mit offenen Flanken

Spiel der Woche: Babelsberg bietet Tabellenführer Magdeburg zunächst mutig Paroli. Doch der Favorit findet beim 8:2-Erfolg (5:2) in Potsdam immer wieder denselben Weg zum Tor – und ist gnadenlos effizient.

Es waren gerade einmal drei Minuten, die dem Spiel eine neue Richtung gaben. Nach dem frühen Magdeburger Führungstreffer durch Greta Müller (5.) hatte Sophie Chapman den FSV Babelsberg 74 per Kopfball nach einer Ecke zurückgebracht (12.). Der Aufsteiger spielte mutig, suchte die Zweikämpfe und beschäftigte den Tabellenführer. Doch dann traf Kira Bölke zweimal innerhalb von drei Minuten (20./23.). Aus dem 1:1 war plötzlich ein 1:3 geworden.

7495
Magdeburg mit Emily Bunnell obenauf – Denise Simon und der Rest des FSV Babelsberg müssen es ertragen.

Babelsberg antwortete noch einmal. Aline Helm wuchtete den Ball nach einer sehenswerten Kombination aus rund 16 Metern halblinker Position zum 2:3 halbhoch in die Magdeburger Maschen (28.). Doch erneut schlugen die Gäste binnen weniger Minuten doppelt zu. Bölke machte ihren Hattrick perfekt (36.), Müller erhöhte nach Vorarbeit von Neele Abraham auf 5:2 (40.). Zur Pause war die Partie praktisch entschieden.

Die Räume lagen außen

Warum der Tabellenführer trotz erheblicher Gegenwehr so häufig gefährlich wurde, erklärte Trainer Nico Koch anschließend. Seine Mannschaft habe zunächst Schwierigkeiten gehabt, gegen die Babelsberger Raute zu pressen. Gleichzeitig hatte man aber eine Schwachstelle erkannt.

744
Kaum zu halten: Kira Bölke erzielt das 1:2.

„Die können sie nicht zustellen, weil sie das Zentrum überladen“, erklärte Koch mit Blick auf die Außenbahnen. Deshalb habe man die eigenen Flügelspielerinnen gezielt in Eins-gegen-eins-Situationen bringen wollen. Der Plan ging auf. Besonders Bölke, von Koch als „Urgewalt“ bezeichnet, nutzte die Räume konsequent – erst für die Flanke zum 1:0, dann ihr Treffer zum 2:1, als sie wieder auf der linken Seite freigespielt wurde, nach innen zog und erfolgreich abschloss. Dabei sah FSV-Keeperin Nina Haeberlin etwas unglücklich aus, weil der Ball unter ihrem Körper durch einschlug. Andererseits war Bölkes Schuss nicht von schlechten Eltern und setzte zudem tückisch auf.

7494
Sophie Chapman (am Ball) und Aline Helm markierten die beiden Treffer für Babelsberg.

Nach der Pause überließ Magdeburg den Gastgeberinnen bewusst mehr Ballbesitz, stand tiefer und setzte auf schnelle Gegenangriffe. Nele Abraham traf doppelt (49./61.), die eingewechselte Lena Magas stellte den Endstand her (80.).

Zwischen Anerkennung und Enttäuschung

Babelsbergs Trainer Marvin Bellin zeigte sich trotz der deutlichen Niederlage mit der ersten Halbzeit seiner Mannschaft sehr zufrieden. Entscheidend sei die Chancenverwertung des Gegners gewesen: „Das war ja wirklich fast jeder Schuss ein Treffer. Das machen sie schon gut.“ Allerdings sprach Bellin auch von zwei oder drei Gegentoren, die seine Mannschaft durch eigene Ungenauigkeiten begünstigt habe.

7496
In den Zweikämpfen hatte Babelsberg mit zunehmender Spieldauer einen schweren Stand. Hier behauptet Jenny Löwe den Ball gegen Magdeburgs Kapitänin Amy Cienskowski.

Seine Kapitänin Denise Simon sah es ähnlich. In der ersten Halbzeit habe Babelsberg ein gutes Spiel gemacht, nach der Pause den Gästen bei den drei weiteren Treffern allerdings kräftig geholfen. Zudem sei der Druck, den Magdeburg entwickle, für einen Aufsteiger ungewohnt. Zwar müsse man nicht unbedingt gegen Magdeburg punkten, „wir wollen aber jeden Gegner ärgern und haben uns mehr erhofft“, so Simon.

749
Katharina Bödeker im Duell mit Magdeburgs Neele Abraham.

Selbst Koch bezeichnete das Ergebnis trotz der Chancenfülle seiner Schützlinge als etwas zu hoch und zollte Babelsberg ausdrücklich Respekt. Mit Recht, der Aufsteiger hatte auch in der zweiten Hälfte durchaus seine Momente. Aline Helm etwa traf kurz nach der Pause mit einem fulminanten Schuss nur das Aluminium (51.).

7491
Saisontreffer Nummer 10 für Neele Abraham (l.): Amy Cienskowski jubelt mit der Top-Torschützin der Liga.

Für Bellin überwiegt trotz acht Gegentoren die Zuversicht. Gerade die erste Halbzeit stimme ihn optimistisch für die kommenden Aufgaben gegen Hohen Neuendorf und Türkiyemspor.


Fotos: Matthias Vogel
Titelbild: Breitscheidgirl Samantha Spurtaz (r.) wehrt sich gegen Magdeburgs flinke Außenstürmerin Carlia Johnson.