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Die Ruhe vor dem Sturm

Rasenperle der Woche: Wenn es vor Vivien Stibal turbulent wird, bleibt die 19-Jährige erstaunlich gelassen. Beim 3:0 gegen Türkiyemspor zeigte Unions Innenverteidigerin, warum genau das eine ihrer großen Stärken ist.

Türkiyemspor versuchte anfangs noch, mit einigen Nadelstichen die Union-Defensive zu beschäftigen. Doch spätestens im Zentrum war Schluss – häufig bei Vivien Stibal.

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Foto: Matthias Vogel

Die Innenverteidigerin spielte ruhig, sicher und abgeklärt. Sie löste Situationen sauber, verlagerte schnell und eröffnete immer wieder klug. Eine Szene in der zweiten Halbzeit passte besonders gut dazu: Stibal schlug einen langen Diagonalball über fast das halbe Feld genau in den Lauf von Michaela Ahlberger. Die Angreiferin vergab die Chance, die Vorarbeit aber war stark.

Union hatte sie schon lange im Blick, doch erst mit 16 wechselte sie

„Meine Ruhe am Ball und mein Überblick“, nennt Stibal selbst als ihre Stärken. Dazu die Spieleröffnung und lange Diagonalbälle. Auch in der Luft sieht sie ihre Qualitäten. Zu Recht: Obwohl sie nicht die Größte ist, gewann sie gegen Türkiyemspor auffällig viele Kopfballduelle.

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Trainerin Anja Matthes hebt ebenfalls ihr gutes Kopfballspiel sowie ihre Schlag- und Schusstechnik hervor. Dazu komme eine Robustheit, die viel mit Stibals fußballerischer Vergangenheit zu tun hat.

Denn bevor sie zu Union wechselte, spielte sie jahrelang mit Jungs bei der SG Rot-Weiß Neuenhagen, dem heutigen FC Neuenhagen 1913. Angefangen hatte alles mit einem guten Kumpel, der zum Training ging. Stibal wollte irgendwann mit. Mit ihrem Opa hatte sie ohnehin viel gekickt – und dann ließ sie der Fußball nicht mehr los.

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Union hatte sie schon länger im Blick. Wechseln wollte Stibal zunächst trotzdem nicht. Sie fühlte sich in Neuenhagen pudelwohl, die Jungs hatten sie gut aufgenommen. „Das war einfach sehr cool dort“, sagt Stibal. Einen wirklichen Grund zu gehen, sah sie deshalb damals nicht.

Erst eine Verletzung brachte sie ins Grübeln. Die Jungs würden größer und kräftiger werden, irgendwann würde die Zeit mit ihnen vorbei sein. Also nahm sie die Einladung von Union doch an. Aus einem Probetraining wurden zwei, im Winter 2023 folgte der Wechsel.

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Und noch etwas änderte sich: Erst bei Union wurde Stibal zur Innenverteidigerin. Zuvor hatte sie praktisch überall gespielt. Heute ist die Position ihre sportliche Heimat.

Wie weit es gehen könnte, durfte sie bereits ausprobieren. In der vorvergangenen Saison trainierte Stibal gemeinsam mit weiteren U23-Spielerinnen bei der ersten Mannschaft mit. Im Testspiel gegen den Stadtrivalen FC Viktoria Berlin bekam sie unter der damaligen Trainerin Ailien Poese 45 Minuten Einsatzzeit. Anja Matthes war anschließend stolz darauf, wie ihre Spielerinnen diese Chance genutzt hatten.

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Seitdem kam von oben nichts mehr. Stibal kann das einordnen. Union will sich in der Bundesliga etablieren und holt dafür auch etablierte Spielerinnen von außerhalb. Geduld gehört für sie deshalb dazu.

Ganz ausblenden kann sie die Zeit trotzdem nicht. Mit 19 sei sie schließlich „auch nicht mehr ganz die Jüngste“, sagt sie. Eine Frist setzt sie sich dennoch nicht. Irgendwann müsse der Schritt kommen. Aber: „Wenn es passiert, dann passiert es.“

Wie schnell es gehen kann, sieht sie bei anderen. Der Wechsel der jungen Lisa Baum von RB Leipzig zum Arsenal Women FC beeindruckt sie. Ein konkretes Vorbild hat Stibal heute nicht. Als Kind sah das noch anders aus: Da war sie großer Fan von Lukas Podolski. Und bei den Lieblingsklubs? Union natürlich – aber auch der FC Bayern darf es sein.

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Stibals eigenes Ziel ist ambitioniert: so hoch wie möglich spielen, am liebsten irgendwann in der Bundesliga. Mit Unions U23 möchte sie den Sprung in die neue 3. Liga schaffen. „Das haben wir uns als Team vorgenommen.“ Vier Startplätze werden dafür über die Regionalliga Nordost vergeben.

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Das 3:0 gegen Türkiyemspor war nach der Auftaktniederlage gegen Erfurt (2:3) und dem 0:6-Debakel gegen Magdeburg ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Und bange um das gemeinschaftliche Ziel ist Stibal ohnehin nicht. Vielmehr hält sie die neu zusammengestellte Mannschaft sogar für möglicherweise talentierter als das Team der vergangenen Saison. Nur müsse sie eben noch zusammenwachsen. Noch hätten nicht alle verinnerlicht, dass es ums „Wir“ und nicht ums „Ich“ gehe.

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Foto: Sebastian Dühring

Stibal will dabei vorangehen und Vorbild sein. Das passt zu einer Spielerin, die auf dem Platz ohnehin wenig Aufhebens um sich macht. Und ziemlich viel Ruhe vor dem Sturm bewahrt.


Titelbild: Matthias Vogel