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Ein Tor wie gemalt

Carla Ruf ist Rasenperle der Woche. Ihr sensationeller Treffer gegen Vikis U20 ist nur ein Grund dafür

Man hätte es auf dem Reißbrett nicht besser planen können: In der 35. Minute zirkelte Emma Lamprecht einen Freistoß aus dem halbrechten Halbfeld scharf auf den zweiten Pfosten. An sich schon ein kleines Kunstwerk. Aber von dem Standard spräche wohl nie wieder ein Mensch, hätte ihn Carla Ruf nicht veredelt. Und wie sie das tat: Sie lief ein, traf den Ball voll und zimmerte ihn unter das Dach des Viki-Gehäuses. Ihr Auftauchen in der Box überraschte Beobachter und wohl auch die Lichterfelder Defensive amtlich, als linke Außenverteidigerin hätte man sie bei einem Freistoß eher in der Restverteidigung erwartet, zumal sie nicht gerade hünenhaft um die Ecke kommt.

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Carla Ruf gelingt in der Schlussphase eine „Interception“, ein zweiter Treffer resultiert daraus aber nicht.

Dass sie zu diesem Zeitpunkt mit ihrem Tor schon den Siegtreffer erzielt hatte, konnte freilich niemand wissen. Aber das breite Lächeln auf dem Gesicht der Allrounderin, die bis vor drei Jahren bei den Jungs der Berliner Amateure kickte und sich vor drei Jahren – also beim Übergang in den Frauenbereich – Berolina anschloss, wurde dadurch natürlich noch etwas breiter. Warum sie sich damals ausgerechnet für das Team in Mitte entschieden hat? „Von denen haben wir in der Jugend immer geredet, ich wollte da schon immer hin“, sagt Ruf.

Allrounderin Carla Ruf eröffnet taktische Flexibilität

Was denn nun ihre Position sei? „Hmm, eigentlich habe ich schon überall gespielt“, sagt sie. Ein Plus, das Bero-Coach Frank Krug in der zweiten Hälfte die Möglichkeit zu einem gleichermaßen taktisch wie personell bedingten Wechsel gab. Er nahm seine zentrale Angreiferin Finja Bruns wegen Trainingsrückstands vom Platz und zog Carla Ruf auf die „9“. „Viki hat die Flügel recht gut zu bekommen, mit Carla hatten wir ab da auch mehr Tempo im Zentrum.“

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Fortan wirbelte Ruf da vorne nun herum und fast hätte das weitere Früchte getragen. In der Schlussphase spritzte sie zwischen einen Querpass der letzten Viktoria-Reihe und machte sich auf den Weg zum 3:1 für Bero. Dann legte sie sich aber den Ball eine Spur zu weit vor und das war für die starke Torhüterin Lena Orywall ein gefundenes Fressen. Nach dem Spiel ärgerte sich Ruf, auch wenn sich der ausgelassene Riese nicht mehr rächte. Krug indes verriet noch, was seine Außenverteidigerin, äh Stürmerin so stark macht. „Sie hat früher missglückten Aktionen einen Moment lang nachgetrauert. Jetzt bleibt sie drinnen, ist sofort im Gegenpressing. Und das ist für den Gegner sehr unangenehm.“


Fotos: Matthias Vogel