Der Rahmen ist gesteckt. Branchenführer Stern will beim zweiten Auftritt binnen sechs Tagen auf dem weitläufigen Teppich an der Blücherstraße seinen Status verteidigen und ist im Vergleich zum Pokalspiel am vergangenen Dienstag gegen die Regionalliga-Vertretung (2:3, n. E.) am Sonntag der Favorit. Türkiyems Nachwuchs-Squad will an den vorderen Plätzen der Berlin-Liga dranbleiben – Fortschritt statt Stillstand ist das Credo. Sowohl der Steglitzer Coach Roman Rießler als auch die Trainerin der Gastgeberinnen, Sinem Solzmaz, geben das gleiche Ziel vor: Das eigene Spiel durchsetzen. Aber wie sieht die jeweilige Gangart aus?

Vereinfacht gesagt: Beide Coaches erwarten den gleichen Spielverlauf. Stern mit mehr Ballbesitz und größerem Offensivdrang, Türkiyemspor kompakt in der Defensive und auf Konter lauernd. Und ihr jeweiliges Ding wollen beide Seiten eben möglichst gut umgesetzt sehen. Lässt also Stern Türkiyemspor nicht zum Atmen kommen und münzt den Druck schnell in Zählbares um oder packen die Kreuzbergerinnen in den entscheidenden Räumen zu und greifen dann mutig und effektiv an? Eine Frage der Dominanz.
Solmaz sagte schließlich: „Stern spielt sehr energisch nach vorne. Defensiv müssen wir durchgehend wachsam bleiben und konsequent verteidigen. Unser Umschaltspiel wird wichtig sein. In jedem Zweikampf brauchen wir Entschlossenheit und müssen gemeinsam nach vorne arbeiten. Stern wird voraussichtlich mehr Ballbesitz haben, deshalb müssen wir kompakt stehen und unsere Chancen vorne nutzen, wenn sie sich ergeben.“ Und Roman Rießler lieferte diese Steilvorlage für die Prognose: „Wir haben im Pokal mehr reagieren, mehr lange Bälle schlagen müssen. Jetzt müssen wir uns umstellen, wir wollen wieder spielen, Spielkontrolle haben.“

Rießler hat Respekt vor der Aufgabe: „Ich glaube, der Leistungsunterschied zwischen den beiden Türkiyemspor-Teams ist gar nicht einmal so groß. Dazu müssen wir geschickt rotieren, einige Spielerinnen fehlen, andere sind angeschlagen.“ Am großen Plan ändere das nichts. „Wir wollen mit nem Dreier im Gepäck nach Hause fahren.“
Auch bei Türkiyemspor hat sich das Lazarett in jüngster Zeit gefüllt, wie Solmaz berichtet: „Unser Kader ist durch die vielen Verletzungen kleiner geworden. Neben den bekannten Ausfällen kommen weitere kleinere Blessuren hinzu.“ Aber auch sie sucht nicht schon vorher nach Ausreden: „Trotzdem vertraue ich dem Team vollständig. Wir treten geschlossen auf, wollen an die Leistung aus dem Pokal anknüpfen die U23 scheiterte am Mittwoch knapp mit 0:2 gegen den Regionalligisten Union II – und geben alles, was möglich ist.“
Alles ist also angerichtet für ein spannendes Spiel. Kick-off ist um 12 Uhr. Also Fans vom Berliner Frauenfußball! Friesennerz über den dicken Pulli, lange Unterhose an – sieht ja keiner – und ab am Sonntag zur Blücherstraße.
Fotos: Matthias Vogel

