Maiken Ueberschär markierte die vier ersten Tore für Bero im Spiel gegen den Moabiter FSV – in nur 20 Minuten. Da kann man schon mal Rasenperle der Woche werden
Beros Nummer 4 Maiken Ueberschär hat am Wochenende gezeigt, wie wenig Zeit es braucht, um ein Spiel zu prägen. Vier Tore binnen 20 Minuten ebneten Berolina Mitte den Weg zu einem klaren 9:0 gegen den Moabiter FSV und damit zur Tabellenführung in der Berlin-Liga. Es war ein kollektiver Erfolg – doch der Anteil der Flügelstürmerin daran war unübersehbar. Ihre Leistung und der Sprung in die Top Ten der Torjägerinnenliste machen sie zur Rasenperle der Woche.


Ueberschär spielt seit der Saison 2024/2025 für Bero. Zuvor lief sie für Borussia Pankow auf – vom neunjährigen Talent bis zur Spielerin im Frauenbereich. Ihre Entwicklung ist eng verknüpft mit Trainer Frank Krug, der sie einst in Pankows Jugend förderte und später die zweite Frauenmannschaft betreute. Krug wechselte 2022/2023 zu Berolina, Ueberschär folgte zwei Jahre später – getragen von dem Wunsch nach einer neuen Herausforderung in einem jüngeren Team.
Der Start in diese Saison war holprig. Ihr duales Polizeistudium ließ nicht immer regelmäßiges Training zu. Für eine Spielerin, die über Rhythmus, Intensität und Wiederholungen kommt, war das ein Problem. „Sie braucht das Training“, sagt Trainer Krug über seinen Schützling. Nun freue sich beide, dass sich Ueberschärs Stundenplan an der Uni entspannt hat. Die Balance passt wieder – und mit ihr zunehmend die Form. „Mir hat auch der Ausgleich gefehlt“, sagt die 21-Jährige. Triebfeder für ihre Leistungssteigerung sei übrigens auch das Team gewesen: „Es gab im Training viel positives Feedback, das hat mich sehr motiviert.“

Vier Tore von derselben Spielerin nacheinander in einer Halbzeit heißt hierzulande Quattrick oder Viererpack. In Italien Poker und im Englischen Haul. Wie auch immer, leicht ist das nicht. Wenn Maiken Ueberschär von ihrem Coup berichtet, klingt es aber so: Das erste: ein scharf gespielter Ball über rechts von Silvia Engels, ein beherztes Reinrutschen. Das zweite: über links durchgebrochen, ins lange Eck vollendet. Nummer drei: ein Abpraller nach einer Ecke, trocken verwandelt. Der vierte: ein Pass aus der Innenverteidigung, ein Sprint in die Tiefe, ein Tunnel gegen die Torhüterin. Fertig. „In diesem Spiel hat wirklich fast alles funktioniert“, sagt die Schützin.
„Maiken redet nicht lange, sie macht einfach.“
Die Zahlen sprechen ohnehin für sich: 20 Tore in ihrer letzten Pankow-Saison, 16 im ersten Jahr bei Bero, aktuell acht Treffer. Ueberschär ist schnell, zielgerichtet und zunehmend variabel. Ihr rechter Fuß gewinnt an Qualität. Was Krug noch an ihr schätzt: „Maiken ist sehr mannschaftsdienlich und redet nicht lange, sie macht einfach. Durchwachsene Startphasen kennt sie übrigens: „Frank und ich scherzen ab und an über einen Vorrundenfluch, unter dem ich leide.“



Für den Frauenfußball in Berlin wünscht sie sich mehr Sichtbarkeit, mehr und gute Nachwuchsarbeit sowie vielleicht eine höhere Leistungsdichte in der Berlin-Liga. Damit der Aufsteiger besser für die Regionalliga gerüstet ist.
Dort möchte sie nämlich hin mit Bero, allerdings nur, wenn das im Sinne der Mannschaft ist. Und dann sollen mehr Punkte geholt werden als vor zwei Jahren, vor ihrer Zeit, als das Team gleich wieder runter musste. Ueberschär liefert derzeit den Stoff, aus dem solche Ambitionen entstehen. Vieles deutet darauf hin, dass sie noch lange nicht am Ende dieser Entwicklung ist.

