Borussia Pankow empfängt am Sonntag Hannover 96 im DFB-Pokal
Die Fußballerinnen von Borussia Pankow stehen vor einem ihrer bislang größten Spiele in der Vereinsgeschichte. Am Sonntag, 17. August, reist Hannover 96 an, es geht um den Einzug in die nächste Runde des DFB-Pokals. Der Ball rollt ab 15 Uhr im Ludwig-Jahn-Sportpark.

Geht es nach Borussen-Trainerin Josi Ruß, hätte dem Berlin-Ligisten ruhig ein noch größerer Name zugelost werden können. „Ein kleinerer oder ganz großer Gegner wäre eher mein Wunsch gewesen“, sagt sie. Dennoch: „Hannover 96 ist für uns als Borussia Pankow trotzdem ein schöner Name.“
Ruß rechnet sich durchaus Chancen gegen den Regionalligisten aus. „Wir haben uns Video-Material angesehen und wissen, wo ihre Stärken liegen. Ich glaube aber auch, sie haben zu kämpfen“, sagt die Trainerin, die nicht zuletzt wegen den Play-offs im DFB-Pokal ihren Vertrag noch einmal verlängert hat. Knacken will man das Team aus Niedersachsen mit schnellem Umschaltspiel. „Und dann brauchen wir noch einen guten Tag vor dem Tor“, so Ruß. Sie wolle nicht überheblich klingen, aber sie glaube nicht, dass ihr Team schlechter besetzt sei, „im Gegenteil“.
Viel Bauchgefühl schwingt bei der Trainerin mit, die seit 2018 hauptverantwortlich an der Seitenlinie der Borussia die Kommandos gibt. „Wir sind Außenseiter und es kann natürlich auch sein, dass wir ordentlich auf den Deckel kriegen, aber ich kann es mir ehrlich gesagt nicht vorstellen.“ Auch Co-Trainer Marcel Seidel, der sich im Vorfeld der Partie besonders mit der Analyse des Gegners beschäftigte, ist guter Dinge: „Das könnte was werden.“

Hannover 96 nimmt die Partie sehr ernst. Das hat auch mit dem Standing der Frauen im Verein zu tun. Sie sind immer noch dem Breitensport zugeordnet und schielen wehmütig auf die professionellen Bedingungen der Zweitliga-Männer. Der Reisebus, der am Sonntag an der Berliner Cantianstraße parken wird, mache natürlich etwas her, sagt 96er-Coach Kevin Martin. „Aber jede Fahrt müssen wir selbst bezahlen.“ Noch ein besserer Beleg dafür, dass noch reichlich Luft nach oben ist: „Die Rasenplätze bei uns sind ab 15 Uhr frei. Wir dürfen dennoch nicht darauf trainieren“, so Martin.
Der Gegner informierte sich bei Hohen Neuendorf über Pankows System
Jeder lukrative Sieg ist daher für die Niedersächsinnen wichtig, liefert dem Profiverein Argumente, die Frauen besser heute als morgen in die AG einzugliedern. „Im Vergleich zu anderen Traditionsvereinen ist es bei uns einfach noch nicht so, wie es sich gehört“, sagt Martin. Auch aus monetärer Sicht schade ein Weiterkommen nicht, sagt der 47-Jährige – für die nächste Runde mache der DFB 8000 Euro Antrittsgeld locker. „Kein Vergleich zu den Männern natürlich, aber immerhin“, sagt Martin.
Sich über Pankow zu informieren. Sei nicht leicht gewesen. „Keine brauchbaren Videos im Netz, keine Testspiele mit Aufstellungen“, berichtet Martin. Daher habe er sich Erkundungen bei Hohen Neuendorf eingeholt. „Aber ob die Borussia nun in dem System der vergangenen Saison gegen uns spielt, weiß ja niemand.“



Er rechnet mit dem von Ruß geplanten Umschaltspiel, aber auch damit, dass die Borussia anfänglich viel probieren wird und dann die Kräfte schwinden werden. Und das scheint auch nicht abwegig. Tatsächlich hat Pankow kaum Testspiele bestritten, Hannover bereits fünf, unter anderem gegen stramme Gegner.
Wie für Ruß ist die Partie auch für Pankows Urgestein Franziska Klausch sehr besonders. „Ich habe schon früher im DFB-Pokal gespielt, aber das ist eine halbe Ewigkeit her“, sagt die Abwehrspielerin. „Rasen, tolle Kulisse, toller Gegner, ich freue mich unheimlich auf die Partie und darüber, das noch einmal erleben zu dürfen.“
Beide Teams hatten kaum Gelegenheit, sich auf Rasen einzuspielen
Es wird spannend. Die Borussia hielt im Finale des Berliner Landespokals gegen den jetzigen Zweitligisten FC Viktoria 1889 Berlin die erste Halbzeit bestens mit, das 1:1 zur Pause ist auch Kevin Martin nicht verborgen geblieben („Das muss man erstmal schaffen“). Der Sieg von Hannover im Niedersachsen-Pokal war das erste Spiel mit Kevin Martin, der erst seit Mai 96er-Trainer ist und zuvor mit einem kleinen Verein bereits den Pokal holte. „Ich mag den Wettbewerb“, sagt er.
Beide Mannschaften haben nur zweimal vorher auf Rasen trainiert. Pankow durfte direkt im kleinen Stadion des Ludwig-Jahn-Sportparks üben, Hannover 96 auf dem Gelände eines anderen Stadtvereins. Die höhere Spielklasse spricht für 96, die Fan-Base für Pankow. „Bei uns kommen nur ein paar Angehörige, Vorstandsmitglieder des e.V. und eine Sponsorin mit“, so Martin. Pankow hat ordentlich die Werbetrommel gerührt. Die Borussia-Anhänger dürften also schwer in der Überzahl sein – für dieses besondere Spiel.
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