5. Spieltag, Berlin-Liga der Frauen: Kapheim-Elf ermauert sich auf glitschigem Kleinformat ein 1:1 +++ Überraschung auch in Lichtenberg +++ Stern (Titelbild) teilt wieder reichlich aus
BSV Grün-Weiß Neukölln – Berolina Mitte 1:1 (1:0): Traumtor und Abwehrschlacht
Das 1:1 zwischen dem BSV Grün-Weiß Neukölln und Berolina Mitte war kein normales Unentschieden, sondern ein Paradebeispiel dafür, wie schräg Fußball laufen kann. Romina Schmalbein wuchtete in der 38. Minute einen Freistoß aus 23 Metern direkt in den Winkel – ein Treffer wie aus dem Bilderbuch. Es war die einzige ernstzunehmende offensive Aktion der Neuköllnerinnen, fortan rührten sie nur noch Beton an.
Trainer Helge Kapheim ließ sein Team nach der Führung konsequent hinter der Mittellinie agieren und als sein häufigstes Kommando schallte „tiefer!“ über das Gelände. Das Geschehen spielte sich fortan in einem schmalen Korridor – 20 Meter tief -ab, gepaart mit dem engen Geläuf Gift für das flügellastige Angriffsspiel von Bero.

Das Team aus Mitte rannte an, probierte alles, scheiterte aber immer wieder an der vielbeinigen Abwehr und dem glitschigen Untergrund an der Haarlemer Straße. Lange Bälle rutschten durch, das Kurzpassspiel wurde ständig durch irgendeine Neuköllner Zehe unterbrochen und jeder Abschluss landete im Gewühl. Dazu kam Torhüterin Lisa Schrama, die mit sicherem Stellungsspiel und einer Glanztat gegen einen abgefälschten Fernschuss von Kim Nenninger Mitte der zweiten Halbzeit auffiel.
Die Sensation lag in der Luft, Abwehrchefin Schmalbein hielt den Grün-Weißen Laden gut zusammen. Doch kurz vor dem Schlusspfiff segelte eine Flanke in den Strafraum. Am zweiten Pfosten stand Zehra Badem goldrichtig und köpfte zum 1:1 ein – eine Szene, die nicht zwingend geplant wirkte, aber Beros Dauerdruck belohnte. Fast hätte Charlotte Wagner das Spiel sogar noch komplett gedreht, doch ihr Schuss aus spitzem Winkel knallte nur an den Pfosten (88.).



So blieb es beim Remis – für Neukölln ein gefühlter Sieg, für Berolina eher eine verpasste Chance. „Wir wussten, dass wir gegen diese Mannschaft wenig zu bestellen haben, deshalb haben wir bewusst auf diese Mauer gesetzt. Am Ende war’s glücklich, aber meine Mannschaft hat es leidenschaftlich und diszipliniert gemacht“, bilanzierte Kappheim.
SFC Stern – Moabiter FSV 8:0 (4:0): In Steglitz steht ne Tormaschine
Die Frauen des SFC Stern 1900 haben am Wochenende gezeigt: Die dürftige Leistung gegen Lichtenberg im Pokal ist eher Ausnahme denn Regel – und die Lust am Toreschießen ist riesig. Gegen den weiterhin punktlosen Moabiter FSV gewann die Mannschaft von Trainer Roman Rießler deutlich und souverän. Bereits zur Pause war die Partie praktisch entschieden: Xenia Zeinert eröffnete den Torreigen, ehe ein Eigentor von Lioba Virchow den Vorsprung ausbaute. Noch vor dem Seitenwechsel legte Zeinert nach und Diana Steinmeyer – auch an diesem Tag kaum zu bremsen – stellte auf 4:0.
Nach Wiederbeginn brauchte Stern zunächst eine Viertelstunde, um wieder an die starke erste Halbzeit anzuknüpfen. Im Spielaufbau schlichen sich Fehler ein, und Moabit kam zweimal gefährlich vor das Tor. Die beste Gelegenheit vergab Fine Herzog, die nach starker Vorarbeit von rechts über das Gehäuse schoss (52.).



Erst danach gewann Stern wieder klar die Oberhand – und nutzte die Freiräume konsequent. Immer wieder war es Steinmeyer, die sich auf der rechten Seite durchsetzte und ihre Mitspielerinnen im Zentrum in Szene setzte. Alina Lindemann und Maggi Lorenz trafen, ehe Zeinert mit zwei weiteren Toren – sie musste jeweils nur noch ihren Fuß hinhalten – persönlichen Viererpack perfekt machte.
In seiner Analyse zeigte sich Rießler durchaus zufrieden, hob aber auch die Kehrseite hervor: Schon in der ersten Halbzeit hätten seine Spielerinnen weitaus mehr Tore machen können. „Da waren wir nicht konsequent genug. Auf der anderen Seite haben wir sehr variabel gespielt und eben extrem viele Chancen kreiert – das hat mir gefallen.“ Weil Bero in Neukölln im wahrsten Sinne des Wortes ausrutschte und Friedrichshagen bei Lichtenberg unterlag, stehen die Sterne jetzt am Firmament der Berlin-Liga.
Borussia Pankow – FSV Hansa 07 2:0 (2:0): Frühe Tore sind der Schlüssel
Borussia Pankow hat in der Berlin-Liga der Frauen mit 2:0 gegen die FSV Hansa 07 gewonnen. Schon zur Pause stand das Endergebnis fest – und es war ein Sieg, der nie ernsthaft in Gefahr geriet.
Trainerin Josi Ruß sprach anschließend von einem Arbeitssieg, stellte aber klar, dass dieser sehr souverän herausgespielt wurde. Vor allem mit der ersten Halbzeit zeigte sie sich zufrieden. Nach dem Seitenwechsel ließ ihr Team etwas nach, konnte sich das aber leisten, da die Gäste aus Kreuzberg offensiv überhaupt nicht stattfanden und keine einzige Torchance hatten.
Das 1:0 erzielte Angelina Säwe nach einer Viertelstunde. Zuvor war Sarah Schrader über rechts durchgebrochen und verlagerte den Ball auf die linke Seite, wo Säwe heranrauschte und den Angriff vollendete. Das 2:0 fiel durch Charlotte Lemke, die den Spielaufbau von Hansa in der Innenverteidigung aufmerksam antizipierte, dazwischen spritzte und den Ball sehenswert über die Torhüterin hob (19.).
Im Verlauf der Partie hätte Pankow noch nachlegen können. Gleich dreimal scheiterte die Mannschaft am Aluminium – besonders eindrucksvoll Elsa Kaczor, die aus rund 32 Metern die Latte traf.
SV Lichtenberg 47 – Friedrichshagener SV 3:2 (2:1): Ein mutiger Auftritt
Der SV Lichtenberg 47 hat in der Berlin-Liga für eine Überraschung gesorgt und den favorisierten Friedrichshagener SV mit 3:2 geschlagen. Zur Pause führten die Gastgeberinnen mit 2:1, am Ende retteten sie den knappen Vorsprung über die Ziellinie.
Das 1:0 fiel in der 29. Minute: Celine Hellriegel brach über die rechte Seite durch, legte den Ball quer, und Kira Babiy traf zur Führung. Hellriegel war dabei nicht nur Vorbereiterin, sondern insgesamt der Dreh- und Angelpunkt im Spiel von Lichtenberg. Als Denkerin und Lenkerin im Mittelfeld prägte sie das Offensivspiel und machte eine außergewöhnlich starke Partie.

Nur wenige Minuten nach der Führung glich Friedrichshagen durch Kristin-Sophie Bertelsmann aus (38). Doch Lichtenberg hatte die passende Antwort: Karolin Urbanski traf kurz vor der Pause sehenswert von der Strafraumkante zum 2:1.
Auch nach dem Seitenwechsel blieb Lichtenberg mutig. Anna Ohnesorge kam über rechts angesaust, zog ab und versenkte den Ball unter der Latte zum 3:1 (64.). Danach erhöhte Friedrichshagen den Druck, fand zunehmend bessere Lösungen über die Außenbahnen und kam so in der 75. Minute durch Stella Kränig zum 2:3-Anschlusstreffer.
„Und dann weiß man ja, was im Fußball passiert. Dann geht das Zittern los“, berichtete Biermann. Aber letztendlich habe sein Team weiterhin gut verteidigt und deshalb auch den Sieg verdient.
Mit dem vierten Sieg im fünften Spiel klettert Lichtenberg auf Tabellenplatz zwei. Punktgleich mit Spitzenreiter Stern 1900 (12 Zähler) darf Biermanns Mannschaft durchaus als Überraschungsteam der frühen Saisonphase gelten.
Viktoria Mitte – FFC Berlin 2004 4:1 (0:1): Pfannkuche mit dem Doppelpack
Viktoria Mitte hat in der Berlin-Liga der Frauen drei Punkte eingefahren und gegen den FFC Berlin 2004 mit 4:1 gewonnen. Nach einem Rückstand zur Pause drehte die Mannschaft von Nils Tobela nach Wiederbeginn auf und ließ den Gästen kaum Luft.
Die erste Halbzeit gehörte zwar Viktoria, doch der FFC ging mit seiner einzigen Chance in Führung – ein Distanzschuss aus knapp 30 Metern, der unhaltbar einschlug. „Sehr ärgerlich, wir hätten da schon deutlich führen müssen“, meinte Tobela.
Im zweiten Durchgang zeigte Viktoria dann Entschlossenheit. Eine einstudierte Ecke führte zum Ausgleich durch Isabel Pfannkuche (57.), die kurz darauf auch das 2:1 erzielte (59.). Wenig später erhöhte Friederike Pechmann mit einem präzisen Freistoß unter die Latte (76.). Den Schlusspunkt setzte Maria Lujan mit einem Billardtor: Ein Fernschuss von Viktoria klatschte an den Innenpfosten, sprang von dort an den Rücken der FFC-Torhüterin und dann Lujan vor die Füße. Abstauben war dann nur noch Pflicht (84.).
„Wir haben über 90 Minuten die Zweikämpfe angenommen und als Team sehr geschlossen gespielt“, lobte Tobela. Während Viktoria immer wieder gefährlich vors Tor kam, blieb der FFC harmlos. Am Ende stand ein verdienter Heimsieg, der den Kreis der punktlosen Mannschaften in der Berlin-Liga um eine reduziert. Ohne Ausbeute stehen jetzt nur noch die drei Aufsteiger da: Askania, Moabit und der FFC.

