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Kontrolle, Konter, Konsequenz – und ein spätes 1:1 im Sechs-Punkte-Spiel

Im Spiel der Woche auf rasenperlen.de reicht dem Moabiter FSV ein fulminantes Eckentor von Felizitas Schlechta nicht, um sich vom dem Abstiegskampf zu entfernen.

Wie auch immer die Punkte bei einem so genannten Sechs-Punkte-Spiel aufgeteilt werden: An diesem Tag gab es für jedes Team nur einen. Wobei sich das 1:1 zwischen dem Moabiter FSV und dem Gästeteam des SV Askania Coepenick nicht allein über Zahlen erklären lässt. Es war ein Spiel mit klarer Rollenverteilung vor der Pause – und mit einer schleichenden Verschiebung danach. Der Moabiter FSV begann strukturiert, geduldig und spielerisch überlegen. Der Ball lief sauber durch die Reihen, die Gastgeberinnen hatten Tempo und Ordnung im Aufbau. Köpenick war zunächst vor allem mit Verteidigen beschäftigt. Nur im letzten Drittel fehlte Moabit die letzte Klarheit.

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Die bis dahin beste Szene: Ein Halbfeldfreistoß von Felizitas Schlechta rutscht durch den Strafraum, am zweiten Pfosten steht Luise van der Linde frei, wirkt einen Moment überrascht und bekommt keinen sauberen Abschluss zustande. Es blieb symptomatisch für die erste Phase – Kontrolle ja, Konsequenz noch nicht.

Die Ecke von Schlechta? Ein unglaublicher Treffer!

Askania setzte vereinzelte Nadelstiche. Nach 28 Minuten geriet ein langer Ball von Moabits Torhüterin Catalina Scheer zu kurz, der Ball kam postwendend zurück an die Sechzehnerkante, wo sich Melanie Busch versucht – drüber. Kurz darauf zog Busch aus rund 18 Metern erneut ab, diesmal links vorbei. Keine Großchancen, aber Hinweise. Die Führung passte dann aber schon zum Spielverlauf bis zu diesem Zeitpunkt – und technisch anspruchsvoll. Ecke von links, Schlechta trat an, und knallt – wir betonen knallt – direkt in den rechten oberen Giebel des Askania-Kastens. Ein unglaublicher Treffer. Mit 1:0 ging Moabit verdient in die Pause.

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Melanie Busch nimmt Maß. Hier hatte sie das Visier noch nicht richtig eingestellt.

Nach dem Seitenwechsel veränderte sich das Bild. Moabit wirkte nicht mehr ganz so wach, verlor etwas an Präzision im Aufbau. Vielleicht hatte die vergleichsweise harmlose erste Hälfte der Gäste ein trügerisches Gefühl hinterlassen. Der SV Askania Köpenick schob nun höher, attackierte früher und gewann mehr zweite Bälle. „Wir wollten abwarten, was Askania nun anbietet und darauf reagieren“, kommentierte Moabits Trainer Martin Meyer das neue Bild auf dem Nebenplatz des Poststadions. Er und sein gleichberechtigter Trainerkollege Vishal Khanna hätten wohl anders gecoacht, wenn sie geahnt hätten, was kommt.

Pöpel-Freistoß zwingt Scheer zu Blitzreflex

Erstmal erneut ein Vorbote. Ein Freistoß von Alina Pöpel aus halbrechter, spitzer Position – stramm und sauber mit links geschossen – zwang Scheer zu einer Faustabwehr mit Mühe. Der Ball war auf den Körper gezogen, dennoch alles andere als ungefährlich. Scheer riss gerade noch die Pranken hoch, Köpenick war endgültig im Spiel. In der Nachspielzeit dann der entscheidende Moment: Ballverlust im Spielaufbau unter Druck, Melanie Busch reagiert am schnellsten und trifft zum 1:1.

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Über die Flügel ging kaum etwas für Köpenick. Annika Zoschke (r.) auf der rechten Seite und Jenny Hänseroth auf der linken hielten den Moabiter Laden außen dicht.

Meyer sprach anschließend von einem „eiskalt bestraften“ Fehler. Die Enttäuschung sei groß, weil man vor allem in der ersten Hälfte und auch noch rund 20 Minuten nach Wiederbeginn mehr Spielanteile gehabt habe. Zugleich betonte er, man habe nichts verschenkt. Köpenick habe sich im Abstiegskampf nie aufgegeben und sich von einer schwächeren ersten Hälfte nicht beirren lassen.

Wichtig für die Köpfe bei Askania: Es liegt etwas „im Körbchen“

Askanias Coach Gregor Seemann verwies auf die bewusste Anpassung nach dem Rückstand: höher schieben, früher anlaufen, mehr Druck im Pressing. Genau aus einem solchen Moment sei der Ausgleich entstanden. Wichtig für die Köpfe sei es nun, „dass etwas im Körbchen liegt“ und man einen direkten Konkurrenten nicht davonziehen habe lassen. Angesichts zahlreicher Ausfälle sei der Auftritt seiner Mannschaft umso höher zu bewerten.

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So bleibt ein Remis im Sechs-Punkte-Spiel, das sich aus dem Verlauf erklärt. Moabit hatte lange die Kontrolle. Askania das bessere Ende. Helfen tut der Zähler zweifelsfrei den Gastgebern eher.


Fotos: Matthias Vogel