Im Berlin-Derby der Regionalliga Nordost überrollt Klassenprimus Hertha BSC lange wehrhafte Hohen Neuendorferinnen in der zweiten Halbzeit noch mit 5:0.
Hertha BSC hat seine Pflichtaufgabe gegen den abstiegsbedrohten SV Blau-Weiss Hohen Neuendorf souverän gelöst – allerdings erst nach einer klaren Leistungssteigerung im zweiten Durchgang. Vor der Pause fehlte dem Angriffsspiel des Spitzenreiters die Genauigkeit, danach nutzte er seine Überlegenheit konsequent.

Das Spiel begann wie erwartet: Hertha übernahm im Hanns-Braun-Stadion sofort die Kontrolle, ließ Ball und Gegner laufen und drängte Hohen Neuendorf tief in die eigene Hälfte. Doch im letzten Drittel fehlte zunächst die Präzision. Zuspiele in die Tiefe waren oft einen Tick zu lang, Spielverlagerungen endeten im Seitenaus. Die Gäste verteidigten kompakt, standen tief und hielten die Räume eng – ein Ansatz, der lange funktionierte. „Du kannst gegen Hertha nicht alle Chancen verhindern, aber mit der ersten Hälfte können wir sehr zufrieden sein“, sagte HND-Coach Christian Liedtke nach dem Spiel.
Ein, zwei gute Nadelstiche der Gäste
Die beste Gelegenheit hatte Herthas Top-Torjägerin Elfie Wellhausen, als sie von Elly Böttcher über halbrechts zwar glänzend tief geschickt wurde, den Ball aber nicht sauber traf. Auf der anderen Seite setzte Hohen Neuendorf über Philia Henning einzelne Nadelstiche. Einmal schien sie Herthas letzter Frau Clara Dreher zu entwischen, doch die Kapitänin setzte nach und störte Henning doch noch entscheidend beim Abschluss störte. Ein zweites Mal machte sich die flinke Offensivkraft der Gäste auf der rechten Außenbahn auf die Socken, ihre schöne Flanke verpasste Luna Windsperger am zweiten Pfosten nur um Zentimeter.

Nach dem Seitenwechsel veränderte sich nicht das Bild, aber das Ergebnis. Hertha spielte zielstrebiger, suchte schneller den Weg in die Tiefe und erhöhte den Druck. Ein Tor von Elfie Wellhausen wurde wegen Abseitsstellung aberkannt, ein wuchtiger Linksschuss von Lotte Reimold aus der Distanz verfehlte den linken Giebel des Gästekastens nur knapp – die Führung für den Klassenprimus lag in der Luft. In der 53. Minute war es dann aber soweit: Hohen Neuendorf klärte einen weiteren Steckpass nicht sauber, Wellhausen war durch und traf zum 1:0 – Torhüterin Marie Ulrich war noch dran.
Der erste Treffer läutet Herthas Offensivspektakel ein
Das Tor wirkte wie ein Startschuss für ein Offensivspektakel. Nach einer Ecke reagierte Clara Dreher am schnellsten und erhöhte auf 2:0 (56.). Hohen Neuendorf verlor nun zunehmend die Ordnung, Hertha nutzte die Räume konsequent. Über die rechte Seite bereitete Aurelia Haesler das 3:0 vor, Svenja Poock schob am zweiten Pfosten ein (62.). Das 4:0 fiel nach einem langen Ball und einer offenen Situation vor dem Tor – erneut war Poock zur Stelle und traf ins leere Tor. Den zählbaren Schlusspunkt setzte Hertha mit dem schönsten Angriff des Spiels: Serwaah-Bonsu Danso bekam den Ball auf der rechten Seite, leitete den Ball in die Tiefe weiter, Aurelia Haesler spielte klug ins Zentrum, wo Elfie Wellhausen zum 5:0 vollendete (90.).

In der Schlussphase ließ Hertha weitere Chancen liegen. Wellhausen vergab mehrfach aus guter Position, auch Serwaah-Bonsu Danso scheiterte frei vor dem Tor. Eine sehenswerte Aktion von Wellhausen über die linke Seite, bei der sie sich per Hacke durchsetzte und querlegte, blieb ebenfalls ohne Tor, weil Aurelia Haesler neben das Tor schoss. Am Ende steht ein deutlicher Sieg, der vor allem die zweite Halbzeit widerspiegelt. Hertha blieb geduldig und nutzte seine Qualität im richtigen Moment.
HND-Trainer Christian Liedtke räumt taktischen Fehler ein
Herthas Trainer Tobias Kurbjuweit stand für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung. Sein Hohen Neuendorfer Kollege Christian Liedtke schon: „Die zweite Halbzeit geht ein wenig auf meine Kappe. Ich denke, ich hätte taktisch umstellen müssen. Also Fünferkette und Bus vor der Box parken“, räumte er ein. Allerdings sei es auch schwer, dem Druck von Hertha über 90 Minuten standzuhalten. „Dazu wechseln sie fünfmal ein, ohne dass die Qualität darunter leiden würde.“ Jetzt gelte es, diese Niederlage, die seiner Meinung nach ein wenig zu hoch ausgefallen sei, abzuschütteln und das Positive aus der Partie mitzunehmen. „In der ersten Hälfte haben wir gesehen, dass wir dagegenhalten können.“
Fotos: Christian Schneider (@haltdieklappe_medienmacher)

