Kunigunde Steinbock hätte für die U20 von Viktoria das Spiel gegen Pankow alleine entscheiden können, eigentlich müssen. Hat sie zwar nicht, aber das ändert nichts daran, dass sie offensiv die auffälligste Spielerin war – und deshalb jetzt „Rasenperle der Woche ist“
Pressschlag mit Borussias Torhüterin Toni Wicke, der anschließende Versuch aufs leere Tor trudelt am selbigen vorbei. Wicke ausgespielt und mit rechts aus spitzem Winkel: Pankows Lucie Ruß rettet auf der Linie. Volley nach Flanke mit links satt getroffen, aber drüber. Dreimal weitere Male alleine vor Wicke – ohne Ertrag. Auf ihre Effizienz im Topspiel angesprochen, dröhnt ein wütendes „Grrrrrrr!“ aus dem Handy. „Kuni“ Steinbock nervt es am allermeisten, dass sie ihre starke Leistung nicht mit dem einen oder anderen Treffer veredelt hat.



Aber: Diese ganzen Möglichkeiten muss man sich erst einmal erarbeiten. Man muss Räume erkennen, Tiefenläufe anbieten, Dribblings wagen und Bälle zurückerobern. Das alles hat die erst 17-jährige Flügelspielerin mehr als nur zur Genüge getan. Über 90 Minuten, immer wieder, und meistens im höchsten Tempo. Das hinterließ auch beim Gegner Eindruck: „Aus der könnte etwas werden“, sagte Lucie Ruß nach der Partie.
„Sie ist unfassbar schnell“, sagt ihr Trainer Darien Hoffmann. „Und generell bringt sie alles mit, um eine richtig gute Fußballerin zu werden.“ Dass sie ihre Fähigkeiten noch nicht immer richtig einsetzt, stört Hoffmann nicht. „Weil sie selbstkritisch und einfach nicht nur gierig auf Tore ist, sondern auch darauf, sich zu verbessern, ihr Wissen zu erweitern.“

Mit elf Jahren hat sie mit dem Fußballspielen begonnen. In Kanada. Dort ist sie geboren und aufgewachsen. Bevor sie im vergangenen Jahr nach Deutschland kam – ihr Vater stammt aus Bayern – , spielte sie dort beim Alliance FC. Und seit dem Sommer 2024 wirbelt sie eben für Vikis U20 durch die Berlin-Liga. Ihre nächsten Ziele? „Ich schreibe in diesem Jahr mein Abitur und mit dem Team will ich in die Regionalliga“, sagt sie. Der ärgste Konkurrent auf dem Weg dorthin? „Stern, die sind echt stark.“
Ob sie an ihrem Abschluss arbeiten müsse? „Auf jeden Fall. Haben wir heute im Training schon gemacht“, sagt sie. „Solche Großchancen sollte ich in Zukunft schon nutzen.“ Auf lange Sicht würde sie gerne werden, was ihr Coach für möglich hält, nämlich eine richtig gute Fußballerin. Der Profi-Bereich wäre so recht nach ihrem Geschmack. Anschauungsunterricht holt sie sich gerne quasi von höchster Stelle: ihrem Idol Jamal Musiala.
Fotos: Matthias Vogel

