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Felizitas Schlechta – direkt in den Winkel und zur Rasenperle der Woche

Moabits Abwehrchefin und Kapitänin bleibt ihrem Verein seit 2010 treu – und sichert ihm im Abstiegsduell gegen den SV Askania Coepenick mit einem absoluten Traumtor einen Punkt.

Na wat den nu? Ist Felizitas Schlechta der Moabiter FSV oder umgekehrt? Beides irgendwie. Der Verein und die Rasenperle der Woche gehören zusammen wie Pech und Schwefel. Ein paar Monate nach Gründung des Clubs im Schatten des Poststadions trat die 25-Jährige bei. Das war 2010. Schlechta ist damit das längste aktive Mitglied.

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Fußball spielt sie, seit sie denken kann, also auch schon vor dem Vereinssport. Dem schloss sie sich an, nachdem sie im Schwimmverein auf einige unfreundliche Jungen stieß und ihre Eltern froh waren, im Moabiter FSV einen Ort für ihre Tochter gefunden zu haben, in dem Mädchen und Frauen unter sich sind.

Seitdem schlägt Schlechtas Herz für Weinrot-Grün Woche für Woche – auch am vergangenen Spieltag. Gewohnt ruhig und besonnen lenkte sie im Abstiegsduell mit dem SV Askania Coepenick den Spielaufbau des Aufsteigers, um im richtigen Moment für den Übertrag ins zweite oder dritte Drittel zu sorgen. Das kennt man. Nicht von der Stange war ihr sensationeller Treffer zum 1:0. Schlechta drehte eine Ecke von der linken Seite direkt in den rechten Giebel des Gästekastens. Der Ball schlug regelrecht ein. Schlechta: „Ja, der hatte ordentlich Schwung.“

Standards sind das Ding der Innenverteidigerin. Alle Freistöße und Ecken sind Sache der Abwehrchefin. Normalerweise, so sagt sie, sei bei Ecken Lioba Virchow die Adressatin. Keine abgesprochene Sache. Eher einfach straffe Hereingaben und der gute Riecher von Schlechtas Teamkollegin, mit der sie seit mehr als zehn Jahren zusammenspielt. So im Hinspiel gegen Askania, als Schlechta in der Schlussminute einmal mehr zur Tat schritt und Virchow zum 2:1-Sieg traf. „Das matcht ganz gut zwischen uns“, sagt Schlechta. Vielleicht erklärt sich sogar ihr Traumtor mit der Co-Genialität: Virchow saß nämlich verletzt auf der Bank, in Ermangelung einer Abnehmerin musste die Kugel also eigentlich eh direkt in die Maschen.    

Ihr Vorbild? Die Eltern

Sportlich hat Felizitas Schlechta keine Vorbilder. Was das Sozialleben anbelangt, sind es ihre Eltern. Daran knüpft sich auch ein kleiner Traum von ihr: Dass der Moabiter FSV noch in 50 Jahren existiert, und zwar genau in seiner aktuellen Ausrichtung: Mit hohen sozialen Werten und als reiner Frauenfußballverein. „Wir sind einer der wenigen davon in Berlin. Dazu wage ich zu behaupten, dass wir wohl das einzige Frauenteam sind, bei dem Erste und Zweite zusammentrainieren. Es ist besonders, dass wir zeigen, dass das auch in der höchsten Berliner Spielklasse möglich ist“, sagt Schlechta.

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Weil das Ehrenamt als Hobby auszusterben droht, sieht sie ihren Traum in Gefahr. „Das ist wirklich ein Problem“, sagt sie. Sie selber versucht, dem entgegenzuwirken. Seit diesem Jahr schiedst sie auch wieder, Schiedsrichterobfrau im Verein ist sie sowieso, um den Nachwuchs für das Amt einer Unparteiischen zu begeistern und zu sensibilisieren.

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Ansonsten genießt die Rasenperle der Woche die Berlin-Liga in vollen Zügen. „Ich freue mich. Nach dem ersten Aufstieg war ich erst 17 und war froh um Einsatzminuten. Bei unserem zweiten Versuch hatte ich einen Kreuzbandriss und habe überhaupt nicht gespielt. Es ist also meine erste Saison auf dem Niveau.“

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Ob der Moabiter FSV dieses Niveau halten kann? Schlechta ist zuversichtlich, aber nicht euphorisch. „Ein Sieg gegen Askania wäre richtig wichtig gewesen. Jetzt müssen wir alle direkten Duelle gewinnen und dazu auf den einen oder anderen Punkt gegen Teams über uns hoffen.“ Das könne gelingen, wenn man ähnlich auftrete wie in der Hinrunde – und die Personaldecke hält. „Unser Kader ist dünn, dazu haben wir eine lange Verletztenliste. Auch im Hinblick auf die kommende, sicher schwerere Saison, könnten wir noch ein paar gute Spielerinnen gebrauchen.“

Als Tipp für den Meistertitel gibt Felizitas Schlechta übrigens Berolina Mitte zu Protokoll. „Bero und Stern haben mich beide beeindruckt. Ich glaube nur, Bero ist vor dem Tor effizienter.“ Bis die Entscheidungen fallen, ob an der Tabellenspitze oder im -keller, wird sie jedenfalls weiter gefährliche Standards schlagen.