Aufsteiger mit klarem Auftrag: Herthas U20 will den nächsten Entwicklungsschritt gehen.
46 Pflichtspiele, 46 Siege, zwei Aufstiege in Folge – beeindruckender hätte der Start der neu gegründeten U20 von Hertha BSC kaum verlaufen können. Doch mit dem Sprung in die Berlin-Liga beginnt für den Nachwuchs des frisch gebackenen Zweitligisten ein neues Kapitel. Erstmals trifft die Mannschaft Woche für Woche auf erfahrene Frauenteams der höchsten Berliner Spielklasse. Ergebnisse bleiben wichtig, im Mittelpunkt steht aber weiterhin die Entwicklung der Spielerinnen.

Trainer Bengt-Tibor Draesel macht deshalb deutlich, dass sich seine Mannschaft trotz der außergewöhnlichen Bilanz nicht blenden lässt. „Der Aufstieg war das Ziel, das haben wir mehr als souverän erreicht. Davon lassen wir uns in dieser Saison aber nicht aus der Ruhe bringen.“
Teamcheck
Der Kader erhält zur neuen Saison weitere Verstärkung. Zwei externe Neuzugänge stoßen ebenso dazu wie mehrere Talente aus der eigenen U17. Das passt zur Philosophie des Vereins, den Übergang vom Nachwuchs in den Frauenbereich konsequent zu fördern. Die Berlin-Liga soll den Talenten die Spielpraxis und Erfahrung geben, um sich langfristig für höhere Aufgaben und im besten Fall perspektivisch für die erste Mannschaft zu empfehlen.

Sportlich möchte sich Hertha vor allem an das höhere Niveau anpassen. „Dadurch, dass wir ein junges Team sind, wollen wir in erster Linie kontinuierlich lernen und daran arbeiten, ein höheres Niveau zu erreichen, schnelle Anpassungen zu verinnerlichen und mehr Ruhe in Drucksituationen auszustrahlen“, sagt Draesel

Perlentaucher
Mit 31 Jahren verantwortet Bengt-Tibor Draesel die U20 von Hertha BSC. Nach Stationen im Nachwuchs des TSV Rudow wechselte er zunächst ins Trainerteam der B-Juniorinnen-Bundesliga. Seit mehr als zwei Jahren baut er gemeinsam mit seinem Trainerteam den Frauen- und Mädchenbereich bei Hertha BSC weiter auf.
Seine Fußballphilosophie fasst er in drei Begriffen zusammen: „Eigenverantwortung, Entscheidungsfähigkeit, Kommunikation.“ Entsprechend sollen seine Spielerinnen Verantwortung übernehmen und auf dem Platz selbst Lösungen finden. Besonders wichtig ist ihm dabei die persönliche Entwicklung. „Absolute Leidenschaft für den Sport, Vertrauen und die Sicherheit, dass sie im Vordergrund stehen“, sagt er.
Bengt-Tibor Draesel: „Die Spielerinnen stehen im Vordergrund.“
Auch abseits des Platzes stehen für ihn klare Werte im Mittelpunkt: „Respekt, Sicherheit und Selbstbestimmung.“ Für die neue Saison formuliert Draesel vor allem einen Wunsch: „Dass viele Spielerinnen stetig bessere Fußballerinnen werden als sie es beispielsweise noch vor einem Jahr waren. Ich wünsche mir, dass sie glücklich sind, ein Teil unseres Teams zu sein. Dann haben wir alle Spaß an dem was wir tun und sind froh und dankbar unsere Freizeit damit verbringen zu dürfen.“

Rasenperlen-Einordnung
Zwei derart dominante Aufstiege in Folge sprechen eine deutliche Sprache. Hertha BSC II bringt viel Qualität mit. Ein Platz unter den ersten fünf ist aus unserer Sicht durchaus realistisch.

Für den ganz großen Wurf könnte es allerdings noch etwas zu früh sein. Die Mannschaft ist jung, muss mehrere neue Spielerinnen integrieren und wird sich erst an das höhere Niveau im Frauenbereich gewöhnen müssen. Dass dieser Entwicklungsschritt Zeit braucht, zeigte auch das Berliner Pokalfinale der zweiten Mannschaften in der vergangenen Saison. Gegen die U20 des FC Viktoria 1889 war Hertha über weite Strecken die unterlegene Mannschaft – ein Hinweis darauf, dass bis zur absoluten Spitze noch ein Stück des Weges zurückzulegen ist.

Dennoch spricht vieles dafür, dass Hertha BSC II eine Bereicherung für die Berlin-Liga sein wird. Technisch gut ausgebildet, mit einer klaren Spielidee und großem Entwicklungspotenzial besitzt der Aufsteiger alle Voraussetzungen, um sich früh im oberen Tabellendrittel festzusetzen.
Fotos: Matthias Vogel
