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Reality-Check Borussia Pankow: Talentwucher im Zentrum – was geht noch nach oben?

Ruß-Elf steht nach der Hinrunde auf Platz 4 der Berlin-Liga – und hat sich ordentlich verstärkt. Alles scheint möglich.

„Es sind 5 Punkte, das ist machbar. Sieben wären nicht mehr realistisch.“ Pankows Trainerin Josi Ruß glaubt durchaus noch an die Meisterschaft. Ein Ziel, was in einem Umbruchsjahr immer nur ein Kann, aber niemals ein Muss war und auch immer noch nicht ist. Ein kleiner Rückblick zum Ende der letzten Saison: Die Ernüchterung bei den Pankowerinnen war groß nach der nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses verpassten Berliner Meisterschaft und es gab viele offene Fragen.

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Wer bleibt, wer geht? Macht Trainerin Josi Ruß selbst weiter? Aus anfänglicher Unsicherheit ist in der Hinrunde der aktuellen Saison ein durchaus schlagkräftiges, junges Team mit Perspektive zusammengewachsen. Gegen die Topteams allerdings blieb Pankow in der Hinrunde sieglos. Während es gegen Stern und Bero am Ende 0:0 und bei Internationale 1:1 hieß, gab es auswärts bei Viktoria 89 II mit 0:2 die einzige Saisonniederlage. Immerhin: der fast schon traditionelle Patzer bei einem Team aus dem unteren Drittel ist bisher ausgeblieben. 

Zu den Gesichtern des Umbruchs, der noch immer im Gange ist, zählen nicht zuletzt die beiden Schrader-Schwestern, die längst als Flügelzange gesetzt sind und mit ihrer Geschwindigkeit für Torgefahr sorgen. Sarah, die ältere der beiden, kommt auf 12 und ihre jüngere Schwester Sophia immerhin bereits auf 8 Treffer. Ein weiteres Gesicht des Umbruchs ist Anna Zick, die nicht mehr aus der Innenverteidigung wegzudenken ist, bereits jetzt zu den besten ihres Fachs in der Liga gehört und ihren Anteil daran hatte, dass Borussia Pankow mit lediglich sechs Gegentoren aktuell die drittbeste Abwehr der Liga stellt.

Paula Alfes auf dem Weg zur Stammkraft

Und Ruß kündigte bereits an, dass mit der Aachenerin Paula Alfes eine weitere Innenverteidigerin nun „soweit ist“. Alfes ist mit ihren 25 Jahren zwar nicht unbedingt eine der jungen Wilden, gilt aber als hochveranlagt und wurde in der Hinrunde bereits langsam an ihre Aufgaben herangeführt und dürfte bis zum Sommer des Öfteren in der IV zu finden sein. 

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Das Pankower Mittelfeld ist mit Carolin Roeseler (l.) und Charlotte Lemke ohnehin gut besetzt – in der Winterpause gab es dennoch Verstärkung für die Zentrale.

Und dann ist da ja noch die Zentrale, wo sich die Luxusprobleme der Pankowerinnen sammeln. Insbesondere mit Carolin Roeseler und Charlotte Lemke (9 Tore) ohnehin schon gut aufgestellt, dürfte es hier nun eng werden. Da sind zum einen zwei Rückkehrerinnen: Marlene Schmitt kehrt nach einem Auslandsaufenthalt ebenso zurück wie Lena Pflanz von Regionalligist Türkiyemspor.

Josi Ruß bleibt über die Saison hinaus Borussia-Trainerin

Und dann ist da ja auch noch Selma Keune vom 1. FC Union II. Die hatte in der nahen Vergangenheit aus persönlichen Gründen kaum Platzzeit, möchte nun aber wieder angreifen. Und das Talent der 18-jährigen ist unbestritten, immerhin trug sie bereits das Trikot mit dem Bundesadler in der U15. Und als ob das alles nicht schon genug wäre, steht mit Emma L. auch noch ein hochtalentiertes B-Mädchen in den Startlöchern, von dem Russ so einiges hält: „Sie wird in der Rückrunde noch Akzente setzen.“

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Sarah Schrader (vorne) ist mit 12 Treffern die torgefährlichste Borussin.

Und wo steht Borussia Pankow am Ende der Saison? Die Meisterschaft erscheint noch immer realistisch, auch wenn es ein schweres Stück Arbeit wird. Trainerin Josi Russ sieht ihr Team im Rennen, aber nicht unbedingt als Top-Favorit: „Ich glaube, dass Viktoria II es am Ende machen wird, da ist das meiste Potential.“ Und insgeheim wird sie doch hoffen, dass sie mit ihrer These am Ende falsch liegt. 

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Dauerbrennerin Lucie Ruß (am Ball) und Paula Alfes.

Ganz nebenbei wurde in der Winterpause noch eine weitere Personalie geklärt: „Ich mache auch über den Sommer hinaus weiter“ hieß es da aus dem Munde von Josi Ruß höchstpersönlich. Worte, die man sicher nicht nur bei der Borussia mit Wohlwollen aufgenommen hat.


Fotos: Matthias Vogel