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Reality-Check Moabiter FSV: Voll im Soll

Warum der Aufsteiger aus Mitte nach der Hinrunde genau dort steht, wo er stehen wollte

Vor der Saison ließ Martin Meyer keinen Interpretationsspielraum. Der Moabiter FSV, frisch aufgestiegen in die Berlin-Liga, müsse vor allem eines tun: die direkten Duelle gewinnen. Genau daran war der Verein vor zwei Jahren gescheitert – und abgestiegen. Vorgabe eingehalten – wie sich nach der Hinrunde belegen lässt. Meyer und sein gleichberechtigter Co-Trainer Vishal Khanna – kurz nach Saisonbeginn zum Trainerstab dazugestoßen – haben ihre Schützlinge auf Kurs gebracht. Zehn Punkte und der viertletzte Tabellenplatz stehen zu Buche, vor dem FFC Berlin 2004, Viktoria Mitte und Askania Köpenick. Gegen genau diese Teams holte Moabit jeweils drei Punkte – wenn das 2:1 bei Askania Köpenick auch ein wenig glücklich um die Ecke kam. Hinzu kam ein wildes 4:4 gegen den BSV Grün-Weiß Neukölln.

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Linda Goyk (r.) – hier im Spiel gegen Stern Diana Steinmeyer auf den Fersen – erarbeitet sich immer wieder gute Tormöglichkeiten. In der Rückrunde gilt es für sie, diese auch zu nutzen.

Auch jenseits dieser Spiele zeigte sich der FSV nicht selten konkurrenzfähig. 0:1 gegen Hansa, 1:2 gegen Türkiyemspors U23, 1:3 gegen den FC Inter – gerade zuhause zeigte sich das Team stabil. Und weil der Moabiter zwischendurch eben mit solch guten Ergebnissen aufhorchen ließ, schien er fast zu Höherem berufen zu sein. Doch Meyer wollte die Bälle stets bewusst flach gehalten wissen und als seine Truppe gegen den SV Lichtenberg 47 mit 1:6 unter die Räder kam und der Coach auch mit der Haltung seiner Schützlinge in dieser Partie nicht ganz zufrieden war, sagte er: „Ich glaube, das Spiel hat jetzt deutlich wieder gezeigt, dass wir mit unseren Zielen nicht tief gestapelt haben.“

Mit Blick auf das Tableau wird Meyer mittlerweile präziser: „Es geht für uns nur darum, Best of the Rest zu werden. Wir müssen zwei, lieber drei Teams hinter uns lassen. Gerade, weil Hohen Neuendorf absteigen könnte und – wenn dann keiner raufgeht – drei runter müssen.“

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Teresa Wagner (am Ball) ist eine für die kreativen Momente im Moabiter Angriffsspiel.

Strukturell bleibt der Moabiter FSV bei seinem Modell: erste und zweite Mannschaft trainieren gemeinsam, die Übergänge sind fließend. Noch immer leidet der Klub aus Mitte unter einem amtlich gefüllten Lazarett. Außenverteidigerin Jana Heyde ist nach schweren Knieproblemen immerhin zurück im Spielbetrieb und sammelte ihre ersten Minuten in der Bezirksliga, ist laut Meyer aber zunächst für die Berlin-Liga nicht eingeplant. Lorena Peretti (Achillessehne), Julia Kovtun (Knie) und Torhüterin Valerie Münderlein (Knie) fehlen ebenso länger wie Hannah Thole, die zur neuen Saison von Hohen Neuendorf II gekommen war und sich gut etabliert hatte, aber nach einem Fußbruch mit Bänderverletzungen voraussichtlich die gesamte Saison ausfallen wird.

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Der sportliche Plan ist dennoch klar und zeitlich genau umrissen. „Der Spielplan will es so: Wir müssen in den ersten zweieinhalb Monaten die Punkte holen, die wir zum Klassenerhalt brauchen.“ Für die spätere Saisonphase rechnet man in Moabit aufgrund der Qualität der Gegner nicht mit großer Ausbeute. Parallel richtet sich der Blick bereits nach vorn. „Wir haben auch schon die nächste Saison im Auge“, sagt Meyer. Die Berlin-Liga werde deutlich schwerer zu halten sein, als in der aktuellen Spielzeit. Vermutlich spielte er darauf an, dass in Hertha II mindestens eine bärenstarke Truppe aus der Landesliga aufsteigen wird.

Das Augenmerk auf die Zukunft zu richten ist natürlich klug – solange der Moabiter FSV auch bei sich und seinem Ziel bleibt, die direkten Duelle zu gewinnen. Dann bleibt er nämlich, was er ist: Voll im Soll.


Fotos: Matthias Vogel
Titelbild: Lioba Virchow