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Reality-Check SV Askania Coepenick: Eine Frage des Willens

Die Hinrunde zeigt: Der Aufsteiger hat Potenzial. Für den Klassenerhalt muss er es nun ausschöpfen.

Die Frauen des SV Askania Coepenick, die könnten schon. Die Frage ist, ob sie auch wollen. Im aktuellen Tableau zwar nur auf dem drittletzten Platz gelistet, nötigten sie auch den Trainern der Top-Teams von Berolina Mitte und Stern 1900 jedenfalls Respekt ab – trotz letztendlich deutlicher Niederlagen. Einfach wegen ihrer mutigen, offensiven Spielweise.  

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Zwei Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg – Viktoria Mitte und FFC Berlin 2004 – wurden geschlagen und hinter sich gelassen, gegen den Moabiter FSV (1:2) und die FSV Hansa 07 (3:4) schrammte das Team jeweils hauchdünn an Zählbarem vorbei. In beiden Spielen kassierte es zwei Minuten vor dem Abpfiff den entscheidenden Gegentreffer. Und auch die Ergebnisse Grün-Weiß Neukölln (0:2) oder Inter (1:3) zeugen eher von Augenhöhe als von großem Leistungsgefälle.

Im Oktober trat Philipp du Bois zurück und Gregor Seemann übernahm

Auf der Habenseite stehen nach der Hinrunde also sechs Punkte, aber eben auch das Gefühl, dass da mehr möglich gewesen wäre. Jetzt könnte Gregor Seemann, der nach dem Rücktritt von Philipp du Bois Anfang Oktober das sportliche Zepter beim Aufsteiger schwingt, bezüglich des Klassenerhalts zuversichtlich sein.

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Fordert eine höhere Trainingsbeteiligung: Askania-Coach Gregor Seemann.

Wäre er auch, wenn dieses „Wollen“ nicht wäre. Denn auf die Frage, auf was es nun ankäme, ging es dem ehemaligen Co-Trainer und Team-Direktor des FC Viktoria 1889 zunächst nicht um Trainingsinhalte: „Erst brauchen wir Anwesenheit im Training und am Spieltag.“ Da werde eine etwas „komische“ Kultur gepflegt. Für die zu geringe Beteiligung hat er nicht viel Verständnis: „Es ist ja ein überschaubarer Zeitraum, während dem es sich schon gut regulieren lässt, andere Freizeitaktivitäten hintenanzustellen.“

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Unruheherd: Nelly Joyce Kockejai.

Gesetzt den Fall, seine Spielerinnen erhören ihn, möchte Seemann vor allem gruppen- und individualtaktisches Verhalten schulen. „Nach gewonnenen Zweikämpfen müssen wir den Ball mal festmachen und in den eigenen Reihen halten, um daraus dann in der Offensive etwas zu kreieren“, nennt Askanias Trainer exemplarisch.

Talente aus der B-Jugend sollen hochgezogen werden

Personell wird sich bis zum Rückrunden-Start der Berlin-Liga-Saison wenig tun: Niemand verlässt den Verein, keiner stößt von außerhalb hinzu. „Wir denken aber darüber nach, zwei, drei talentierte Spielerinnen von unseren B-Juniorinnen dazu zu nehmen“, so Seeman.     

Das Testspiel-Programm hat Askania noch nicht festgezurrt. „Eins ist fix, andere Termine sind noch nicht in Sack und Tüten.“ Um im „Flow“ zu bleiben, frönen die Köpenickerinnen dem Budenzauber – und das recht erfolgreich. „Wir haben die Futsal-Endrunde erreicht. Das ist gut, weil die Mädels sehen, dass sie die fußballerischen Skills haben, die sie auf das Großfeld übertragen können.“    

Trainer Gregor Seemann: „Ein sehr fragiles Gebilde“

Also: Weiter das System verinnerlichen, sich taktisch verbessern und den Klassenerhalt sichern – und Seemann ist optimistisch. „Unter genannten Bedingungen. Wir haben eine Startelf, die man schicken kann. Recht viele Verletzte oder anderweitig verplante dürfen wir aber nicht haben – ein sehr fragiles Gebilde“, sagt er. Wie in der Hinrunde sollen die direkten Duelle gewonnen werden – und am besten auch ein paar gegen Teams aus höheren Tabellengefilden.

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Die Partie bei Hansa glich einer wilden Achterbahnfahrt. Am Ende hieß es 3:4 aus Sicht von Askania.

Gelegenheit dazu böte sich eventuell gleich zum Auftakt des Restprogramms: Der SV Lichtenberg 47 kommt (Sonntag, 22. Februar, 15 Uhr). Ein Gegner auf Augenhöhe, das Hinspiel ging nur knapp mit 1:2 verloren. Könnten die Köpenickerinnen ihn schlagen? Warum nicht? Sie müssten es nur jetzt schon wollen.   


Fotos: Matthias Vogel