Kreuzbergerinnen einfach zu harmlos +++ Sensationelle Aufholjagd von Turbine II +++ Hohen Neuendorf düpiert 1. FFV Erfurt +++ Hansa Rostock setzt Lucky Punch und hamstert Punkt
Leipzigs U20 findet erst nach der Pause den Schlüssel
Klassenprimus RB Leipzig II hat sich bei Türkiyemspor Berlin mit 2:0 (0:0) durchgesetzt. Der Sieg war verdient, allerdings musste Leipzig gegen kompakt verteidigende Berlinerinnen lange nach Lösungen suchen. Erst nach der Pause fanden die Gäste deutlich häufiger den Weg hinter die Berliner Abwehr.

Leipzig hatte von Beginn an mehr Ballbesitz, machte daraus zunächst aber wenig. Die beste Gelegenheit der ersten halben Stunde hatte Natalie Grenz bereits nach rund acht Minuten. Ihr Heber aus der Distanz erwischte Kevser Gündoğdu auf dem falschen Fuß, klatschte aber an den Außenpfosten.

Ansonsten bekam Türkiyemspor die Leipziger Offensive zunächst gut in den Griff. Die Berlinerinnen warfen sich in viele Bälle und versuchten nach Ballgewinnen, Josi Schwarz und Hanna Baldauf mit langen Zuspielen zu finden. Das brachte zwar kaum Ertrag, dafür sprang die eine oder andere Standardsituation heraus.

Kurz vor der Pause wurde es dann erstmals auch aus dem Spiel heraus gefährlich. Josi Schwarz brachte den Ball von der Seite in den Strafraum, wo Leipzig ihn nicht geklärt bekam. In dem Tohuwabohu bot sich zunächst die Möglichkeit zum Abschluss, der Ball blieb aber immer wieder hängen. Türkiyemspor hoffte zudem kurz auf einen Elfmeterpfiff, doch die Partie lief weiter. Es blieb die gefährlichste Berliner Szene der ersten Hälfte.

Leipzigs Trainer Benjamin Eta war mit dem Auftritt seiner Mannschaft bis dahin nicht zufrieden. Ihm war das Spiel zu umständlich, gerade auf den Außenbahnen gab es aus seiner Sicht zu viele Ballkontakte. Weil Türkiyemspor hoch verteidigte, wollte Eta viel früher den direkten Ball hinter die Kette sehen. „Außerdem waren mir das zu viele Ecken gegen uns“, sagte er.

Nach dem Seitenwechsel setzte Leipzig seine Forderungen deutlich besser um. Bereits unmittelbar nach Wiederbeginn musste Gündoğdu einen Kopfball nach einer Flanke von rechts zur Ecke abwehren. Wenig später war sie geschlagen: Spielführerin Nele Braunsdorf steckte den Ball in die Tiefe auf Grenz durch. Türkiyemspor reklamierte Abseits, der Pfiff blieb aus – und Grenz nutzte die freie Bahn zum 0:1 (48.).

Nun bekam Leipzig Tempo in sein Spiel. Auffällig war dabei ausgerechnet die erst 17-jährige Nelly Kreuzer. In der ersten Hälfte war sie auf der linken Seite noch kaum zur Geltung gekommen, nach dem Wechsel brach sie über rechts immer wieder durch. Nur ihre Zuspiele ins Zentrum fanden nicht immer eine Abnehmerin. Einmal kam Grenz nach einer Hereingabe dennoch zum direkten Abschluss, schoss aber zu zentral und zu harmlos, um Gündoğdu ernsthaft zu prüfen.

Weil Leipzig das zweite Tor nicht nachlegte, blieb Türkiyemspor im Spiel – und hatte nun selbst seine beste Phase. Nach einer Ecke fiel der Ball Medine Demirci im Strafraum vor die Füße. Eine Top-Chance, doch Demirci setzte den Ball über das Tor. Wenig später wurde der Ball von rechts ins Zentrum gebracht und mehrfach weitergespitzelt, bis Sibel Toktaş mit links zum Abschluss kam. Ihr Schuss strich knapp rechts am langen Eck vorbei.

„Es ist wie ein Fluch. Wie kann man gerade diese Chancen nicht nutzen?“, haderte Türkiyemspor-Trainerin Sinem Solmaz nach der Partie vor allem mit der vergebenen Möglichkeit von Demirci. Für sie zeigen solche Szenen, woran es ihrer Mannschaft momentan fehlt. Ihr Team spiele sich durchaus nach vorne, auch gegen einen Gegner wie Leipzig. Im letzten Drittel fehle dann aber die letzte Konsequenz: zu wenig Nachrücken, zu wenig Entschlossenheit und mitunter auch das nötige Selbstvertrauen.
Die Entscheidung fällt in der 79. Minute
In der 79. Minute beseitigte Leipzig schließlich die letzten Zweifel. Türkiyemspor verteidigte eine Ecke zunächst aus dem Strafraum, doch Johanna Güth kam an der Sechzehnerlinie an den Ball und traf mit einem flachen Schuss gegen die Laufrichtung von Gündoğdu ins rechte Eck zum 0:2.
Grenz hätte das Ergebnis kurz vor Schluss noch deutlicher gestalten können. Nach einer starken Kombination über Charlotte Heckler und Kreuzer wurde sie im Zentrum erneut freigespielt, ließ den Ball geschickt durchlaufen und hatte freie Schussbahn. Mit links setzte sie ihn jedoch über das Tor.



Für Eta überwog anschließend die Erleichterung über die drei Punkte. Die Voraussetzungen waren alles andere als optimal. Vier U17-Spielerinnen standen im Leipziger Kader, zudem waren die etatmäßige Torhüterin und zwei Feldspielerinnen zur ersten Mannschaft aufgerückt. Deshalb musste mit Zoe Werner eine der stärksten Feldspielerinnen der U20 ins Tor, die erst nach etwa einer Stunde ins Feld wechselte. Leipzig hatte im Vorfeld versucht, die Partie verlegen zu lassen, Türkiyemspor stimmte dem jedoch nicht zu.

Am Ende behielt Leipzig verdient die Oberhand. Für Türkiyemspor bleibt dagegen viel Arbeit. Nach den zahlreichen Abgängen steckt die Mannschaft mitten in einem Umbruch und muss sich an das Niveau der Regionalliga anpassen. Gegen Leipzig funktionierte das Verteidigen über weite Strecken ordentlich, und auch eigene Chancen waren vorhanden. Das größere Problem liegt derzeit dort, wo Solmaz es verortet: Wenn sich Möglichkeiten bieten, fehlt im letzten Drittel noch zu oft die Konsequenz, um daraus auch Tore zu machen. Fotos: Matthias Vogel
Turbine dreht das Spiel in sieben Minuten
Der 1. FFC Turbine Potsdam II hat den Chemnitzer FC nach einem 0:2-Rückstand noch mit 3:2 (0:0) bezwungen. Trotz der spektakulären Wende war Trainer Thomas Kandler mit dem Auftritt seiner Mannschaft nur bedingt zufrieden. Zu viele technische Fehler, kaum Torgefahr und zu wenig gute Lösungen im letzten Drittel prägten aus seiner Sicht eine schwache erste Hälfte.

Auch nach der Pause änderte sich zunächst wenig. Zwei Stellungsfehler nutzte Chemnitz dann auch noch eiskalt. Davina Graf, inzwischen von der linken auf die rechte Angriffsseite gewechselt, brach zweimal durch und schoss den Aufsteiger mit einem Doppelpack (55., 61.) mit 2:0 in Führung. Kandler glaubte zu diesem Zeitpunkt selbst kaum noch an eine Wende.
Doch ein Foulelfmeter brachte Turbine zurück. Shirley Rießner war am Trikot gehalten worden, trat selbst an und verkürzte zum 1:2 (82.). Danach, so Kandler, sei seine Mannschaft kaum wiederzuerkennen gewesen.

Plötzlich war deutlich mehr Schwung im Potsdamer Spiel. Nach einer zunächst abgewehrten Ecke brachte Leonie Gattermann den Ball erneut in den Strafraum, Pia Pantel traf aus kurzer Distanz zum 2:2 (85.). Kurz darauf scheiterte Pantel noch an der Latte.
In der 89. Minute war die Partie tatsächlich gedreht. Nach einer Ecke von links klärte Chemnitz per Kopf steil nach oben. Torhüterin Franziska Frohs kam zunächst heraus, zögerte dann aber – Alea Pospiech hielt den Fuß hin und der Ball trudelte zum 3:2 ins Tor. Beim anschließenden Zusammenprall hätte Chemnitz-Trainer Sven Wolf gerne ein Foul gesehen, Kandler dagegen nicht.

Und selbst danach wackelte der Sieg noch einmal. Ein missglückter Rückpass brachte Chemnitz in der Nachspielzeit eine große Ausgleichschance, die Potsdams Torhüterin Emily Bauer entschärfte. „Da dürfen wir uns nicht beschweren, wenn es noch ein Unentschieden gibt“, sagte Kandler.
So blieben drei Punkte und vor allem die Moral als großes Plus. Schon gegen Magdeburg war Turbine nach einem Rückstand zurückgekommen. Spielerisch blieb diesmal vieles Stückwerk – aufgeben wollte diese Mannschaft aber erneut nicht.
Hansa schlägt ganz spät zurück
Der SV Eintracht Leipzig-Süd und der FC Hansa Rostock haben sich 1:1 (0:0) getrennt. Für Leipzig fühlte sich das Remis allerdings wie ein verlorener Sieg an: Erst in der 93. Minute traf Vivien Knappe für Hansa zum Ausgleich.

Leipzigs Trainer Stefan Franke war mit dem Auftritt seiner Mannschaft nicht zufrieden. Zu viele Spielerinnen hätten an diesem Tag nicht ihre volle Leistung abgerufen, dazu kamen zahlreiche unsaubere Bälle. Zwar erspielten sich die Gastgeberinnen vor und nach der Pause einige gute Möglichkeiten, Hansa blieb aber griffig und kam ebenfalls zu Chancen.

Als Lena Güldenpfennig in der Schlussphase im Strafraum zu Fall gebracht wurde, schien Leipzig doch noch auf die Siegerstraße einzubiegen. Emily Reißmann verwandelte den fälligen Elfmeter zum 1:0 (80.).

Doch Hansa gab nicht auf – und wurde in der Nachspielzeit belohnt. Einen langen Ball in den Strafraum konnte Leipzig trotz mehrerer Gelegenheiten nicht klären. Schließlich kam Knappe zum Abschluss, der Ball wurde noch abgefälscht und schlug im Winkel ein. Leipzigs Torhüterin war noch dran, konnte das 1:1 aber nicht verhindern.

„Extrem bitter“ sei der Zeitpunkt gewesen, sagte Franke. Den Ausgleich selbst hielt er jedoch für nicht unverdient. Leipzig habe an diesem Tag die entscheidenden Prozent vermissen lassen – Hansa nutzte das und nahm mit dem Lucky Punch noch einen Punkt mit nach Rostock. Fotos: @oooarielleooo
Erfurt verzweifelt an der Chancenverwertung
Der SV Blau-Weiß Hohen Neuendorf hat beim 1. FFV Erfurt überraschend mit 2:1 (2:0) gewonnen. „Wir sind bedient“, sagte Erfurts Trainer Gino Heinze nach einer Partie, in der seine Mannschaft rund 80 Minuten in Unterzahl spielte, dennoch klar das Geschehen bestimmte. 25:3 Torschüsse zählte Heinze – nur ins Tor wollte der Ball lange nicht.

Anders die Gäste: Paula Reutter brachte Hohen Neuendorf in der 17. Minute mit einem aus Erfurter Sicht vermeidbaren Treffer in Führung. Ihr Schuss aus rund 16 Metern kullerte ins Eck. Beim 0:2 nutzte Alexandra Almasalme einen Fehler in der Erfurter Defensive, war frei durch und schob ein (29.).

Erfurt blieb trotz Unterzahl dominant und erspielte sich zahlreiche Möglichkeiten. Mehr als der Anschlusstreffer durch einen stark getretenen Freistoß von Lea Schrenk (65.) sprang aber nicht heraus.

„Während wir gefühlt 100 Millionen Chancen für ein Tor brauchen, macht Hohen Neuendorf aus zwei halben Chancen zwei Tore“, fasste Heinze den Nachmittag zusammen. Mit der spielerischen Leistung seiner Mannschaft war er dennoch einverstanden. Sein einziger großer Kritikpunkt: die Chancenverwertung. Hohen Neuendorf dagegen machte aus wenig sehr viel – und nahm drei Punkte mit nach Berlin. Fotos: Sebastian Dühring
Magdeburg lässt Jena keine Chance
Der 1. FC Magdeburg hat die zweite Mannschaft des FC Carl Zeiss Jena deutlich mit 6:0 (2:0) bezwungen. Von Beginn an bestimmten die Gastgeberinnen die Partie und ließen gegen die sehr junge Jenaer Mannschaft keinen Zweifel daran aufkommen, wer den Platz als Sieger verlassen würde.
Schon in der Anfangsphase hatte Magdeburg mehrere Möglichkeiten. Neele Abraham sorgte nach einer flachen Hereingabe für das 1:0 (19.), die kurz zuvor eingewechselte Kira Bölke erhöhte auf 2:0 (34.). Jenas gefährlichste Gelegenheit blieb ein Distanzschuss, den Pearl Neumann zur Ecke lenkte.
Nach der Pause machte der FCM schnell alles klar. Carlia Johnson traf unmittelbar nach Wiederbeginn zum 3:0 (46.), Mia Juhnke legte wenig später das 4:0 nach (50.). Damit war die Partie endgültig entschieden.
Magdeburg blieb dennoch am Drücker. Antonia Schulz erhöhte auf 5:0 (72.), ehe Lara Montzki mit einem sehenswerten Freistoß den Schlusspunkt setzte (80.).
„Wir haben mit Abstand souverän gewonnen, von der ersten bis zur letzten Minute“, sagte FCM-Trainer Nico Koch. Seine Mannschaft sei „in allen Belangen überlegen“ gewesen. Gleichzeitig zollte er den Gästen Respekt: Jena trat mit zahlreichen Spielerinnen der Jahrgänge 2009 und 2010 an und sei aus seiner Sicht besser gewesen, als es das deutliche Ergebnis vermuten lasse.
Für Magdeburg war es vor allem ein Auftritt ohne die Probleme der vergangenen Wochen. Sechs verschiedene Torschützinnen machten aus der klaren Überlegenheit diesmal auch einen entsprechend klaren Sieg.
Union belohnt sich diesmal konsequent
Der 1. FC Union Berlin II hat Aufsteiger FSV Babelsberg 74 deutlich mit 6:1 (2:0) bezwungen. Anders als bei manchem Auftritt zuvor belohnten sich die Köpenickerinnen diesmal für ihren Aufwand – und machten aus ihrer Überlegenheit auch Tore.
Den Anfang machte Hannah Wegner mit einem sehenswerten Treffer. Nach einer Flanke von Louisa Kähler ließ sie den Ball mit dem ersten Kontakt auf ihren rechten Fuß tropfen und traf aus der Drehung zum 1:0 (26.). „Ein sehr schönes Tor“, befand auch Union-Trainerin Anja Matthes.
Beim 2:0 lief Lea Aseko Nkili allein auf Babelsbergs Torhüterin zu und brachte den Ball an ihr vorbei. Michaela Ahlberg war mitgelaufen und schob ein (32.). Babelsberg kam nach der Pause noch einmal heran: Eine Ecke landete am Lattenkreuz, Denise Simon drückte den Abpraller zum 2:1 über die Linie (55.).
Union ließ sich davon jedoch nicht beirren. Vivien Stibal stellte mit einem Freistoß aus rund 20 Metern auf 3:1 (62.), Aseko Nkili nutzte einen Fehler im Babelsberger Spielaufbau zum 4:1 (75.). Spätestens damit war die Partie entschieden.
Nur eine Minute später erhöhte die eingewechselte Amelie Doganer auf 5:1. Den Schlusspunkt setzte Stibal per Handelfmeter (89.). Simon hatte zuvor auf der Linie mit der Hand geklärt und sah dafür Rot.
Matthes sah den klaren Erfolg vor allem als weiteren Schritt in der Entwicklung ihrer jungen Mannschaft. Mit und gegen den Ball seien Fortschritte erkennbar, gleichzeitig müsse man bei einem jungen Team immer wieder mit Schwankungen rechnen. Auch Babelsberg schätzte sie trotz des deutlichen Ergebnisses weiterhin stark ein.
Für Union war das 6:1 dennoch ein deutliches Zeichen: Diesmal stimmte nicht nur der Aufwand, sondern auch die Konsequenz vor dem Tor.
