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Spät gezündet, spät explodiert – und plötzlich ganz oben

Traumtor in der Nachspielzeit, Elfmeter rausgeholt, Topspiel gezogen: Diana Steinmeyer heißt die Rasenperle der Woche.

Es ist die Nachspielzeit im Topspiel gegen Berolina Mitte, als Diana Steinmeyer den Moment nutzt. Ihr traumhaftes Tor unter die Latte des Gästegehäuses ist der Siegtreffer, hebt den SFC Stern 1900 an die Tabellenspitze – und markiert zugleich einen persönlichen Wendepunkt.

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Foto: Ralf Seedorff

Denn Steinmeyer prägt das Spiel nicht nur mit dem Tor. Sie holt zuvor auch den Elfmeter heraus, den Jennifer Kandetzki zur Führung verwandelt. Zwei Schlüsselszenen, zweimal ist sie zentral beteiligt. Genau das, was sie selbst lange vermisst hat. „Was bringt mir das siebte, achte oder neunte Tor gegen einen schwächeren Gegner? Ich muss auch in den Spitzenspielen treffen“, sagt sie. Performen heißt für sie: Wirkung, wenn es zählt.

„Ich konnte mich die ersten 15 Minuten gefühlt gar nicht bewegen“

Dabei sah es zunächst nicht danach aus. „Ich war extrem aufgeregt, die ersten 15 Minuten konnte ich mich gefühlt gar nicht bewegen.“ Erst als sie sich bewusst ins Laufen zwingt, findet sie Zugriff, wird über die rechte Seite aktiver – und am Ende entscheidend.

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Foto: Matthias Vogel

Die quirlige Angreiferin ist ungemütlich für die Gegner. Spielfreudig sucht sie ständig das Eins-gegen-eins und den Weg zum Tor. Sie ist spätestens seit dieser Spielzeit ein Faktor für Stern – als Beleg dienen auch ihre aktuell 15 Saisontreffer.

Vom Hockey ging es schnell zum Fußball

Der Weg zum Status quo begann vergleichsweise spät. Mit zwölf Jahren wechselte sie vom Hockey zum Fußball, spielte zunächst bei den Jungs des FC Viktoria 1889 Berlin. „Ich hatte von nichts eine Ahnung“, sagt sie rückblickend. Den Anstoß gab eine Schulfreundin. Geprägt wurde sie später vor allem von Roman Rießler, der sie früh in den Frauenbereich hochzog. „Ihm habe ich eigentlich alles, was ich taktisch weiß, zu verdanken. Dribbeln konnte ich schon, aber das war es dann auch.“ Über Hohen Neuendorf führte der Weg schließlich gemeinsam weiter – bis nach Steglitz.

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Foto: Hannah Burkart

Heute, mit 23, stellt sie sich erstmals grundsätzliche Fragen. Aufstieg als Ziel, aber auch als Prüfstein: „Irgendwann will man einfach rauf. Und wenn man mehr will, dann wohl jetzt.“ Gleichzeitig bleibt sie nüchtern. Der Sieg gegen Berolina? „Eigentlich bedeutet er nichts für die Meisterschaft. Es kommen noch so viele Spiele.“ Aber: „Vom Kopf her fühlt es sich gut an. Wir wissen jetzt, dass wir die anderen schlagen können.“

Studentin mit Reisefieber und Hang zu argentinischen Ballvirtuosen

Abseits des Platzes steckt Steinmeyer noch im Studium (Spanisch, Kommunikationswissenschaft), mit klarem Ziel Richtung Medien und politische Kommunikation. Als Halb-Argentinierin und ewiger Barca-Fan war ihr fußballerisches Vorbild lange Lionel Messi – „klingt ausgelutscht, aber war halt so“, sagt sie. Was sie sonst noch so macht? „Ich reise für mein Leben gern.“

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Foto: Hannah Burkart

Das Spiel gegen Bero war eines, das vieles bündelt: Entwicklung, Selbstbild, Anspruch. Und eine Spielerin, die im entscheidenden Moment genau das liefert, was sie selbst eingefordert hat. Das Holz, aus dem echte Rasenperlen eben geschnitzt sind.


Titelbild: Ralf Seedorff