Berolina Mitte dreht Partie bei Türkiyemspor U23 erst in der Schlussphase und gewinnt noch 2:1
Berolina Mitte hat seine Tabellenführung in der Berlin-Liga der Frauen behauptet, der Weg zur Herbstmeisterschaft bei der U23 von Türkiyemspor Berlin war jedoch lang und hart. Bero kontrollierte das Spiel über weite Strecken, fand im letzten Drittel jedoch lange keine Lösungen.

Von Beginn an beherrschte Berolina Ball und Raum, kam auf dem unliebsamen Teppichkunstrasen an der Blücherstraße aber selten hinter die letzte Linie. Türkiyemspor verschob kompakt, hielt die Abstände eng und versuchte, eine gewisse Höhe im Pressing zu wahren. Berolina war dadurch häufig auf Tiefenbälle angewiesen. Diese gerieten auf dem seifigen Untergrund oft zu lang und rutschten ins Aus – oder wurden von der aufmerksam mitspielenden Torhüterin Sophie Kernchen abgefangen.



Eine der wenigen klaren Möglichkeiten für Berolina ergab sich in der ersten Halbzeit nach einer Pressingsituation, als Maiken Ueberschär zum Abschluss kam, den Ball jedoch nicht im Tor unterbringen konnte (35.). Kurz darauf nutzte Türkiyemspor einen seiner Entlastungsangriffe zur Führung: In der 37. Minute brachte Katarina Gordienko den Ball von der linken Seite in den Strafraum. Sarah Wippig lief in die Hereingabe und lenkte den Ball in Richtung Tor ab. Mit welchem Körperteil die entscheidende Berührung erfolgte, war nicht eindeutig zu erkennen. Türkiyemspor war’s auch egal – großer Jubel.
Umstellung von Bero-Coach Frank Krug – aber Tüykiyemspor bleibt stabil
Nach dem Seitenwechsel erhöhte Berolina den Druck. In der 53. Minute ergab sich die bis dahin beste Gelegenheit der Partie: Finja Bruns setzte sich an der Strafraumkante durch und legte quer, Carla Ruf nahm den Ball direkt und nagelte ihn an die Querlatte. Trainer Frank Krug reagierte mit einer Umstellung, brachte Eva Börndorfer für Finja Bruns und zog Ruf weiter nach vorne. Dennoch blieb das Spiel offen, auch weil Türkiyemspor weiter diszipliniert gegen den Ball arbeitete und defensiv wenig zuließ.

In der 74. Minute verpasste Berolina erneut den Ausgleich, als Silvia Engels über die rechte Seite durchbrach, aber an Kernchen scheiterte, die den Winkel gut verkürzte. Lange deutete wenig auf eine Wende hin.
Erst in der Schlussphase wurde der Tabellenführer für seinen Aufwand belohnt. In der 88. Minute spielte Engels den Ball scharf von der rechten Seite in den Strafraum, wo Emma Lamprecht zum Ausgleich traf. In der Nachspielzeit brachte Zehra Badem einen Freistoß in den Strafraum. Der Ball wurde von Karla Wiegmann mit dem Oberschenkel entscheidend abgefälscht und rutschte ins Tor. Der Treffer wurde als Eigentor gewertet und sorgte für Entsetzen bei den Gastgeberinnen. Kurz darauf war Schluss.

Nach dem Abpfiff war die Erleichterung bei Berolina deutlich spürbar. Krug klatschte mit allen Spielerinnen ab und stimmte mit ihnen einen kurzen Siegesreigen an – ein sichtbares Zeichen dafür, wie hart dieser Erfolg erarbeitet werden musste. Bereits ab Mitte der zweiten Halbzeit hatte der Trainer sein Coaching am Spielfeldrand deutlich intensiviert.

In der Analyse zeigte sich Krug selbstkritisch. Er sei mit dem eigenen Spiel nicht zufrieden gewesen, obwohl Berolina vor allem über die Außenbahnen viel Raum gehabt habe. Diese Möglichkeiten seien zu selten konsequent genutzt worden, das Spiel insgesamt zu statisch angelegt gewesen. Dass es am Ende dennoch gereicht habe, sei positiv – zufriedenstellend sei der Auftritt aus seiner Sicht jedoch nicht gewesen.

Sinem Solmaz, Trainerin von Türkiyemspor, bewertete die Niederlage als „extrem ärgerlich“. Es sei nicht das erste Mal in dieser Saison gewesen, dass ihre Mannschaft sich in den Schlussminuten noch um den Lohn ihrer Arbeit gebracht habe. Zudem bedauerte sie, dass der Kader nicht breit genug sei, um gegen Topteams wie Berolina Mitte über die gesamte Spielzeit Paroli bieten zu können. Auch deshalb wiege das Ergebnis schwer, da Berolina insgesamt nur wenige klare Torchancen gehabt habe. Im Gegenzug hätten auch in der zweiten Halbzeit gute Ansätze ihres Teams Berolina in ständiger Aufmerksamkeit gehalten.
Fotos: Matthias Vogel

