wacker4

Stern wie im Rausch

Berliner Meister deklassiert Neukölln +++ Pankow düpiert Friedrichshagen +++ Inter gibt den Wiederholungstäter +++ Hertha II weiter ohne Blöße +++ Schweres Spiel für Viki in der Wrangelritze.

54022

Die Vogel-Perspektive

Zwischen Geduld und Ergebnisdruck

Ein 13:1 ist selbst in der Berlin-Liga, die seit Jahren von erheblichen Leistungsunterschieden geprägt wird, ein außergewöhnliches Ergebnis. Zumal Stern 1900 personell derzeit auf dem Zahnfleisch geht und bei Grün-Weiß Neukölln zuletzt durchaus Anzeichen einer Stabilisierung erkennbar waren. Natürlich kann man Markus Schönes Einschätzung folgen, dass seine Mannschaft einen rabenschwarzen und Stern einen Glanztag erwischt hat. Dennoch wirft dieses Ergebnis erneut die Frage auf, wie groß die sportlichen Abstände innerhalb der Liga tatsächlich sind.

Ganz andere Fragen stellen sich bei Askania Coepenick. Der Verein verfolgt gemeinsam mit seinem Trainerteam Stefan Siegmund und Natti Marò einen bemerkenswerten Ansatz: Junge Spielerinnen sollen die nötige Zeit bekommen, um sich im Frauenfußball zu entwickeln. Ergebnisse sind dabei zunächst nicht der alleinige Maßstab. Gleichzeitig hat Siegmund das Ziel ausgegeben, sich „oben“, also in der Berlin-Liga, zu etablieren. Ein Abstieg ist demnach nicht Teil des Plans. Doch bei bislang null Punkten wird die Tabelle zum unerbittlichen Begleiter. Nach dem Rückzug von Concordia Wittenau dürfte zwar nur noch eine Mannschaft absteigen. Umso spannender wird die Frage, wie Askania den Spagat zwischen geduldiger Nachwuchsförderung und dem notwendigen Ergebnisdruck bewältigt, ohne den eingeschlagenen Weg infrage zu stellen.

Beim FC Internationale wiederum sorgen zwei Siege hintereinander für Erleichterung. Nach dem überraschend schwachen Saisonstart scheint die Mannschaft unter Pascal Armbruster allmählich in die Spur zu finden. Allerdings kamen die Erfolge gegen Teams aus der unteren Tabellenregion zustande. Ob Inter tatsächlich wieder zu alter Stärke gefunden hat, werden erst die nächsten Begegnungen zeigen.

Und schließlich Pankow: Der Erfolg beim favorisierten Friedrichshagen zeigt, wie viel eine kluge taktische Vorbereitung ausmachen kann. Trainerin Josi Ruß fand mit der Umstellung von Sarah Schrader auf die Außenverteidigerposition ein wirksames Mittel gegen die schnellen Friedrichshagener Flügelspielerinnen. Ein Sieg, der nicht nur durch Einsatz, sondern auch durch einen guten Plan zustande kam.


Stern im Torrausch: 13 Treffer bei Grün-Weiß Neukölln

Der SFC Stern 1900 hat seine Favoritenrolle beim BSV Grün-Weiß Neukölln eindrucksvoll bestätigt. Mit 13:1 (5:0) setzte sich der Tabellenführer durch und ließ auch nach einer deutlichen Führung nicht locker. Emina Wacker traf viermal und bereitete etwa genauso viele vor, Margareta Lorenz dreimal.

54041

Schon nach 17 Minuten hatten Wacker (6.) und Lorenz (17.) für klare Verhältnisse gesorgt. Kurz vor der Pause legte Stern innerhalb von fünf Minuten dreimal nach: Wacker (40., 42.) und Jeanne Marsen (44.) schraubten das Ergebnis auf 5:0.

Auch nach dem Seitenwechsel kannte Stern keine Zurückhaltung. Lena Hegnal (47.), Lorenz (50.) und erneut Lorenz (65.) sowie Hegnal (67.) erhöhten weiter. Zwischenzeitlich hatte Chantal Brück (64.) den Ehrentreffer für Neukölln erzielt. Cindy Hagen (68., 80.), Elena Gabler (70.) und Wacker (76.) machten das Debakel für die Gastgeberinnen komplett.

wacker2
Maggi Lorenz (2. v. l.) grätscht den Ball über die Linie des Neuköllner Kastens.

Neuköllns Trainer Markus Schöne sprach von einem „ganz schwarzen Tag“. Seine Mannschaft habe defensiv nie den richtigen Zugriff gefunden. Gleichzeitig zollte er dem Gegner großen Respekt: „Die haben gespielt, als ob es 1:0 stehen würde oder als ob es ganz, ganz eng wäre.“ Selbst über den 13. Treffer hätten sich die Stern-Spielerinnen noch ausgelassen gefreut. „Das ist natürlich auch eine krasse Mentalität“, befand Schöne.

wacker1
Überragende Akteurin auf dem Platz war Sterns Flügelstürmerin Emina Wacker.

Dass seine Mannschaft zumindest offensiv Akzente setzen wollte, sei letztlich auch auf Kosten der defensiven Stabilität gegangen. Nach dem sechsten, siebten und achten Gegentor habe schließlich auch die Moral gelitten. Fotos: Hannah Burkart


Pankow bestraft Friedrichshagens schwache erste Hälfte

Borussia Pankow hat dem Friedrichshagener SV die zweite Saisonniederlage beigebracht. Beim 2:1 (2:1) legten die Gäste mit zwei frühen Treffern den Grundstein zum Erfolg, während Friedrichshagen trotz deutlicher Überlegenheit nach der Pause vergeblich auf den Ausgleich drängte.

Elsa Kaczor brachte Pankow bereits in der vierten Minute nach einem sauber ausgespielten Konter in Führung. Selma Keune erhöhte mit einem Schuss aus 20 bis 25 Metern unter die Latte auf 2:0 (17.). Eine weitere Großchance ließ Angelina Säwe liegen, als sie den Ball nicht zur besser postierten Sophia Schrader querlegte. Friedrichshagen fand zunächst kaum ins Spiel. „Die haben uns mehr gestresst, als wir gedacht haben“, räumte der FSV-Trainer ein.

Immerhin gelang Sarah Weihmann nach Vorarbeit von Sandra Weihmann mit einem sehenswerten Schuss aus rund 18 Metern in den Winkel der Anschlusstreffer (40.).

Nach dem Seitenwechsel übernahm Friedrichshagen die Kontrolle und hatte zeitweise deutlich mehr Ballbesitz. Doch Sarah Weihmann traf nur die Latte, Stella Kränig scheiterte mit einem gefährlichen Abschluss. Allerdings blieb auch Pankow nicht gerade harmlos: Nach einer Hereingabe von Kaczor kam Sophia Schrader aus fünf Metern zum Abschluss, brachte mit ihrem schwächeren rechten Fuß aber zu wenig Druck hinter den Ball und schoss der Torhüterin in die Arme.

Pankow verteidigte den knappen Vorsprung und brachte den Sieg über die Zeit. „Unterm Strich ist der Sieg für Pankow in Ordnung, da wir zu ineffizient waren“, bilanzierte der Friedrichshagener Trainer.


Askania zahlt weiter Lehrgeld

Der Moabiter FSV hat im Abstiegskampf drei wichtige Punkte eingefahren. Beim weiterhin punktlosen Schlusslicht SV Askania Coepenick setzten sich die Gäste mit 2:0 (1:0) durch. Askanias Trainer Stefan Siegmund erkannte den Sieg neidlos an. Moabit sei von Beginn an die druckvollere Mannschaft gewesen und habe sich die Tore verdient.

Nach einer Ecke köpfte Saskia Bunschuh zur Führung ein (41.). Askania konnte den Ball nicht mehr von der Linie klären. Dem zweiten Treffer ging ein Ballverlust der Gastgeberinnen im Vorwärtsgang voraus. Moabit schaltete schnell um, Elisabeth Feß nutzte den freien Raum über die halblinke Seite und vollendete im Eins-gegen-eins mit Askanias Torhüterin Leah Kurz (70.).

Siegmund sieht die Probleme seiner jungen Mannschaft weniger im taktischen oder technischen Bereich. Vielmehr fehle es noch an der nötigen Körperlichkeit, um gegen gestandene Frauenteams zu bestehen. Der zusätzliche Kraftaufwand koste Energie, die anschließend in anderen Situationen fehle.

Vorwürfe macht der Trainer seinen Spielerinnen trotz der ernüchternden Bilanz von null Punkten nicht. Einsatz und Trainingsbereitschaft stimmten. Die Umstellung vom Jugend- auf den Frauenfußball brauche schlicht Zeit. Diesen Entwicklungsprozess wollen Verein und Trainerteam konsequent begleiten.

Überschattet wurde die Partie von einer offenbar schwereren Verletzung von Sophie Hentschel, die ausgewechselt werden musste (54).


Hansa lässt Viktoria nicht durch

Ein Punkt, ein aberkanntes Tor und das Gefühl, dass mehr möglich gewesen wäre: Die FSV Hansa 07 hat sich bereits am Samstag mit einem 0:0 (0:0) von Viktoria Berlins U23 getrennt. „Wir haben ein super Spiel gemacht und waren näher an den drei Punkten als Viktoria“, sagte Hansa-Trainer Philipp Pawelzik.

Ohne die angeschlagene Marta Zander-Zeidam überließ Hansa den Gästen zunächst größere Spielanteile, hatte nach Einschätzung des Trainers aber schon vor der Pause die besseren Chancen. Kim Ruoff scheiterte aus halbrechter Position an einer starken Parade von Luisa Kaiser. Auch defensiv überzeugten die Gastgeberinnen: „Die haben schon Power nach vorne, aber wir haben alles gut wegverteidigt“, lobte Pawelzik.

Unmittelbar nach dem Seitenwechsel landete eine Ecke von Lea Berndorf im Tor. Pawelzik hatte den Ball direkt im Netz gesehen, das Schiedsrichtergespann entschied jedoch auf ein Foul an der Torhüterin und erkannte den Treffer nicht an. Ein Kopfball von Sonja Laukemper geriet zu zentral, auch Wiebke Howestädt blieb mit einem Abschluss erfolglos.

Mit den vielen Wechseln auf beiden Seiten wurde die Partie nach Pawelziks Eindruck zunehmend unruhiger. Hansa blieb dennoch dran und erspielte sich weitere Möglichkeiten. „Aber es ging halt keiner rein.“ Der Trainer konnte mit dem Punkt leben, sah aber auch die Chance auf drei. Zugleich blieb für ihn klar: Viktoria besaß die Qualität, die Partie mit einer einzelnen Aktion ebenfalls noch zu entscheiden. Viki-Coach Darien Hoffmann sagte nach der Partie im Sandkasten der Liga: „Ein sehr schweres Spiel für uns.“


Hertha macht früh alles klar

Hertha BSC II hat gegen Lichtenberg 47 nichts anbrennen lassen. Beim souveränen 5:0 (3:0) sorgte der Aufsteiger bereits in der Anfangsviertelstunde für klare Verhältnisse. Anschließend kontrollierten die Gastgeberinnen die Partie, ließen allerdings zahlreiche Möglichkeiten auf einen noch höheren Sieg ungenutzt.

Gerade einmal drei Minuten waren gespielt, als Aliki Röttgen nach einer Ecke per Kopf die Führung erzielte. Mara Bähr legte mit einer technisch anspruchsvollen Aktion nach: Einen hohen Ball nahm sie am Strafraum mit rechts an und versenkte ihn anschließend volley im linken Eck (12.). Nur zwei Minuten später vollendete Anthonia Sarre nach einer Kombination über die rechte Seite zum 3:0.

Hertha blieb spielbestimmend, kombinierte sich immer wieder über die Flügel und durch das Zentrum in aussichtsreiche Positionen. Anouk Westphal traf noch vor der Pause die Latte, weitere Chancen blieben ungenutzt.

Nach dem Seitenwechsel holte die eingewechselte Elisa Winter einen Elfmeter heraus, den Amelie König sicher verwandelte (50.). Westphal erhöhte nach einem gewonnenen Eins-gegen-eins auf 5:0 (55.). Danach nahmen die Gastgeberinnen etwas Tempo heraus.

Eine starke Vorstellung bot auch die erst 17-jährige Linksverteidigerin Talia Lorenz Lee. Die Nachwuchsspielerin verteidigte ihre Seite aufmerksam, schaltete sich immer wieder ins Angriffsspiel ein und überzeugte mit klugen Laufwegen. Insgesamt war es jedoch vor allem eine geschlossene Mannschaftsleistung, mit der Hertha seine Ambitionen im oberen Tabellendrittel untermauerte.


Inter legt früh den Grundstein zum Sieg

Der FC Internationale Berlin scheint seine anfänglichen Schwierigkeiten allmählich hinter sich zu lassen. Mit dem 2:0 (2:0) bei Türkiyemspor Berlin U23 feierte Inter den zweiten Sieg in Folge. Die Gastgeberinnen zeigten sich gegenüber den vergangenen Wochen zwar verbessert, mussten sich aber einem insgesamt überlegenen Gegner geschlagen geben.

Bereits in der zweiten Minute nutzte Inter einen Ballverlust der Gastgeberinnen nach einem eigenen Einwurf in Höhe des Strafraums. Über den Flügel ging es bis zur Grundlinie, der Rückpass fand eine Mitspielerin, deren Abschluss an die Latte klatschte. Aliya Türker stand goldrichtig und staubte zum 0:1 ab.

Auch beim zweiten Treffer passte das Timing. Julia Marinowski startete im richtigen Moment hinter die Abwehrkette, erreichte einen langen Ball und ließ Türkiyemspors Torhüterin Sophie Kernchen im Eins-gegen-eins keine Chance (38.).

Türkiyemspor fand offensiv häufiger statt als zuletzt. Zweimal konnte Inter gefährliche Angriffe nur durch taktische Fouls unterbinden. Dennoch waren die Gäste insbesondere vor der Pause das aktivere Team. Im zweiten Durchgang erspielte sich Inter weitere Möglichkeiten, die Türkiyemspor entweder besser verteidigte oder die starke Kernchen vereitelte.

Trainer Mert Maska erkannte den verdienten Erfolg der Gäste an, sah aber Fortschritte bei seiner Mannschaft. „Tendenz nach oben, aber immer noch zu wenig“, lautete sein Fazit. Während Türkiyemspor zunehmend in den Tabellenkeller rutscht, kann Inter nach zwei Siegen gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenregion aufatmen. Ob die Trendwende von Dauer ist, muss sich nach der Spielpause zeigen.


Titelbild (Hannah Burkart): Auch Jeanne Marsen vom SFC Stern 1900 traf ins Schwarze.