Im Achtelfinale des Polytan-Cups hat der Berlin-Ligist FC Inter dem Regionalligisten Blau-Weiß Hohen Neuendorf einen leidenschaftlichen Kampf geliefert – und erst in der Verlängerung mit 2:3 verloren.
Schon im ersten Durchgang war vom Klassenunterschied wenig zu sehen. Hohen Neuendorf hatte mehr Ballbesitz und die klareren Chancen. Lina Krauss traf von der Strafraumkante aus nur den Pfosten (11.) und Jann Bettin verfehlte mit einem Kopfball nach einer Flanke von der linken Seite nur knapp das Ziel (34.). Und dann war da noch ein langer Flugball von Lenina Burghardt aus dem Halbfeld, den die Innenverteidigung von Inter zwar unterlief, für dessen Annahme Krauss aber eine Stiefelspitze fehlte. Hohen Neuendorfs Trainer Christian Liedtke fasste die vergebenen Chancen während der ersten Schicht später so zusammen: „Da hat uns ein wenig Glück gefehlt.“

Inter hatte bis dato kompakt verteidigt, war giftig in den Zweikämpfen und immer wieder um Nadelstiche bemüht. Bis zum Strafraum sah das ganz gut aus, richtige Torgefahr entstand nicht. Kurz nach der Pause war die Abwehr des Berlin-Ligisten aber überlistet. Der Angriff aus der Niederheide rollte über rechts an, den Ball ins Zentrum kickte Bettin aus zentraler Position an den linken Innenpfosten. Jetzt hatte Hohen Neuendorf das zuvor vermisste Glück. Denn die Kugel sprang von dort Krauss vor die Füße, die sie dann über die Linie stocherte (47.). Der Anfang von Inters Ende? Mitnichten!
Die Thomaschewski-Elf schlug beeindruckend zurück: Einen katastrophalen Fehler im Hohen Neuendorfer Spielaufbau nutzte Alicia Block gedankenschnell mit einem wunderschönen Heber aus 25 Metern über Torhüterin Marie Ulrich hinweg zum 1:1 (55.), ehe Zuzanna Quinkenstein in der 61. Minute mit einer weiteren Bogenlampe vom linken Flügel – mutmaßlich als Flanke gedacht – in die lange Ecke die Partie drehte – unter großem Jubel der Interistas.

Nun war es am Regionalligisten, zu verdauen und zu handeln. Das dauerte eine Viertelstunde. Dann kam die eingewechselte Sarah Tiede über die rechte Seite angerauscht, flankte ins Zentrum und Lina Krauss war den berühmten Schritt eher am Ball als Inter-Torhüterin Lamis Tiehen (77.): 2:2. Spannung pur und Verlängerung.
Dort entschied schließlich Antonia Platte die Partie zugunsten des Favoriten: In der 97. Minute traf sie nach einer Flanke – erneut von der rechten Seite und erneut unbedrängt – in die lange Ecke zum 3:2 (97.). Nur zwei Minuten später hätte Lena Hegnal fast für den kompletten Wahnsinn gesorgt, ihr Distanzschuss klatschte jedoch nur an die Latte (99.). So blieb es beim 2:3, nicht unverdient, aber die Überraschung war greifbar nahe.
Nach dem Abpfiff zog Inters Trainer Oliver Tomaszewski ein gemischtes Fazit: „Alle drei Gegentore fallen nach Flanken von rechts – das müssen wir künftig besser verteidigen. Trotzdem war das ein richtig starker Auftritt. Wir haben Hohen Neuendorf kaum klare Chancen gelassen, über 120 Minuten mutig dagegengehalten und dürfen stolz sein.“

Besonders ärgerte den Inter-Coach, dass der Schiedsrichter kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit seinem Team einen Treffer aberkannte. Ulrich war ein hoher Ball aus den Händen geglitten. Block hatte das leere Tor getroffen, der Unparteiische aber ein Foul an der Torhüterin gepfiffen. Nach dem Spiel habe das Gespann eingeräumt, dass das eine Fehlentscheidung gewesen sei, so Thomaschewski. „Bitter – aber es war ein Spiel, das gezeigt hat, was in uns steckt.“
Hohen Neuendorfs Coach Christian Liedtke zollte dem Gegner Respekt, haderte aber auch mit der Leistung seiner Mannschaft: „Wir sind natürlich froh, die nächste Runde erreicht zu haben, aber zuerst muss man sagen: Kompliment an Internationale. Sie haben aus ihren Möglichkeiten das Maximum herausgeholt und uns mit ihren Aktionen nach unseren Fehlern bestraft. Wir haben nicht das gemacht, was wir uns vorgenommen hatten. Am Ende war es etwas glücklich – vielleicht auch, weil bei Inter die Kräfte nachgelassen haben. Die letzten drei Spiele in der Regionalliga liefen nicht gut. Für uns war es deshalb wichtig, mal wieder ein Erfolgserlebnis zu haben und im Pokal zu überwintern.“
Fotos: Laura Timme

