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Top-Trio gibt sich keine Blöße

Stern, Bero und Pankow verbuchen klare Siege +++ Moabit revanchiert sich für das Pokal-Aus und holt drei enorm wichtige Zähler

Borussia Pankow – Friedrichshagener SV 4:0 (1:0): Sarah Schrader ballert los

Josi Ruß wird in der Kabine nicht laut, sagt sie. „Aber ich denke, meine Spielerinnen haben schon gemerkt, dass ich mit der ersten Hälfte nicht einverstanden war.“ Genervt sei sie in den ersten 45 Minuten gewesen. Weil Friedrichshagen forsch anlief, Pankow sich beeindruckt zeigte und sich einige Fehler im Spielaufbau leistete. „Dabei gab es hinter der ersten Reihe genügend Raum. Aber anstatt sie ruhig zu überspielen – was die halbe Miete gewesen wäre – haben wir ihr Bälle direkt in die Füße gespielt.“ Auch wenn die Gäste solche Einladungen ausschlugen und Pankow kein Schaden entstand, da erwarte sie einfach mehr, gab die Borussia-Trainerin zu Protokoll.

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Sarah Schrader (Mitte) erwischte einen Sahnetag und markierte drei Treffer für Borussia Pankow. Foto: Borussia Pankow

Und weil Sarah Schrader – an diesem Tag für ihre Schwester Sophia als Neun unterwegs – schon vor der Pause losballerte, ging Ruß dann auch noch der letzte Impuls für eine lautstarke Kabinenpredigt verloren. Die 18-Jährige eroberte sich selbst den Ball, rannte los und schob ein (18.).

Nach der Pause habe es dann „Klick“ gemacht, berichtete Ruß. Also: Pressende Friedrichhagenerinnen wurden überlegt überspielt und nun fielen auch die Tore. Einen Freistoß von Kathi Wenk lenkte Schrader mit der Hacke zum 2:0 in die Maschen (56.). Vorhang auf zum 3:0: Die eingewechselte Emma Lehberger legte nach einem Angriff über die rechte Seite den Ball quer, Sarah Schrader knallte ihn an den Innenpfosten, und weil sie gleich durchlief den Abpraller in den Kasten (68.). Lehberger sorgte dann selber für den Endstand. Sie wuchtete ein halbhohes Zuspiel von Charlotte Lempke volley unter die Latte des Gästegehäuses.

Ruß zeigte sich begeistert von der erst 15-jährigen Borussin in der Zentrale: „Die Vorlage für Sarah war sehr schwer und das Zuspiel von Charlotte nicht optimal. Mit welcher Selbstverständlichkeit sie diese Bälle spielt, ist richtig stark.“ Mit dem Dreier war die Trainerin dann natürlich auch zufrieden, schließlich bleibt Pankow dadurch dem Führungsduo Stern und Bero dicht auf den Fersen.


SV Lichtenberg 47 – SFC Stern 1900 0:5 (0:3): „Stern ist Tempo!“

Innerhalb von 20 Minuten war der Fisch für den Tabellenführer in der Dose. Bis dahin hatten Aldijana Ibrisevic (8., 21.) und Xenia Zeinert (16.) schon dreimal eingehakt. Diana Steinmeyer erhöhte nach knapp einer Stunde auf 4:0 und die starke Sofie Roll krönte ihre Leistung im Zentrum der Steglitzerinnen mit einem herrlichen Distanzschuss zum Endstand (87.). Alle anderen Tore seien nach dem gleichen Muster gefallen, sagte Lichtenbergs Trainer Martin Biermann nach dem Spiel: „Stern ist Tempo. Sie kommen über außen, und legen dann den Ball zurück.“

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Sterns Doppeltorschützin Aldijana Ibrisevic (r.). Foto: SFC Stern 1900

Geknickt über die deutliche Abfuhr zeigte sich Biermann nicht: „Das hätte auch deutlich höher ausfallen können. Und dennoch haben wir für unsere Verhältnisse heute alles richtig gemacht, haben gut Paroli geboten. Wichtig war, dass sich die Mannschaft nicht hat unterkriegen lassen. Und ich denke, dafür werden wir uns in den nächsten Spielen auch wieder belohnen.“

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Diana Steinmeyer (l.), hier im Duell mit Juliana Heynen, markierte ihren siebten Saisontreffer. Foto: SFC Stern 1900

Auch habe sich sein Team die „eine oder andere“ gute Torchance erspielt – etwa durch Elisa Gronau – , die Sterns Torhüterin Toni Haertel aber gut rausgeholt habe. Und: Gegen Teams aus den Top 5 der Liga sei es keine Schande zu verlieren. „Wenn wir am Ende der Saison den Haken am sechsten oder siebten Platz ranmachen, können wir happy sein.“


FC Inter – Türkiyemspor U23 1:0 (0:0): Nichts für schwache Nerven!

Es war ein Geduldsspiel für den FC Inter. Erst in der letzten Spielminute erlöste Torjägerin Lena Hegnal das Team von Trainer Oliver Thomaschewski. Begünstigt vielleicht durch die Rote Karte, die sich Türkiyemspors Ida Ochmann in der Schlussphase einhandelte, aber jedenfalls eingeleitet von einem sehr schönen Angriff über die rechte Seite, an dessen Ende Cindy Hagen die einlaufende Hegnal am zweiten Pfosten mustergültig bediente. 1:0-Sieg, Blau-Schwarzes Jubel-Knäuel, Saisontor Nummer zwölf für die agile Stürmerin.

Und Cindy Hagen? Erfüllte die Idee ihres Coaches, dem Spiel die gewünschte Richtung zu geben, mit Leben. Hagen begann in der Innenverteidigung, wurde dann für die letzten 20 Minuten auf den rechten Flügel beordert, wirbelte dort ordentlich umher und bereitete schließlich den entscheidenden Treffer vor.

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Cindy Hagen (r.) bereitete den entscheidenden Treffer für Inter vor. Archivbild: Laura Timme

Ein verdienter Sieg war das nach Ansicht von Thomaschewski am Ende. Der Coach verzichtete angesichts des angefrorenen Belages auf das übliche Angriffspressing und ließ seine Mannschaft kompakt stehen, Türkiyemspor „mal machen lassen“ und auf Ballgewinne durch abgefangene Pässe lauern. „Es galt, gut zu verschieben und mögliche Passwege zuzustellen. Das hat ganz gut funktioniert.“ Am Ende, das habe die Videoanalyse nach dem Spiel ergeben, verzeichnete Inter eine Torschuss-Bilanz von 14:1.

Dass es da nicht zu einem deutlichen Sieg reichte, hatte etwas mit Kevser Gündogdu zu tun. Die etatmäßige Torhüterin der Regionalliga-Elf half bei der zweiten Garnitur der Kreuzbergerinnen aus und das ganz ausgezeichnet. „Sie hat einige Großchancen zunichte gemacht“, so Thomaschewski.


RW Viktoria Mitte – Moabiter FSV 0:4 (0:3): Brutal wichtige Punkte für Moabit im Bezirksderby

Überschwängliche Freude hier, hängende Köpfe dort. Der Moabiter FSV hat sich bei Viktoria Mitte für die 0:1-Pokalschlappe in der vergangenen Woche revanchiert und schon bis zur Pause alles klar gemacht. Emely Jäger – wehe wenn da und losgelassen – traf bis dahin zweimal ins Schwarze (22., 43.), der Dosenöffner gab Fine Herzog schon in der ersten Spielminute.

Viki-Coach Nils Tobela stellte fest: „Meiner Meinung nach hätte das Spiel auf unserem gefrorenen Platz an der Behmstraße nicht angepfiffen werden dürfen. Wurde es aber und Moabit ist mit dem rutschigen Untergrund deutlich besser klar gekommen als wir. Wir haben einfach die erste Hälfte komplett verschlafen.“ Konkret: Bei den ersten beiden Gegentreffern wurde jeweils der erste Ball aus dem Torraum bugsiert, der zweite Ball aber nicht attackiert, weshalb Herzog und Jäger ungehindert einputten konnten.

Der Trainer hätte sich den Auftritt seiner Elf in der zweiten Hälfte von Anfang an gewünscht. „Da lief es viel, viel besser.“ Die Partie war natürlich längst gelaufen, weshalb die kuriose Bogenlampe von Moabits Außenverteidigerin Kiara Lohmann, die sich zum 0:4 in die Maschen senkte (70.), auch keinen großen Geist mehr störte. Moabit hat das nächste direkte Duell im Kampf gegen Abstieg für sich entschieden, damit liegt der Aufsteiger voll im von Trainer Martin Meyer zu Beginn der Saison definierten Soll.

Nils Tobela bleibt trotz aktuellem Abstiegsplatz zuversichtlich: „Nach dem Umbruch mit vielen Weg- und Zugängen sind wir noch nicht eingespielt. Zur Winterpause kommen einige Verletzte zurück. Die Stimmung ist unverändert gut und wenn wir in der Rückrunde unsererseits diese Duelle für uns entscheiden, wird das hintenraus noch spannend.“


Berolina Mitte – FSV Hansa 07 5:0 (1:0): Der Favorit rutscht besser

Auch an der Kleinen Hamburger Straße glich die Berlin-Liga Begegnung einem Schlittschuhlauf. „Gerade die mit Stollenschuhen sind bei uns dauernd ausgerutscht“, berichtete Beros Trainer Frank Krug. Dennoch: Kim Nenninger brachte die Gastgeberinnen eine Minute vor dem Seitenwechsel in Führung. Weil aber in der ersten Hälfte der Zugriff im Zentrum fehlte, ordnete Krug zur Pause nicht nur anderes Schuhwerk an, sondern nahm auch drei Wechsel vor. Die etwas lädierte Silvia Engels sollte eigentlich geschont werden, fortan aber auf außen für Tempo sorgen, Emma Lamprecht rutschte von der Acht in die Innenverteidigung, Carla Ruf von der Bank auf die Acht.

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Zwei Nummern, drei Buden: Beros Eva Borndörfer (6) traf einmal, die überragende Arzum Eren (27) zweimal. Foto: Berolina Mitte

Angetrieben von der erneut vor Spielfreude sprühenden Arzum Eren gelang dann prompt das schnelle 2:0 (48.) – eben durch Eren. „Von da ab lief es wie am Schnürchen“, freute sich Krug. Eva Borndörfer (51.), wieder Eren (64.) und wieder Nenninger (80.) schraubten das Ergebnis in die Höhe. Der Auftritt der Innenverteidigerin war bemerkenswert. In der ersten Hälfte verballerte sie einen Elfmeter, das hinderte sie aber nicht daran, in der 80. einen weiteren zu verwandeln. „Dazu gehört schon Mut und Selbstbewusstsein“, lobte Krug.