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Überraschende Rutsche für Unions U23

Matthes-Elf erwischt gegen Leipzig II einen rabenschwarzen Tag +++ Türkiyemspor und Hohen Neuendorf lassen wichtige Punkte liegen.

U23 1. FC Union Berlin – RB Leipzig II: Zweimal zehn Minuten zum Vergessen

Wer den Liveticker der Partie verfolgte, rieb sich verwundert die Augen: Die U23 des 1. FC Union Berlin Frauen geriet gegen RB Leipzig Frauen II früh deutlich ins Hintertreffen – und verlor am Ende klar mit 3:8 (0:4). Dabei begann das Spiel ausgeglichen. „Die ersten 15 Minuten sah es gar nicht so aus, dass es so ein klares Ergebnis wird“, sagte Trainerin Anja Matthes.

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Hannah Kratz (Nummer 24) und ihr Team erreichen gegen Leipzig nicht ihr Leistungsmaximum.

Dann kippte die Partie abrupt. Innerhalb von rund zehn Minuten nutzte Leipzig mehrere einfache Fehler konsequent aus. Union stand phasenweise zu hoch, verteidigte im Eins-gegen-eins nicht sauber – und wurde dafür sofort bestraft. Nathalie Grenz brachte Leipzig in Führung, Kyra Spitzner legte nach, ehe Lenie Pospischil und erneut Spitzner bis zur Pause auf 0:4 stellten. Auch strittige Szenen prägten diese Phase: Beim Stand von 0:2 blieb ein möglicher Elfmeter für Union aus, vor dem dritten Gegentor reklamierte Union ein Foulspiel an der Torhüterin.

Die Hoffnung währte nur kurz

Nach dem Seitenwechsel zeigte Union zunächst die richtige Reaktion. Elisabeth Steiner verkürzte in der 51. Minute auf 1:4 – ein Moment, in dem zumindest kurz Hoffnung aufkam, das Spiel noch einmal zu öffnen. „Da hattest du das Gefühl, okay, wenn du jetzt das 2:4 machst, dann wird es ein richtig spannendes Ding“, sagte Matthes. Genährt wurde die Annahme vom eigenen Offensivspiel. Das habe nämlich durchaus stattgefunden, sei aber im letzten Drittel etwas zu inkonsequent vorgetragen worden. Doch es kam eh gänzlich anders.

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Die Mannschaft ratlos …

Erneut verlor Union nämlich die Ordnung. Zu unkonzentriert, zu inkonsequent, zu anfällig für einfache Ballverluste – und das gegen einen Gegner, der genau daraus Kapital schlägt. Mit einem Dreifachschlag binnen sechs Minuten schraubten Spitzner (63.) und zweimal Grenz (65., 69.) das Ergebnis auf 1:7 und entschieden die Partie endgültig.

In der Schlussphase entwickelte sich ein offener Schlagabtausch ohne Einfluss auf den Ausgang. Megan Reichenbach traf zum 2:7 (75.), Leonie Preußler stellte den alten Abstand wieder her (85.), ehe Lucia Schwoche in der Schlussminute den 3:8-Endstand markierte. Matthes ordnete die Niederlage klar ein. Mehrere Spielerinnen hätten „einen schlechten Tag“ erwischt, insgesamt habe ihre Mannschaft „nicht ans Leistungslimit“ gefunden. Zugleich betonte sie die Qualität des Gegners und dessen Entwicklung.

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… Trainerin Anja Matthes bedient.

Das Farmteam der Köpenickerinnen wollte in dieser Spielzeit so schnell wie möglich die für den Klassenerhalt nötigen Punkte hamstern. Dass man sich dabei zum härtesten Verfolger von Branchenführer Hertha BSC gemausert hatte, sei „eine Auszeichnung für die Mädels und deren Arbeit, die sie Tag für Tag leisten“, so Matthes. Der deutliche Rückschlag wird deshalb keineswegs als einer im Meisterschaftsrennen, sondern als Lernprozess bewertet – und als Anlass, die eigenen Abläufe für die kommenden Aufgaben wieder zu schärfen. Schon beim Auswärtsspiel am 11. April bei Hansa Rostock. Fotos: Jens Knohr


Türkiyemspor Berlin – 1. FFC Turbine Potsdam II 0:0: Punktgewinn mit Beigeschmack

Türkiyemspor Berlin hat sich in der Regionalliga Nordost beim 0:0 gegen Turbine Potsdam II einen Zähler erarbeitet – und dennoch mehr liegen lassen. Sowohl in der ersten als auch in der zweiten Hälfte blieb es über weite Strecken bei Halbchancen auf beiden Seiten. Trainer Amadou Konde sah dabei zunächst mehr Spielanteile bei den Gästen, ärgerte sich nach der zweiten Hälfte jedoch ein wenig über das Ergebnis.

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Anna Fechner hatte zweimal die große Chance auf den Führungstreffer.

Denn die klarsten Möglichkeiten gehörten Türkiyemspor: Zweimal lief Anna Fechner allein auf die gegnerische Torhüterin zu, setzte den Ball jedoch jeweils am Tor vorbei. Darüber hinaus sorgten Fechner, Meliah Hartmann und Angelina Lübke laut Trainer Amadou Konde immer wieder für weitere furiose Offensivaktionen, ohne den entscheidenden Treffer zu erzwingen. Deshalb war es eher Euphorie mit gebremstem Schaum, die er versprühte: „Wir sind froh, dass wir jetzt mal einen Punkt geholt haben. Drei wären aber auch verdient gewesen.“

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Meliah Hartmann (l.) setzte für Türkiyemspor Offensivakzente – ein entscheidender war nicht dabei.

Aber keine Frage: Nach dem personellen Umbruch im Winter und einer kleinen Niederlagenserie zum Auftakt des Restprogramms ist der Punkt für die Kreuzbergerinnen dennoch enorm wichtig. Mit Blick auf die Osterpause richtet sich der Fokus nun auf Regeneration. Torhüterin Kevser Gündogdu feierte nach Verletzung gegen Potsdam schonmal ihr Comeback, weitere Ausfälle sollen möglichst wieder fit werden. Weiter geht es für Türkiyemspor nach der Pause beim SV Eintracht Leipzig-Süd – dann mit dem Ziel, wieder zu punkten, am besten dreifach. Fotos: Loredana Zafisambondaoky


FC Carl Zeiss Jena II – SV Blau-Weiss Hohen Neuendorf 3:0 (2:0): Doppelter Nackenschlag zur Unzeit

Der FC Carl Zeiss Jena II hat den SV Blau-Weiß Hohen Neuendorf mit 3:0 geschlagen – eine Niederlage, die vor allem aus einer schwachen ersten Hälfte der Gäste aus der Niederheide resultierte. Trainer Christian Liedtke zeigte sich konsterniert. Seine Mannschaft habe das Spiel nicht angenommen, es habe an Mut, Motivation und Ideen gefehlt – „ob Angst oder Respekt, schwer zu sagen“. Zudem kritisierte er seine Mittelfeldachse deutlich: „Wenn die mehr mit sich selber zu tun haben als mit dem Spiel, dann wird es schwer.“

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Luisa Buchwalder: Zuverlässiger Mittelfeldmotor, gab alles gegen Jena.

Die vorentscheidenden Szenen spielten sich kurz vor dem Seitenwechsel ab. In der 45. Minute landete eine Faustabwehr von Marie Ulrich im Zentrum, Elli Richter reagierte am schnellsten und hob den Ball als Bogenlampe über Umwege ins eigene Netz. In der Nachspielzeit verlor Elisa Schindler nach einem langen Ball das Laufduell gegen Anna Axer, die den Abpraller nach Ulrichs Parade zum 0:2 verwertete.

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Flügelspielerin Chantal Pistorius war hauptsächlich in der Defensive gebunden.

Zur Pause reagierte Liedtke mit einer deutlichen Kabinenansprache. Danach trat Hohen Neuendorf verbessert auf, ohne jedoch entscheidend durchzubrechen. Den Schlusspunkt setzte Ariane Leimert in der 83. Minute nach sauber ausgespieltem Angriff – begünstigt durch eine unsauber gestellte Abseitsfalle. Personelle Ausfälle hätten ihren Anteil gehabt – zwei B-Juniorinnen und zwei Spielerinnen aus der Zweiten mussten rekrutiert werden – „dieses Spiel musst du trotzdem nicht verlieren“, sagte Liedtke.

Die Niederlage tut Hohen Neuendorf im Abstiegskampf weh. Nach Ostern geht es gegen Erfurt. Bis dahin heißt es: Wunden lecken und am Mindset schrauben. Liedtke: „müssen wir wieder performen, wir müssen einfach mal an uns glauben.“ Fotos (Archiv): Christian Schneider


Titelbild: Jens Knohr